Schwimmer im Training
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Weihbischof Jörg Michael Peters
Weihbischof Jörg Michael Peters

16.09.2020

Sportbischof würdigt DJK-Sportverband zum 100-Jahr-Jubiläum Sporttreiben ohne Mauern

Der DJK-Sportverband besteht seit 100 Jahren. Er versteht sich als christlich wertorientierter Sportverband unter katholischem Dach. Der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters ​verweist im Interview auf die Vorbildfunktion der DJK-Geschichte.

KNA: Herr Weihbischof, welche Bedeutung hat der katholische DJK-Sportverband in der heutigen Zeit?

Weihbischof Jörg Michael Peters (Sportbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, Trierer Weihbischof): Der DJK-Leitspruch wurde vor 100 Jahren von Prälat Carl Mosters formuliert und beschreibt bis heute treffend den Auftrag des DJK-Sportverbands: "Sport um der Menschen willen". Es geht um Toleranz, Respekt, Fairness, Integration, Inklusion, Solidarität, Frieden und Gerechtigkeit, letztlich um ein gelingendes Zusammenleben. In dem zum 100-jährigen Bestehen eigens getexteten und komponierten DJK-Lied heißt es in der ersten Strophe: "Fair und menschenwürdig alles geben". Damit rücken Werte in den Vordergrund, um die es in der DJK geht: die Anerkennung der Würde jedes Menschen sowie Miteinander statt Gegeneinander - weil es eben um den Menschen geht.

KNA: Was motiviert Sportler, bei der DJK mitzumachen?

Peters: Die Gründe sind sehr vielfältig. DJK steht für Qualität, Verlässlichkeit, Gemeinschaft, Fairness und christliche Werte. In dem Verband steht der Mensch im Mittelpunkt. Dieser Grundsatz gilt auch und im Besonderen im Leistungssport. Gleichzeitig legt die DJK Wert auf gesundheitsfördernde Sport- und Spielangebote auch ohne Wettkampfcharakter. Ein DJK-Verein ist mehr als nur ein Sportverein.

KNA: Inwiefern?

Peters: Oft ist es die enge Verbundenheit mit dem Verein, manchmal sogar über mehrere Generationen hinweg. Für manche Mitglieder ist die sportliche Gemeinschaft wie eine große Familie, in der nicht nur Sport getrieben wird, sondern eine Verbundenheit und Zugehörigkeit empfunden wird. Gemeinsame Feste im Verein, Treffen am Wochenende, das Erleben von Fairness untereinander, gemeinschaftliche Freude im Sport und das Feiern von "Sportlergottesdiensten" sind prägend für die Bindung an den DJK-Verein.

KNA: Der Verband hat einen Wandel zu einem katholischen Verband mit überkonfessioneller Ausrichtung durchgemacht. Welche Rolle spielt dies heute?

Peters: Die DJK bietet die Möglichkeit, in einer globalisierten Gesellschaft ohne Mauern Sport zu treiben. Da spielen Konfession, Hautfarbe, Herkunft, Kultur oder eine Behinderung eines Menschen keine Rolle. Es kommt auf das Zusammenspiel mit den anderen an, mit denen wir leben, mit denen wir gerne spielen oder Sport treiben, und auf das gemeinsame Leben und Erleben der Werte. Dazu gehört für uns die vorurteilsfreie Begegnung untereinander, weil jeder Mensch einzigartig und wertvoll ist, weil jeder Mensch eine Chance verdient hat. Keiner darf ausgegrenzt werden.

KNA: Was sehen Sie als wichtigen Aspekt in den Aufgaben der DJK?

Peters: Der Sport ist ein Bereich, in dem der Mensch seine Talente entfalten und für sein Leben lernen kann. Es ist die Einladung, ganz vielfältig Einsatz zu zeigen - aber nicht um jeden Preis, so wie es auch Papst Franziskus in seinem Begleitbrief zum Vatikandokument "Sein Bestes geben" beschreibt. Und das erlebe ich in der DJK: "Nicht der Mensch dient dem Sport, sondern umgekehrt."

KNA: Könnten Sie das näher erläutern?

Peters: Als Sportverband in der Kirche sorgt die DJK nicht nur für gute Sportmöglichkeiten, sondern steht auch für ein geistliches "Mehr". Das Leben und die Botschaft Jesu sind unsere Grundlagen. Es geht um eine Inspiration aus der Kraft und dem Geist unseres christlichen Glaubens. Der DJK bringt die christlichen Werte in den Sport ein und ist als Verband mit besonderen Aufgaben im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und der Sportwelt ein wichtiger Anwalt für menschliche Würde und Gerechtigkeit. Der Grundsatz der DJK lautet: In Gemeinschaft das Beste geben, damit am Ende der Mensch gewinnt.

KNA: Die Geschichte der Kirche zur NS-Zeit wird teils kritisch gesehen. Wie beurteilen Sie, dass der DJK-Verband damals verboten wurde und einige Mitglieder exekutiert wurden?

Peters: Zu Beginn des NS-Regimes hat die DJK einen Weg gesucht, um unter den neuen Bedingungen - das Konkordat mit der katholischen Kirche hatte "genehmigten Verbänden" unter bestimmten Auflagen Schutz garantiert - ihre Eigenständigkeit zu behalten. Dabei ist sie auch Kompromisse mit dem Regime eingegangen und ordnete unter diesem Druck Umstrukturierungen des Verbands an und gliederte sich in den "Reichsbund für Leibesübungen" ein.

Doch schnell folgten ab 1934 erste Verbote von DJK-Vereinen auf örtlicher und regionaler Ebene. Das hat die DJK nicht hingenommen; sie wollte sich nicht gleichschalten lassen. In den Folgejahren haben sich immer wieder DJKler im Alltag der nationalsozialistischen Herrschaft widersetzt. Einige von ihnen bezahlten dies mit dem Leben - so auch der letzte Reichsführer der DJK, Adalbert Probst, der am 2. Juli auf der Fahrt ins Konzentrationslager Lichtenberg ermordet wurde.

Uns heute können diese Menschen Mahnung und Vorbild sein, immer wieder die Stimme zu erheben gegen rechte Tendenzen, und uns auch in unserem Bereich, dem Sport, etwa gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit einzusetzen.

Das Interview führte Rainer Nolte.

(KNA)

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