Feldbergkirche
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27.04.2013

Ein Besuch in Deutschlands höchster Pfarrkirche am Feldberg In Bergstiefeln zur Andacht

Wer sich dem Feldberg vom Titisee her nähert, sieht, auf der Passhöhe angekommen, rechter Hand die Anfang der 60er Jahre vom Karlsruher Architekten Rainer Disse erbaute Kirche Verklärung Christi. Ein Besuch.

Schuhe mit Absätzen sind selten in dieser Kirche, doch die Schritte einiger Besucher fallen trotzdem auf: Statt hartem Klackern kündigen tiefe Stampfer die Gäste an, die sich vor der Kirchentür die Spuren des Nachmittags von den Sohlen putzen und kurz darauf ihren Wanderrucksack neben der Kirchenbank abstellen. Es ist ruhig hier, auch wenn direkt nebenan die Parkplätze voll sind. Aber die höchste Pfarrkirche Deutschlands ist kein Touristenmagnet, wie etwa die Kapelle auf dem Zugspitzplatt oder das "Wendelsteinkirchl". Zwischen der Passstraße und der Sesselbahn liegt die Feldbergkirche fast versteckt. Von der Straße oder den Wanderwegen ist meistens nur der spitze Betonturm der Kirche sehen.

Wenn die ersten Wanderer am späten Sonntagnachmittag schon wieder ins Tal fahren, erwartet Nadja Marder ihre Gäste. Von Pfingsten bis Ende Oktober lockt ein ökumenisches Abendgebet Touristen und Schwarzwälder jeden Sonntag in die Feldbergkirche.

Nadja Marder ist eine von neun katholischen und evangelischen Gebetsleiterinnen. "Das ist ein schöner Ausklang des Tages, und ich mache das wirklich sehr gerne", sagt die 45-Jährige, die zuvor schon in der Kinder- und Jugendarbeit ihrer Pfarrgemeinde tätig war. Rund

120 Gläubige kommen zu dem Abendgebet, bei dem jeweils ein Chor aus der Region Taize-Lieder singt. Das ökumenische Abendgebet ist keine gekürzte Eucharistiefeier, sondern hat seine eigenen festen Bestandteile. Neben Gebet und Musik gehört der Gang zur Ikone dazu.

Kurz vor dem Ende des etwa halbstündigen Abendgebets kann jeder Gläubige eine Kerze als Zeichen für seine Anliegen vor dem Christusbild abstellen. "An schönen Sommertagen kommen bis zu 180 Menschen zum Abendgebet. Bei schlechtem Wetter auch mal nur 50 - das ist sehr unterschiedlich", berichtet Marder.

Beim Abendgebet liest sie Texte, die zum Nachdenken anregen. Vor den Besuchern stehen brennende Kerzen. Ruhige Gesänge und Momente der Stille wechseln sich ab. Wenn die Tür aufgeht und neue Besucher die Kirche betreten, sind die Fahrzeuge auf der nahegelegenen Passstraße zu hören. Doch von dem gleichzeitigen Gewusel auf dem Wanderparkplatz und dem allabendlichen Stau auf der Bundesstraße in Richtung Freiburg ist hier nichts zu spüren. Wer den Blick schweifen lässt, sieht durch die großen Fenster auf der Talseite die bewaldeten Höhenzüge des Schwarzwalds. Die Straße ist nicht zu sehen.

Besondere Atmosphäre

Für Doris und Rudolf Huber ist das Abendgebet in der Feldbergkirche Erholung: "Für uns ist das richtig entspannend, weil wir hier nicht arbeiten müssen", sagt Rudolf Huber, der als Mesner zusammen mit seiner Frau die Gottesdienste seiner Heimatpfarrei im nahen Wiesental vorbereitet. Um die Atmosphäre am Feldberg zu genießen, sind sie etwas eher losgefahren. Mit Blick auf den Schwarzwald konnten sie so auch noch mit anderen Besuchern des Abendgebets plaudern.

