Jerusalem: Chris Froome aus Großbritannien vom Team Sky fährt bei der Präsentation seines Teams für das Radrennen Giro d'Italia auf seinem Fahrrad.
Jerusalem: Chris Froome aus Großbritannien vom Team Sky fährt bei der Präsentation seines Teams für das Radrennen Giro d'Italia auf seinem Fahrrad.

04.05.2018

Der Giro d'Italia startet auf heiklem Terrain Auftakt in Jerusalem

Zwölfmal startete der Giro d'Italia in seiner 109-jährigen Geschichte im Ausland. Am Freitag beginnt das traditionsreiche Radrennen ein weiteres Mal in der Fremde – an einem ganz besonderen Ort.

Auf welch heiklem Terrain sie unterwegs sind, erfuhren die Veranstalter schon im Vorfeld. Erstmals in seiner 109-jährigen Geschichte startet der Giro d'Italia außerhalb Europas, in Jerusalem. Weil auf den offiziellen Streckenplänen zunächst von "Westjerusalem" die Rede war, reagierte die israelische Regierung verstimmt. In der Hauptstadt Israels gebe es "kein Ost und West" sondern nur "nur ein vereintes Jerusalem". Die Organisatoren lenkten ein. Nun hoffen alle Beteiligten auf einen störungsfreien Verlauf des Rennens, das erst nach drei Etappen in Israel Kurs auf Italien nimmt.

Der Start am Freitag, ein rund zehn Kilometer langes Zeitfahren, führt die rund 220 Fahrer aus 22 Mannschaften durch einen technisch anspruchsvollen Parcours. Los geht es unterhalb des Jaffa-Tors, weiter zum King-David-Hotel und dann in vielen Kurven durch den Westteil der Stadt vorbei am Parlamentsgebäude, der Knesset. Die Strecke endet wieder mit Blick auf die Mauern der Altstadt unweit des katholischen Notre-Dame-Centers.

Erinnerung an einen Judenretter

Zelebriert wird ein Hochamt des Kommerzes. Doch der Giro will auch ein anderes Zeichen setzen. Die erste Etappe ist dem italienischen Radsporthelden Gino Bartali (1914-2000) gewidmet. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem verlieh ihm 2013 posthum den Titel eines "Gerechten unter den Völkern". Als Kurier versteckte Bartali während des Zweiten Weltkriegs in den Rohren seines Fahrrads Fotos und Spezialpapier, aus denen falsche Pässe für untergetauchte Juden hergestellt wurden.

Quasi unsterblich gemacht hatte sich Bartali schon vorher - zumindest in den Augen vieler Radsportfans. 1936 und 1937 gewann er den Giro, 1946 kam ein dritter Sieg hinzu. Sein Duell mit seinem nicht minder vergötterten Landsmann Fausto Coppi 1949 ist Teil dessen, was für Radsportfans die Faszination des neben der Tour de France und der Vuelta a Espana weltweit bedeutendsten Etappenrennens ausmacht.

"Eine italienische Radsportwallfahrt"

Bei vielen Italienern rufe die Ankunft des Pelotons Gefühle wach, "die der religiösen Verzückung, mit denen sich die Leute zu Ostern auf den Petersplatz nach vorne drängeln, in nichts nachstehen", schreibt die niederländische Autorin Lidewey van Noord in ihrem Buch "Pellgrina. Eine italienische Radsportwallfahrt."

Großes Kino vor großartiger Landschaft hat der Giro schon immer geboten. Angefangen bei Luigi Ganna, dem ersten Gewinner. Der Mann war eigentlich Maurer und fuhr täglich von seinem Heimatort Induno Olona rund 60 Kilometer mit dem Rad zur Arbeit nach Mailand. Am Lenker hing, so heißt es bei van Noord, eine Tasche mit einem Butterbrot und einer Trinkflasche, in der sich mit etwas Wein verlängertes Zuckerwasser befand.

Geschichte von Drogen und Doping

Doping kann man das wohl noch nicht nennen. Aber natürlich spielten im Laufe der Zeit auch verbotene Substanzen eine Rolle. "Bomben" hießen die "dynamischen Gebräue", die, wie der Journalist Dino Buzzati schon Ende der 40er Jahre festhielt, "einen Toten vom Katafalk springen lassen wie einen Gaukelspieler". Denn auch das klebt am Radsport wie an heißen Tagen der Teer am Reifen: die anscheinend unendliche Geschichte von Drogen und Doping. In Italien ist damit vor allem die Erinnerung an das tragische Schicksal von Marco Pantani (1970-2004) verknüpft, der bislang letzte Sportler, der im gleichen Jahr sowohl Giro als auch Tour de France gewann.

"Elefantino" wurde der schmächtige Bergfahrer wegen seiner abstehenden Ohren genannt. Sein mysteriöses Ableben - ursächlich war offenbar eine Überdosis Kokain - rührte selbst Kirchenmänner. Pantani, von Doping-Vorwürfen belastet, sei mit seinen Problemen allein gelassen worden, befand Kardinal Tarcisio Bertone. Sein Tod solle zum Nachdenken anregen, wie man dem Sport ein menschlicheres Antlitz geben könne.

Der Auftakt des diesjährigen Giro jedenfalls mag daran erinnern, dass es mehr im Leben gibt, als auf Teufel komm raus ein Radrennen zu gewinnen. Bis das Ziel in Rom am 27. Mai erreicht ist, werden die Sportler fast 3.550 Kilometer und 44.000 Höhenmeter in den Beinen haben. Papst Pius XII. (1939-1958) gab seinerzeit den Gläubigen mit auf den Weg: "Ihr solltet strampeln wie Bartali, um ins Himmelreich zu kommen."

Joachim Heinz
(KNA)

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