Trockenes Getreidefeld nahe Offenbach am Main (Hessen) am 9.6.15
Trockenes Getreidefeld nahe Offenbach am Main
Ein Landwirt bearbeitet am 28.5.15 einen trockenen Acker in Sieversdorf in Brandenburg
Trockener Acker in Brandenburg

18.06.2015

Reaktionen auf Franziskus' Umweltenzyklika Klartext für die Umwelt und für die Armen

Nach der Veröffentlichung der Umweltenzyklika "Laudato si" haben Amtsträger aus Kirche und Politik die Worte des Papstes gewürdigt. Von "Klartext" und "Weckruf" ist die Rede. Leise Kritik kommt vom Bundesverband Katholischer Unternehmer.

Als "starkes Signal genau zur rechten Zeit" hat der Münchner Kardinal Reinhard Marx die neue Enzyklika von Papst Franziskus gewürdigt. Es sei neu, dass ein Papst "sehr bewusst Wirkung in die Weltpolitik hinein entfalten will", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag in München. Deshalb habe Franziskus sein Lehrschreiben genau vor den entscheidenden Gipfelkonferenzen zu den Entwicklungszielen im September in New York und zum Klimaschutz im Dezember in Paris veröffentlicht.

Die Menschheit müsse am Beginn des 21. Jahrhunderts umsteuern, betonte Marx. Der Papst nehme dabei auch sich selbst und die Kirche in die Pflicht, verantwortlich mit der Schöpfung umzugehen. "Wer die Schöpfung nicht liebt, kann kein wirklich guter Christ sein."

Der Papst bleibe voller Hoffnung: "Er schildert die riesigen globalen Probleme und Herausforderungen im Umwelt- und Sozialbereich. Aber er glaubt daran, dass die Menschen sich in Freiheit für das Gute entscheiden, die Herausforderungen bewältigen und die Welt zum Besseren verändern können."

Auch er selbst setze große Hoffnungen auf die Wirkung des Lehrschreibens, sagte der Kardinal. Keine andere Institution habe die Möglichkeit, sich so zu äußern, dass ein Text von Hunderttausenden Menschen weltweit studiert werde. Hauptanliegen des Papstes sei, den Einsatz für die Umwelt und für die Armen "auf keinen Fall zu trennen". An der Verbreitung und Umsetzung dieser Botschaft wolle er, Marx, sich gern beteiligen. Im Grunde propagiere der Papst eine "neue Fortschrittsidee" von einer ökologisch verträglichen ganzheitlichen Entwicklung, "die uns eigentlich begeistern müsste".

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki begrüßte gegenüber domradio.de die Enzyklika als "gut, richtig und wichtig". Franziskus mache den Zusammenhang von Umweltschutz und Ökonomie sehr deutlich. Die Menschen in den reichen Ländern sollten ihren Lebensstil überdenken. Die Schäden der Umwelt kämen nicht alleine durch das Bevölkerungswachstum, so Woelki, sondern auch durch extremes Konsumverhalten einzelner Menschen. Von jedem einzelnen Menschen sei daher ein "ökologisches Umdenken" gefordert.

"Papst Franziskus spricht erneut Klartext. Er erwartet von uns ein radikales Umlenken in unserer Art zu leben und zu wirtschaften. Mit unmissverständlichen und deutlichen Worten legt er eine notwendig schmerzhafte Analyse der Situation unserer Welt vor, die alle Menschen guten Willens wachrütteln muss", so Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Mit seinem Schreiben wende sich Papst Franziskus in bisher nicht gekannter Offenheit an alle Menschen dieser Welt, sagte der ZdK-Präsident. "Das Wohl des schwächsten Gliedes, so seine Botschaft, bestimmt das Wohl und Wehe des Ganzen unserer Welt."

Glück appelliert an die Katholiken in Deutschland, sich mit dem Papst auf diesen Weg des Dialogs einzulassen und mit allen Interessierten das Gespräch über die ethischen Maßstäbe des persönlichen und politisch-gesellschaftlichen Handelns zu suchen.

Für den brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff spiegelt die Enzyklika auch die argentinische Herkunft von Franziskus wider. "Bei der aktuellen Bestandsaufnahme schreibt der Papst einen Satz, der an eine in Lateinamerika verbreitete Reflexion erinnert: Eine echte ökologische Abhandlung ist immer auch eine Sozialanalyse", so Boff in einem Gastkommentar für die "tageszeitung". "Es ist das erste Mal, dass ein Papst das Thema Ökologie ganzheitlich behandelt. Er bearbeitet es innerhalb eines neuen ökologischen Paradigmas - eine Herangehensweise, die der UNO bis heute in keinem einzigen offiziellen Dokument gelungen ist."

