2010: Mesut Özil nach seinem Treffer zum 2:0 im EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei
2010: Mesut Özil nach seinem Treffer zum 2:0 im EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei

23.07.2018

Einsichten aus der Debatte um Mesut Özil Schattenseite der Win-Win-Situation

Die Debatte um das Foto mit Präsident Erdogan und der Rücktritt von Mesut Özil aus der deutschen Fußballnationalmannschaft erhitzen die Gemüter. Der emeritierte Theologe und Sportethiker Dietmar Mieth mit seinem Blick auf die Lage.

Welche Einsichten bringt die Debatte um Özil hervor? Ein Gedankenexperiment: 2014 vor der WM hätte sich Lukas Podolski in Erinnerung an seine polnischen Wurzeln mit Präsident Lech Kaczynski fotografieren lassen und ihm Wimpel überreicht. Man kann sich Gründe dafür ausdenken, warum dies nicht zu einem Eklat geführt hätte, wie ihn die öffentliche Begegnung von Nationalspielern türkischer Wurzeln mit Präsident Erdogan zur Folge hatte.

WM und Wahlkampf

Sieht man einmal von den unterschiedlichen Persönlichkeiten ab, dann ging es bei dem berühmten Foto um die Mischung zweier Zeitpunkte: der WM und des Wahlkampfes. Kann man das unpolitisch sehen? Lassen sich Privatperson, Bekanntheitsgrad als VIP und (Mit-)Vertretung einer Nationalmannschaft in einer Person auseinanderhalten? Sind bedeutende Fußballer nicht auf politische Sensibilität trainiert? Wie werden sie beraten? Was ist der Unterschied zwischen der selbstverständlichen Anerkennung eines Staatsamtes und der unbeabsichtigten Mitwirkung an Wahl-Propaganda?

Umgekehrt: Welchen Respekt verdienen unangepasste, sperrige Haltungen? Sie haben doch auch ihren Charme. Was sind überzogene Reaktionen, die einen Konflikt nur anheizen? Musste man Özil durch öffentliche Aufforderungen eine Erklärung aufzwingen? Musste er selbst dann in dieser Erklärung alle kritisieren, ohne sich selbst mit zu befragen? Vielleicht ist er aber gerade darin schon mehr Deutscher, als er türkischer Herkunft ist.

Kaum anzunehmen, dass diese Fragen von allen direkt und indirekt Beteiligten rechtzeitig gestellt wurden. Aber sie sollten jetzt gestellt werden. Wie viel politisches Mitdenken ist im exponierten Sport von den im Licht der Öffentlichkeit stehenden Personen gefordert? Werden Klasse-Spieler, die in der Öffentlichkeit stehen, nur darin geübt, nicht irgendwo anzuecken, sich stets einer gefälligen Formelsprache zu bedienen. Wie viel Aufsehen erregt es, wenn einer wie Özil vom Üblichen abweicht? Wie viel Hornhaut muss er haben, um mit Öffentlichkeit und Veröffentlichungen umzugehen?

Win-Win-Situation

Die Integration von Migrationsfamilien im deutschen Sport ist eine Win-Win-Situation. Aber wo waren die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) und der Nationalmannschaft, als es galt, einen solchen Event wie das Erdogan-Fotoshooting vorauszusehen, zu begleiten und zu interpretieren? Offensichtlich waren sie weder vorbereitet noch reaktionssicher.

Dabei ist doch gerade der Fußballsport zu loben: Er leistet viel für die Integration. Aber oft beschränkt er sich auf Deklamationen. Ist er feinfühlig genug für Begleiterscheinungen und für unabweisbare Konflikte? Trainiert er solche möglichen Konflikte im Vorhinein? Zumindest das kann man doch erwarten. Der DFB und das Trainerteam müssen hier dazu lernen.

"Ich werde schweren Herzens nicht mehr für Deutschland spielen, solange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre", hat Mesut Özil gesagt. Da merkt man doch, wie viel Herzblut der Spieler für die deutsche Nationalmannschaft zu geben bereit war und ist. Und wie er sich zurückgestoßen fühlt. In der Abwägung ist es besser, aus der sperrigen Integration eines solchen Spielers zu lernen, als gefällige Anpassungen zu verlangen.

Information der Redaktion: Dietmar Mieth ist emeritierter Theologe und Sportethiker aus Tübingen sowie Mitautor des "Lexikons der Ethik im Sport".

(KNA)

Gottesdienste Kar- und Osterwoche

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste der Kar- und Osterwoche auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

Alle Übertragungen im Überblick (pdf).

Himmelklar Podcast

WBS-Weggeleit

DURCH-ATMEN - Der neue Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Podcast: Der Morgenimpuls von Schwester Katharina

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 06.04.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Wie sieht die Karwoche in Spanien aus?
  • Blutspende nach Corona-Genese
  • Die Corona-Situation in Österreich
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Wie sieht die Karwoche in Spanien aus?
  • Blutspende nach Corona-Genese
  • Die Corona-Situation in Österreich
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Spanien singt gegen die Corona-Krise
  • Was passiert bei der Chrisammesse?
  • Corona-Auswirkungen auf die Vögel
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Spanien singt gegen die Corona-Krise
  • Was passiert bei der Chrisammesse?
  • Corona-Auswirkungen auf die Vögel
18:30 - 19:30 Uhr

Gottesdienst

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Langsame Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Österreich
  • "Semana Santa" in Sevilla findet nicht statt
  • Blutspende nach Corona-Genese
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…