Alianz Arena in München
Alianz Arena in München
Stadtpfarrer Rainer M. Schießler
Stadtpfarrer Rainer M. Schießler
Die Hülle der Allianz Arena leuchtet in Regenbogenfarben
Die Hülle der Allianz Arena leuchtet in Regenbogenfarben

23.06.2021

Pfarrer Schießler ordnet Debatte um Regenbogenbeleuchtung bei EM ein "Da ist mir zu viel Tohuwabohu drin"

Die Forderung, die Münchener Allianz Arena zum EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben zu beleuchten, hat die UEFA abgelehnt. Der Münchener Pfarrer Schießler kann das verstehen, fordert jedoch mehr Haltung.

DOMRADIO.DE: Was sagen Sie zu diesem Verbot der UEFA?

Rainer Maria Schießler (Münchner Stadtpfarrer): Da ist mir zu viel Tohuwabohu drin, zu viel Chaos. Wir wussten seit Monaten, dass wir heute gegen Ungarn spielen werden. Ich habe auf der einen Seite natürlich Verständnis für die Position eines sportlichen Verbandes wie der UEFA, wenn sie sagen, sie seien religiös und politisch neutral.

Aber auf der anderen Seite bin ich selbst ein Aktivist dafür, dass man sich in jeglicher Form für Menschenrechte einsetzen muss. Die Frage ist, ob diese Idee, die Allianz Arena zu beleuchten, jetzt der richtige Clou war.

Auch in meiner Kirche hängt seit gestern wieder die Regenbogenfahne. Meine Kirchenverwaltung hat angefragt, ob wir das machen können und da bin ich natürlich dabei. Das ist, glaube ich, viel ausdrucksstärker, als wenn nur die Allianz Arena in diesen Farben erleuchten würde. Das sieht wunderbar gut aus, nur dieses sportliche Ereignis muss immer im Mittelpunkt stehen. Der Sport ist die vorübergehende irdische Leidenschaft.

Die andere Sache, die müsste man auf einer anderen Ebene lösen. Ungarn ist ein EU-Land. Da muss die EU darüber entscheiden, welche Verträge oder welche Gesetze ein EU-Land hinsichtlich der Menschenrechte erlässt. Diese Aufgabe kann der Sport nicht abnehmen.

DOMRADIO.DE: Aber trotzdem ist die Protestwelle riesig. Münchens Oberbürgermeister Reiter sagt zum Beispiel "So zeigt sich die UEFA nicht als weltoffener und toleranter Verband". Kritik äußerte er auch am Deutschen Fußballbund, der die UEFA unterstützte. Sie finden aber, das gehört nicht zum Spiel?

Schießler: Ich muss das natürlich respektieren, wenn die UEFA sagt, irgendwo ist für uns eine Grenze erreicht. Aber bei dem Respekt davor muss sie sich an die eigene Nase packen, sprich WM in Katar. Dann bitte auch dort hinschauen, weil dort werden die Menschenrechte gegenüber Schwulen und Lesben noch mehr mit Füßen getreten. Ich finde, man muss immer die richtigen Konsequenzen auch aus dem Fehlverhalten des anderen ziehen.

DOMRADIO.DE: Die UEFA sagt Nein zu dieser Aktion, weil sie sich politisch und religiös neutral verhalten möchte. Aber Sport und Fußball stecken doch voller Politik und auch Religion, oder nicht?

Schießler: Ja, aber vor allem auch voller Chancen, Menschen zueinander zu führen. Ich habe das ganz hautnah erlebt, als Bayern Champions-League-Sieger geworden ist. Da war ich mit Jugendlichen im Heiligen Land. Wir waren in Bethlehem und wir haben mit Bewohnern dort dieses Finale gesehen, das sie über Beamer an diese große Mauer Bethlehems übertragen haben. Von den beiden Wachtürmen aus haben israelische Soldaten mit Fußball geschaut. Am nächsten Tag im Bus haben die Jugendlichen zu mir gesagt: "Ich weiß nicht, was die Politik oder Religion zusammenbringt, aber der Fußball hat es geschafft."

Von allen Beteiligten, allen voran der UEFA, wünsche ich mir, dass sie diese Chance immer wieder sucht und nutzt. Beispielsweise positiv auf Ungarn und Ministerpräsident Viktor Orban einwirken und sagen: "Schauen sie mal her, wo ihr als Gäste bei diesen dritten Vorrunden-Gruppenspiel spielt. Ihr spielt in einem Land und in einer Stadt, in der ein ganz anderes Ticken da ist, was diese Menschen betrifft, habt ihr euch damit schon auseinander gesetzt?"

Ich würde mir gerne eine UEFA und eine FIFA wünschen, die mahnt, die aufrüttelt. Aber, dass sie natürlich keine politischen und religiösen Entscheidungen treffen kann, ist klar. Das muss ich als Sportler ganz normal akzeptieren und respektieren.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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