Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation
Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation

01.12.2016

Kardinal Müller zu Kardinalsbrief und "Amoris laetitia" "Wir beteiligen uns nicht am Streit der Meinungen"

Vier Kardinäle fordern von Papst Franziskus in einem offenen Brief mehr Klarheit im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Im Interview erklärt Kardinal Gerhard Ludwig Müller, warum seine Behörde vorerst nicht antworten wird.

KNA: Viele erwarten von der Glaubenskongregation in der Debatte über "Amoris laetitia" und die wiederverheirateten Geschiedenen ein klärendes Wort. Vier Kardinäle haben vom Papst nun sogar öffentlich mehr Klarheit gefordert. Werden Sie darauf reagieren?

Gerhard Ludwig Kardinal Müller (Präfekt der Glaubenskongregation): Dieser Brief war an den Papst persönlich gerichtet und enthielt Fragen zur richtigen Interpretation von "Amoris laetitia". Die Glaubenskongregation kann sich am Streit der Meinungen nicht beteiligen. Sie spricht und handelt mit der Autorität des Papstes. Ihre Kompetenz ist die Glaubens- und Sittenlehre der Kirche. Im Hinblick auf Delikte gegen Glauben und Moral wie auch gegen die Heiligkeit der Sakramente ist sie das höchste Apostolische Tribunal. Der Papst kann uns ad hoc beauftragen, den Meinungsstreit zu schlichten.

Im Moment ist es für jeden von uns wichtig ist, sachlich zu bleiben und sich nicht in eine Polarisierung hineintreiben zu lassen oder sie gar noch anzuheizen. Es geht um den Sieg der Wahrheit und nicht um den Triumph des Macht. Alle umlaufenden Gerüchte und Stereotypen vom Machtkampf hinter den Kulissen oder den "hohen Mauern des Vatikans" zwischen Reformern und Bremsern zeigen nur, wie das Denken und Wahrnehmen von Machtkategorien verdorben sind und wie wenig man vom Geist und der Wahrheit Gottes und der Kirche seines Sohnes verstanden hat oder verstehen will.

KNA: Was bedeutet das für die Seelsorge?

Müller: Das Sakrament der Ehe mit den Gütern der Unauflöslichkeit, der Offenheit auf Kinder und der Lebensgemeinschaft von einem Mann mit einer Frau ist im Wort und Willen Gottes begründet. Das ist die unerschütterliche Lehrgrundlage für jede pastorale Begleitung. Der Heilige Vater möchte zugleich allen, deren Ehen und Familien sich in einer Krise befinden, helfen, einen Weg in Übereinstimmung mit dem immer gnädigen Willen Gottes zu finden. Wir können sicher davon ausgehen, dass der gerechte und barmherzige Gott immer unser Heil will, in welcher Not wir uns auch befinden. Es steht aber nicht in der Macht des Lehramtes, die Offenbarung Gottes zu korrigieren oder die Nachfolge Christi bequem zu machen.

KNA: Wären dann die Bischofskonferenzen gefragt? Franziskus schreibt ja in "Amoris laetitia", es müssten nicht alle Fragen in Rom geklärt werden... 

Müller: Nur der Papst und die Bischöfe sind göttlichen Rechts, wie zuletzt das Zweite Vatikanische Konzil erklärte. Die Bischofskonferenzen hingegen sind als Ausschnitte des Gesamtepiskopates lediglich Arbeitsgemeinschaften mit bestimmten Kompetenzen. Die höchste Autorität in Lehrfragen hat nur der Papst mit der Gesamtheit des Episkopates, besonders im Ökumenischen Konzil.

Nur in Treue zur Lehre der Apostel, dem Ganzen des geoffenbarten Glaubens, können sich die Bischöfe einer Konferenz zum Beispiel zur pastoralen Anwendung von "Amoris laetitia" äußern. Sonst würde die Kirche in Nationalkirchen zerfallen und am Ende sich atomisieren. Das Sakrament der Ehe ist aber in Korea ebenso gültig wie in Deutschland.

Die verbindlichen Erklärungen der Päpste, der Konzilien von Trient und des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Glaubenskongregation über die wesentlichen Eigenschaften der Ehe und die Voraussetzung für den fruchtbaren Empfang der Sakramente im Stand der Rechtfertigungsgnade dürfen von niemanden beiseite geschoben werden unter dem Vorwand, die Ehe sei doch nur ein Ideal, das nur von den wenigsten erreicht werden könnte.

Die Ehe ist in Wahrheit kein von uns produziertes Wunschbild, sondern ein Sakrament, das heißt eine von Gott gestiftete Realität. Sie ist Ausdruck der Barmherzigkeit des Schöpfers und des Erlösers. Gott überfordert uns nicht, um sich dann angesichts unseres Versagens als barmherzig erweisen zu können. Mit Hilfe der Gnade können wir die Gebote, darunter auch das sechste Gebot, erfüllen und so im Leben nach Gottes Willen den Frieden des Herzens finden.

KNA: Müssen also letztlich die einzelnen Bischöfe entscheiden, welche seelsorgerischen Konsequenzen sie aus diesem päpstlichen Schreiben ziehen?

Müller: Auch die einzelnen Bischöfe können nicht irgendetwas nach ihrem privaten Gusto machen. Sie sind Diener, nicht Herren des Glaubens. Jedenfalls kann "Amoris laetitia" nicht so interpretiert werden, als ob die früheren Aussagen der Päpste und der Glaubenskongregation, darunter auch ihre offizielle Antwort auf das gemeinsame Hirtenschreiben der drei oberrheinischen Bischöfe von 1993 zum Kommunionempfang von Katholiken in einer nicht kirchlich anerkannten Ehe, nicht mehr gültig seien. Der Beifall der veröffentlichten Meinung ist kein Beweis, dass man in Fragen des Glaubens richtig liegt. Ein Bischof hat - gelegen oder ungelegen- nichts anders zu lehren als "die gesunden Worte und Lehren Jesu Christi, unseres Herrn". (1 Tim 6,3)

Das Interview führte Thomas Jansen und Stefanie Stahlhofen.

(KNA)

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