28.12.2012

25 Jahre Enzyklika "Sollicitudo rei socialis" Von den Armen aus

Wie kein anderer Papst zuvor hat Johannes Paul II. den Katholiken in Europa die Augen für die Weltkirche geöffnet. Seine zweite Sozialenzyklika widmete er vor 25 Jahren dem Nord-Süd-Konflikt und der Solidarität mit den Entwicklungsländern.

Am 30. Dezember 1987, wurde sie unter dem Titel "Sollicitudo rei socialis" in Rom veröffentlicht. Anlass für dieses Rundschreiben über die "soziale Sorge der Kirche" war das 20-Jahr-Jubiläum der ersten päpstlichen Enzyklika überhaupt, die sich mit der Entwicklungsproblematik befasste: "Populorum progressio" aus der Feder Papst Pauls VI. So befasst sich Johannes Paul II. in einem ersten Teil ausführlich mit dem Lehrschreiben seines Vorgängers. Ausdrücklich würdigt er das darin formulierte Grundverständnis von humaner, ganzheitlicher Entwicklung.

Freilich hatte sich der Blick auf das Thema seit den späten 1960er Jahren stark verändert. Der Optimismus und die Aufbruchsstimmung jener Zeit waren einer weitaus nüchterneren Einschätzung der weltpolitischen Lage gewichen. Die "damals so lebhaften Hoffnungen auf Entwicklung", schreibt Johannes Paul II., erschienen nun "weit entfernt von ihrer Verwirklichung". Im Folgenden beklagt der Papst eine Vereinnahmung der Entwicklungsländer im Ost-West-Konflikt, er wendet sich in deutlichen Worten gegen jegliche Form des "Neokolonialismus" und bedauert lebhaft, dass sich die Entwicklungshilfe oftmals auf das rein Materielle beschränke.

In dieser Akzentverschiebung weg vom Materiellen sieht die Theologin Marianne Heimbach-Steins das grundlegend Neue von "Sollicitudo rei socialis". "Die Enzyklika deutet die Misere der armen Länder als ethische Problematik", erklärt Heimbach-Steins, die in Münster am Institut für Christliche Sozialwissenschaft lehrt. Zugleich betont sie die politische Dimension des Textes: Johannes Paul II. sehe die armen Länder nicht nur als Hilfeempfänger und Objekte entwicklungspolitischer Strategien der Industrieländer, sondern schätze sie selbst als Akteure wert. "Die Eliten dieser Länder werden in die Pflicht genommen, ohne dass die reichen Länder aus der Pflicht zur Solidarität entlassen würden", sagt die Theologin.

Im Geist des Kalten Krieges

Eine Problematik allerdings weist der Text für heutige Leser auf. Er atmet noch stark den Geist des Kalten Krieges. Immer wieder ist von der Konfrontation der Blöcke die Rede und vom Kampf zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Dennoch hält Heimbach-Steins den Text nicht für überholt. "Erstmals in einem päpstlichen Schreiben werden hier zwei befreiungstheologische Leitideen, die 'vorrangige Option für die Armen' und die 'Strukturen der Sünde', aufgenommen", erläutert sie die bleibende Bedeutung des päpstlichen Lehrschreibens. Trotz einer formalen Abgrenzung von der Befreiungstheologie werbe Johannes Paul II. für einen Standpunkt "von den Armen aus" und lege dar, dass die Menschen in den reichen Ländern durch ihren Lebensstil, durch ihre Wirtschaftsbeziehungen und politischen Optionen in Strukturen verstrickt sind, die "objektiv ungerecht" sind.

In der Tat: Trotz des zeitgeschichtlichen Kontextes lesen sich zentrale Passagen der Enzyklika, als wären sie eben erst für eine UN-Konferenz zur nachhaltigen Entwicklung formuliert worden. So heißt es in Abschnitt fünf: "Die Solidarität hilft uns, den 'anderen' - Person, Volk oder Nation - nicht als irgendein Mittel zu sehen, dessen Arbeitsfähigkeit und Körperkraft man zu niedrigen Kosten ausbeutet und den man, wenn er nicht mehr dient, zurücklässt, sondern als ein uns 'gleiches' Wesen, (...) als einen Mitmenschen also, der genauso wie wir am Festmahl des Lebens teilnehmen soll." Dass dieser Anspruch bis heute nicht eingelöst wurde, sollte jedem Entwicklungspolitiker zu denken geben.

Andreas Laska
(KNA)

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