Symbolbild Missbrauch in der katholischen Kirche
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Papst Franziskus hört Missbrauchsopfern zu
Papst Franziskus hört Missbrauchsopfern zu
Sonderermittler Erzbischof Charles Jude Scicluna
Sonderermittler Erzbischof Charles Jude Scicluna
Chilenischer Bischof Juan Barros
Chilenischer Bischof Juan Barros

12.04.2018

Krisengipfel zu Missbrauch in Chile Papst räumt Fehler ein

Im Februar war ein päpstlicher Sonderermittler in Sachen Missbrauch in Chile. Am Mittwochabend nun veröffentlichte der Vatikan einen Papstbrief an die Bischöfe des Landes. Der müsste einige Folgen haben.

Für Mai hat Papst Franziskus 32 chilenische Bischöfe nach Rom zitiert, um mit ihnen über den Missbrauchsskandal in der Kirche des Landes zu sprechen - und über seine eigenen Fehler im Umgang damit. Es wird wohl das größte derartige Krisentreffen im Vatikan, seit Johannes Paul II. 2002 zwölf US-Kardinäle nach Rom zitierte, nachdem der dortige Missbrauchsskandal offensichtlich wurde.

In seinem Brief an die Chilenische Bischofskonferenz, der am Mittwochabend im Vatikan und in Chile gleichzeitig veröffentlicht wurde, räumt Franziskus schwerwiegende eigene Fehler in der Beurteilung der Lage in Chile ein. Die Protokolle eines Teams von Sonderermittlern hätten in ihm "Schmerz und Scham" ausgelöst.

Papst nannte Kritik an Barros bei Chile-Reise "Verleumdung"

Im Februar hatte Franziskus Charles Scicluna, Erzbischof von Malta und lange Jahre bei der Glaubenskongregation für die Untersuchung schwerer Vergehen von Klerikern zuständig, sowie den Rechtsexperten der Glaubenskongregation, Jordi Bertomeu Farnos, nach Chile entsandt. Dort sowie in New York hörten sie 64 Zeugen und hielten die Ergebnisse in einem 2.300 Seiten umfassenden Bericht fest.

Ob der umstrittene Bischof Juan Barros von Osorno im Amt bleibt, darüber schreibt der Papst nichts. Während seines Chile-Besuchs im Januar hatte er dessen Versetzung vom Militärbischofsamt ins südchilenische Osorno noch verteidigt, nannte Kritik an Barros gar "Verleumdung". Anschließend aber wurde bekannt, dass ein Missbrauchsopfer, Juan Carlos Cruz, der heute in den USA lebt, dem Papst bereits vor der Amtseinführung von Barros einen warnenden Brief geschrieben hatte.

Darin hieß es, in den 80er Jahren sei Barros als junger Priester Zeuge von Übergriffen des Priesters Fernando Karadima gegen sie geworden. Der heute 87-jährige Karadima, einst einer der prominentesten Geistlichen Chiles, wurde 2011 wegen Missbrauchs verurteilt. Barros zählte zu seinem geistlichen Schülerkreis.

Was der Papst genau über Barros wusste, ist unklar

Ob der Papst den Brief von Cruz, der ihm im April 2015 übergeben worden war, tatsächlich gelesen hat, ist nicht ganz sicher. Wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) erfuhr, war dem Papst aber bereits vor der Ernennung von Barros zum Bischof von Osorno aus der Kurie ein Dossier vorgelegt worden. Demnach sei Barros nicht nur Zeuge von Übergriffen gewesen, sondern später selbst übergriffig geworden. Der Papst habe dies aber als nicht genügend stichhaltig bewertet.

Doch es geht gar nicht allein um Barros. In dem sechsseitigen Brief des Papstes von Mittwoch taucht dessen Name gar nicht auf. Cruz, das bislang bekannteste Opfer des chilenischen Priesters Karadima, sagte in einem KNA-Interview: "Es ist enorm wichtig, dass das Verhalten der Bischöfe Juan Barros, Tomislav Koljatic und Horacio Valenzuela, Männer die allesamt sexuellen Missbrauch vertuscht haben, genauestens untersucht wird."

Wenn Franziskus nun kritisiert, er sei nicht genügend wahrheitsgemäß und ausgewogen informiert worden, dann verweist das nicht nur auf seine eigene Fehleinschätzung. Das geht wohl auch gegen andere Bischöfe. Genannt wird in dem Zusammenhang Santiagos früherer Erzbischof, Kardinal Francisco Javier Errazuriz Ossa. Der 84-Jährige Papstvertraute sitzt gar in den K9 genannten Kardinalsrat, der Franziskus bei seiner Kurienreform berät. In dem Interview kritisiert Cruz, Errazuriz Ossa habe einen "enorm schlechten Einfluss" auf Franziskus.

Papst: "Ich bitte alle um Vergebung, die ich verletzt habe"

Errazuriz selbst hatte nach dem Papstbesuch in Chile Bischof Barros für negative Presseberichte verantwortlich gemacht. Als dieser sich am Rande des Besuchs im Januar bereitwillig für Interviews zur Verfügung gestellt habe, sei ein "unerwünschter Nebenschauplatz" entstanden, monierte Errazuriz laut Medienberichten in einem Brief an mehrere lateinamerikanische Bischofskonferenzen.

Wenn die Chilenen nach Rom kommen, wird einiges aufzuarbeiten sein – sowohl in der Einstellung und im Verhalten der Bischöfe wie auch in der Art und Weise, wie und von wem sich dieser Papst informieren und beraten lässt. Immerhin scheint er eigene Fehleinschätzungen und Schnellschüsse offensiv angehen zu wollen.

"Ich bitte alle um Vergebung, die ich verletzt habe", schreibt Franziskus in seinem Brief vom Mittwoch. Noch bevor Chiles Bischöfe im Mai nach Rom reisen, will Franziskus einige Missbrauchsopfer persönlich empfangen, darunter auch Juan Carlos Cruz. Das haben er und zwei weitere Betroffene per Twitter bestätigt.

(KNA)

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