Papst Franziskus (m.) begrüßt Vertreter des Malteserordens während einer Audienz am 23. Juni 2016 im Vatikan
Papst Franziskus (m.) begrüßt Vertreter des Malteserordens während einer Audienz am 23. Juni 2016 im Vatikan
Albrecht von Boeselager
Albrecht von Boeselager

09.03.2017

Malteser-Orden will wieder in ruhigere Fahrwasser kommen "Noch nicht mal eine Marginalie"

Der Malteser-Orden will nach den Worten seines Großkanzlers Albrecht von Boeselager schnell wieder in ruhigere Fahrwasser kommen. Die Krise sei "vielleicht noch nicht mal eine Marginalie in der Geschichte des Ordens", sagte er.

von Boeselager äußerte gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) die Hoffnung, aus der internationalen Publizität als Folge der "unschönen Geschichte" nachträglich etwas Gutes machen zu können.

von Boeselager stand über Wochen in den Schlagzeilen, weil ihn der inzwischen zurückgetretene Malteser-Großmeister Matthew Festing vom Amt als Großkanzler des Ritterordens enthoben hatte. Dies führte zu einem schweren Konflikt Festings mit dem Vatikan. Als Papst Franziskus den Fall mit einer Kommission untersuchen ließ, verweigerte Festing die Zusammenarbeit. Auf Bitte des Papstes trat der Brite dann zurück, Boeselager kehrte ins Amt zurück. Am 29. April will der Orden einen neuen Leiter wählen.

Als Grund für den ordensinternen Konflikt nennt von Boeselager eine "zunehmende Entfremdung" zwischen Festing und den vier Mitgliedern der Regierung des Ordens, der ein souveränes Völkerrechtssubjekt ist.

Die Eskalation begünstigt habe der amerikanische Kardinal Raymond Burke, der Kardinalpatron des Ordens war. Im Zuge der Krise setzte der Vatikan Kurienerzbischof Giovanni Angelo Becciu als persönlichen Delegaten ein. Ob Burke, ein Wortführer des konservativen Kirchenflügels und Mitverfasser eines Briefs von vier Kardinälen mit Zweifeln zum Papstschreiben "Amoris laetitia", in seine Funktion beim Orden zurückkehrt, ist laut von Boeselager unklar. Franziskus habe das noch nicht entschieden.

von Boeselager: Einfluss der deutschen Gruppe nicht zu stark

Für "maßlos übertrieben" hält von Boeselager Darstellungen, nach denen vielen Ordensmitgliedern der Einfluss der deutschen Gruppe zu stark sei. Es gebe aber "singuläre Meinungen", die auf Neid gegenüber den Strukturen der Malteser in der Bundesrepublik beruhten. Für den Orden werden jetzt Reformen angestrebt. Dabei geht es um die drei Stände, in die sich die Malteser aufteilen. Einige Ämter sind an den ersten Stand geknüpft, der sich zu Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit verpflichtet. Er besteht aus rund 60 Personen. Geprüft werden soll, ob mehr Ämter für den zweiten Stand geöffnet werden.

Damit die rund 13.000 Malteser weltweit eine Grundsatzdebatte über Neuerungen führen können, geht von Boeselager davon aus, dass im April kein Großmeister gewählt, sondern nur ein interimistischer Leiter bestimmt wird. Innerhalb eines Jahres könnte dann geklärt werden, wie es bei den Maltesern langfristig weitergehen soll. Ziel sei auch, weitere Eskalationen wie jetzt im Winter zu vermeiden.

Der Ritterorden wurde im elften Jahrhundert gegründet und hatte von 1530 bis 1798 auf Malta einen eigenen Staat. Heute steht der Orden vor allem für humanitäres Engagement in rund 120 Ländern. Er kümmert sich etwa um Krankenhäuser, Altenpflege und Obdachlose, organisiert aber auch internationale Katastrophenhilfe.

Dabei profitieren die Malteser von ihrer Stellung als eigenständiges Völkerrechtssubjekt. Für von Boeselager heißt der Vorteil, "dass wir keinem Land zugeordnet werden können". Malteser könnten helfen, "wo es für andere schwierig wird". Schwerpunkt ist derzeit die Arbeit für Flüchtlinge. Von Boeselager war auf Einladung der CDU in Stuttgart.

(KNA)

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