Die beiden katholischen Hilfswerke Misereor und Adveniat sehen in der Umweltenzyklika von Papst Franziskus eine Aufforderung zu einem radikalen Kurswechsel. Ein "Weiter so" in der Klima- Umwelt, Wirtschafts- und Finanzpolitik sei nicht mehr möglich, erklärte der Hauptgeschäftsführer von Misereor, Pirmin Spiegel, am Donnerstag in Aachen. Auf den anstehenden internationalen Konferenzen müsse die Bundesregierung mit konkreten Taten vorangehen wie einem sozial verträglichen Ausstieg aus der Kohleverbrennung.

Der Hauptgeschäftsführer von Adveniat, Bernd Klaschka, griff den Appel von Papst Franziskus auf, Umweltfragen und soziale Gerechtigkeit zusammen zu denken. Jeder Einzelne sei gefragt, betonte der Chef des Lateinamerika-Hilfswerks. "Überwinden wir unseren persönlichen und nationalen Individualismus!" Der Papst habe einen "großartigen Text" verfasst. "Er ist nicht bequem und macht unser Leben vielleicht nicht bequemer; lebenswerter macht er es - wenn wir uns daran orientieren - allemal, nicht allein für die Armen in Lateinamerika und in anderen armen Weltregionen, sondern letztlich auch für uns selbst."

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Umweltenzyklika von Papst Franziskus als "Klimaschutz-Offensive" begrüßt. Es sei "ein Text zum richtigen Zeitpunkt", sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, am Donnerstag in Hannover.

"Christliche Kirchen weltweit eint der Kampf gegen die Zerstörung der Natur", betonte er. "Jenseits der unterschiedlichen theologischen Traditionen verbindet uns die gemeinsame Leidenschaft für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und für eine gerechte Ordnung der weltweiten Wirtschaftsbeziehungen", so der Ratsvorsitzende. Er wünsche dem Text "eine breite internationale Aufmerksamkeit."

Mit Blick auf die UN-Klimakonferenz Ende November in Paris forderte Bedford-Strohm, eine drastische Reduktion von CO2-Emissionen sowie Hilfe für die Ärmsten der Welt "verbindlich" zu verabreden.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte: "Für mich persönlich beschreibt die christliche Ethik auf sehr wunderbare Weise den Platz des Menschen auf dieser Erde: Sie wurde uns geliehen und ist uns anvertraut. Aber sie gehört uns nicht. Das bindet uns daran, sie gemeinsam zu pflegen, jedem an ihrem Reichtum teilhaben zu lassen und sie geordnet zu übergeben. Das vergisst man manchmal in einer Gesellschaft, in der Wirtschaftswachstum und Gewinnmaximierung Schlüsselwörter sind."

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sprach von einem wegweisenden Lehrschreiben. "Ich bin Papst Franziskus für seinen Weckruf dankbar, die Schöpfung für kommende Generationen zu bewahren und unser Konsumieren und Produzieren nachhaltig zu verändern", sagte Müller am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Für die noch in diesem Jahr anstehenden Entscheidungen über einen Weltzukunftsvertrag und ein Klimaabkommen der Weltgemeinschaft müssen uns die Ausführungen von Papst Franziskus nicht nur Mahnung, sondern auch eine Verpflichtung zum Handeln sein."

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat die Enzyklika als "eindringlichen Weckruf zur richtigen Zeit" gewürdigt. Er hoffe, dieser werde der Bundesregierung in den Ohren dröhnen, sagte Hofreiter in einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Schon ein Blick in den Entwurf des päpstlichen Lehrschreibens beweise, dass das Kirchenoberhaupt um Längen weiter sei als die deutschen Christdemokraten und Christsozialen.

Der Bundesverband Katholischer Unternehmer (BKU) begrüßt insbesondere die Forderung des Papstes, im Rahmen einer Kreislaufwirtschaft, 'den Gebrauch der nicht erneuerbaren Ressourcen aufs Äußerste zu beschränken, den Konsum zu mäßigen, die Effizienz der Ressourcennutzung maximal zu steigern und auf Wiederverwertung und Recycling zu setzen'.

Kritik äußerte die BKU-Vorsitzende Marie-Luise Dött an der Vorstellung des Papstes, 'in einigen Teilen der Welt eine gewisse Rezession zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann'. "Dieser Aussage können wir uns nicht anschließen. Wenn es in Europa oder Amerika eine Rezession gibt, wird sich das negativ auch auf die Schwellen- und Entwicklungsländer auswirken. Wir brauchen Wachstum! Allerdings müssen wir es ressourcenschonend organisieren, und es darf nicht an den Armen in dieser Welt vorbei gehen", so Dött.

(KNA, DBK, dr)

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