Diesmal ist ein evangelischer Chor aus dem Schwarzwalddorf Bonndorf angereist und hat viele Gäste mitgebracht: Irene Blick und Ingeborg Dietzenschmidt sind vor allem deswegen hier, weil das Abendgebet ein ökumenisches Angebot ist. Die beiden Frauen sind katholisch, ihre evangelischen Männer singen im Chor der kleinen evangelischen Diaspora-Gemeinde. "Es ist bereichernd, wenn es so ein gutes Miteinander zwischen den Konfessionen gibt", meinen die Frauen übereinstimmend.

Wenn es Herbst wird oder die Sonne hinter den Wolken versteckt bleibt, entwickelt sich in der Feldbergkirche ein bisschen die Gebetsatmosphäre der Gemeinschaft von Taize. Auch wenn das Abendgebet die Ideen des Gründers Rogers Schütz nicht kopieren will und deshalb offiziell ein Gebet mit Gesängen aus Taize ist, passt der Vergleich des Feldbergs mit dem kleinen Ort im Burgund zumindest teilweise.

Unmittelbare Nähe zu Skiliften

200 Einwohner hat Taize, das in der Nähe von Cluny liegt und jedes Jahr tausende junger Menschen in die Zeltstadt der ökumenischen Brudergemeinschaft lockt. Die Pfarrkirche Christi Verklärung auf dem Feldberg - so der Name, auf den die Feldbergkirche 1965 vom damaligen Freiburger Erzbischof Hermann Schäufele geweiht wurde - hat noch weniger Gemeindemitglieder. Schon damals war die Kirche für die Region und den Tourismus gebaut worden. Doch zur höchstgelegenen Pfarrkirche wurde sie, weil sie die alleinige Pfarrkirche für Feldberg-Ort war, den kleinsten Ortsteil der politischen Gemeinde Feldberg in unmittelbarer Nähe zu Skiliften, Hotels und Jugendherberge. Zwar gibt es in den Alpen auch höher gelegene Kapellen oder Kirchen. Diese bilden dort aber keine eigene Pfarrei, sondern gehören zur Pfarrgemeinde eines der niedriger gelegenen Dörfer.

Auch im Hochschwarzwald haben Umstrukturierungen die Pfarreien verändert. Seit 2002 bilden Feldberg-Ort und der größere Ortsteil Altglashütten kirchlich eine Gemeinde. Sie ist wiederum ein Teil der Seelsorgeeinheit Östlicher Hochschwarzwald mit insgesamt 5.200 Gläubigen. Den Titel Pfarrkirche hat die Feldbergkirche trotz der Fusion behalten, manch andere Veränderungen konnte das aber nicht

verhindern: Seit zwei Jahren gibt es keine regelmäßigen Messfeiern mehr in der Feldbergkirche. Nur noch an den Hochfesten oder zu besonderen Anlässen wird hier Eucharistie gefeiert, ansonsten gibt es nur das Taize-Abendgebet.

Anziehungspunkt für Region und Tourismus sei die Kirche aber weiterhin, sagt Pastoralreferent Günther Hirt, der für die Seelsorgeeinheit die Feldbergkirche betreut. "Sie soll vor allem ein Ort des Betens und der Ruhe sein und will auf diese Weise Hilfe für die Menschen sein", so Hirt. Jeden Tag ist die Feldbergkirche geöffnet, auch im Winter, wo es nicht einmal ein sonntägliches Abendgebet gibt.

Im Sommer reichen die offiziellen Parkplätze für die Wanderer aus. Erst am Abend ist die Straße dann wieder ein Problem, wenn die Tagestouristen in Richtung Autobahn entlang des nahegelegenen Titisees im Stau stehen. Die Besucher des sonntäglichen Taize-Gebets in der Feldbergkirche merken davon noch nichts. Erst wenn der Chor die letzten Takte gesungen hat, machen auch sie sich wieder auf den Heimweg.

Benedikt Plesker
(KNA)

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