Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo ist tot
Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo ist tot
Papst Benedikt XVI. überreicht am 25.3.06 Andrea Cordeiro Lanza di Montezemolo (r.) seinen Kardinalsring.
Papst Benedikt XVI. überreicht am 25.3.06 Andrea Cordeiro Lanza di Montezemolo (r.) seinen Kardinalsring.

19.11.2017 - 00:00

Kardinal Montezemolo, erster Papstbotschafter in Israel, ist tot Der "historische Nuntius"

Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo war nicht nur studierter Architekt, sondern schrieb auch bei der Annäherung zwischen Vatikan und Israel Geschichte. Am Sonntag starb er mit 92 Jahren. Papst Franziskus sprach sein Beileid aus.

Der Vatikan ist um einen großen Diplomaten ärmer: Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo ist tot. Auf wenige Papstbotschafter richtete sich so viel öffentliches Interesse wie auf den Italiener. Der Sohn einer norditalienischen Adelsfamilie war in Jerusalem auf Posten, als der Heilige Stuhl nach über 45-jährigem Missverhältnis endlich diplomatische Beziehungen zu Israel aufnahm. Gleichsam zur Belohnung erhielt er danach den begehrtesten Diplomatenposten des Vatikan: bei der Republik Italien. Schließlich verlieh der Papst ihm noch den Kardinalspurpur.

Am Sonntag starb der Onkel von Ex-Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo mit 92 Jahren - wie italienische Medien berichteten, friedlich. Der Kardinal war gesundheitlich angeschlagen; Papst Franziskus besuchte ihn vor etwa einem Jahr, als der Turiner in einer römischen Klinik behandelt wurde. Zum Tod von Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo hat Papst Franziskus unterdessen dessen Schwester, Marchesa Adriana Cordero Lanza di Montezemolo, sein Beileid ausgesprochen.

In einem Telegramm würdigte der Papst vor allem Montezemolos jahrzehntelangen "großzügigen Einsatz" im diplomatischen Dienst in Papua Neuguinea, Nicaragua, Honduras, Uruguay und Israel. Dort war Montezemolo der erste Botschafter des Heiligen Stuhles gewesen. Das Requiem für di Montezemolo findet am Dienstag um 11.30 Uhr im Petersdom statt. Die Feier wird geleitet von Giovanni Battista Re, dem Vizedekan des Kardinalskollegiums, wie der Vatikan mitteilte.

Mit Montezemolos Tod zählt das Kardinalskollegium noch 217 Mitglieder. Davon sind 120 unter 80 Jahre alt und wären bei einer Papstwahl stimmberechtigt.

Bewegtes Leben

Papstwähler wäre Montezemolo also schon seit einiger Zeit nicht mehr gewesen. Dafür hatte er in seiner Zeit als Diplomat ein bewegtes Leben: Im Frühjahr 1990 wurde Montezemolo ins Heilige Land versetzt, als die erste Intifada auf ihrem Höhepunkt stand und die Golfkrise aufzog. Zuvor war er zehn Jahre Jahr in Nicaragua und Honduras und dann in Uruguay im Einsatz. Als "Apostolischer Delegat für Jerusalem und Palästina" zeigte der Offizierssohn am Vorabend der sogenannten Operation Desert Storm 1991 Mut mit der Anordnung, das katholische Kirchenpersonal solle im Land bleiben und seinen Dienst normal weiter versehen.

Dann aber bot der Friedensprozess von Madrid und Oslo auch dem Vatikan die Chance, seine Rolle in der Region neu zu gestalten. Das wurde zur großen Stunde für den Papstdiplomaten. Der Vatikan und Israel nahmen Arbeitsgespräche auf und unterzeichneten unter seiner Regie Ende 1993 einen Grundlagenvertrag. "Unser historischer Nuntius" - so begrüßte ihn Papst Johannes Paul II., als Montezemolo anschließend zur Berichterstattung in den Vatikan kam.

Für eine Klärung mit den Palästinensern

Und als ein halbes Jahr später beide Seiten Botschafter nominierten, war klar, dass Montezemolo Nuntius in Tel Aviv werden würde. Sein Amt als Delegat in Jerusalem freilich behielt er bei. Er achtete auf seine Unabhängigkeit und setzte sich mit Nachdruck für eine diplomatische Klärung auch mit den Palästinensern ein. Danach vertrat der italienische Diplomat, der als junger Mann erleben musste, wie sein Vater 1944 in den Ardeatinischen Höhlen von der SS ermordet wurde, den Heiligen Stuhl noch drei Jahre lang in seinem Heimatland.

Mit der Pensionierung 2001 war seine aktive Laufbahn freilich noch nicht vorbei. Johannes Paul II. beauftragte ihn mit der Neuordnung von Verwaltung und Pilgerbetrieb in der römischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Und als die Arbeiten abgeschlossen waren, ernannte ihn Papst Benedikt XVI. 2005 zum ersten Erzpriester des Gotteshauses. Den daran geknüpften Kardinalsrang erhielt er ein Jahr später. In dieser Funktion spielte er eine zentrale Rolle beim von Benedikt XVI. anberaumten Internationalen Paulus-Jahr. Nach dessen Abschluss trat Montezemolo dann 2009, fast 84-jährig, zum zweiten Mal und endgültig in den Ruhestand.

Liebe für die Wappenkunde

Danach konnte er sich noch intensiver seinen Hobbys widmen. Dazu gehörten zeitlebens die Architektur, die er vor dem Priesterberuf studiert hatte und mit deren Fertigkeiten er später immer wieder Umbauten an Nuntiaturen vornahm. Dazu gehörte aber auch die Heraldik, die Wappenkunde. Für viele Bischöfe entwarf er das Wappen, auch für Benedikt XVI. Seinen letzten großen öffentlichen Auftritt erlebte Montezemolo vor vier Jahren: In der vatikanischen Buchhandlung stellte er sein "Handbuch der kirchlichen Heraldik" vor.

(KNA)

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