Caritas sieht Pflegepersonal bei Corona-Schnelltests überlastet
Pflege in Corona-Zeiten

16.06.2021

Report über die Lage der Krankenhäuser in Deutschland "Mit Wucht in die Zukunft katapultiert"

Corona hat Deutschlands Krankenhäusern ein Zwischenhoch beschert. Doch die Lage wird sich in den kommenden Jahren wieder verschlechtern, vermuten Experten. Dann werden viele Krankenhäuser gegen die Insolvenz kämpfen müssen.

Es klingt ein wenig paradox: Deutschlands Krankenhäuser haben wegen hoher staatlicher Zusatzzahlungen von der Pandemie profitiert. Doch nach Corona sieht aus wie vor Corona: Viele der rund 1.900 Kliniken in der Bundesrepublik werden in den kommenden Jahren wieder gegen rote Zahlen ankämpfen müssen.

"Der Anteil der von Insolvenz bedrohten Kliniken wird in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen", sagte der Gesundheitsexperte Boris Augurzky am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Krankenhaus Rating Reports, der bezeichnenderweise unter dem Titel "Mit Wucht in die Zukunft katapultiert" steht.

Eingriffe verschoben

Wegen der Pandemie hatten die Krankenhäuser reihenweise planbare Eingriffe verschieben müssen. Hygienemaßnahmen mussten ausgeweitet, Schutzmaterialien millionenfach eingekauft werden. Doch Sonderzahlungen in Höhe von rund 10,2 Milliarden Euro im Ausnahmejahr 2020 sorgten dafür, dass sich die Lage vieler Häuser zwischenzeitlich deutlich verbesserte. Nur neun Prozent lagen im "roten Bereich" mit erhöhter Insolvenzgefahr und 73 Prozent im "grünen".

Im Berichtsjahr 2019 hatte sich ein negativer Trend fortgesetzt: 13 Prozent lagen im "roten Bereich" mit erhöhter Insolvenzgefahr, 27 Prozent im "gelben" und 60 Prozent im "grünen Bereich". Auch die Jahresergebnisse der Kliniken waren gesunken: 33 Prozent schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust. 2018 waren es 31 Prozent, heißt es im Bericht, der vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und dem Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen (BIB) und der HIMSS verantwortet wird.

Für die Experten ist klar: Ab 2022 kommen weitere schwierige Jahre. Ein zentraler Grund für die seit 2016 anhaltende Abwärtsbewegung: Der Trend zu mehr ambulanten Behandlungen sowie eine zurückgehende Verweildauer im Krankenhaus führen zu sinkenden Fallzahlen. Das wird sich nach Einschätzung der Gesundheitsexperten fortsetzen. Erhebliche Veränderungen gibt es laut Bericht im Bereich der Pflege.

Auslagerung der Pflegepersonalkosten

Positiv für die Krankenhäuser wirke sich die Auslagerung der Pflegepersonalkosten aus den Fallpauschalen aus, nach denen die Häuser ihre Preise berechnen, heißt es. Diese habe schon 2019 zu einem erheblichen Ausbau des Pflegedienstes und gleichzeitig zu einem Abbau anderer Funktionsdienste - etwa Ergotherapeuten, Transportdienste oder Hebammen - geführt. Außerdem seien Wanderungsbewegungen von der Alten- in die Krankenpflege zu beobachten. Der erwartete starke Sogeffekt des Pflegebudgets zeigt sich demnach schon. "Auch der Wettbewerb um die Pflegekräfte auf dem Arbeitsmarkt nimmt zu", heißt es.

Eine gewachsene Bedeutung der Krankenpflege macht sich dann auch bei den Personalkosten bemerkbar: Betrug der Anteil für Pflegekräfte 1999 noch 39,4 Prozent, war er bis 2018 kontinuierlich bis auf 29,9 Prozent gesunken. 2019 ist er erstmals wieder gestiegen - auf 30,9 Prozent. Genau umgekehrt verlief der Trend bei den Ärzten. 1999 wurden 21,6 Prozent der Personalkosten für Ärzte aufgewendet. Hier stieg der Anteil fast stetig bis 2018 auf 32,2 Prozent und sank 2019 erstmals leicht auf 32 Prozent.

Debatte über die Krankenhauslandschaft

Insgesamt ist die Zahl der in den Kliniken beschäftigten Ärzte und Pflegekräfte zuletzt deutlich gestiegen. 2005 waren 302.300 Pflegekräfte in den Kliniken tätig, bis 2019 ist die Zahl der Vollkräfte auf 345.400 angewachsen. Ein Plus von 14 Prozent. Bei den Ärzten war die Entwicklung noch deutlich stärker. 2005 waren 121.600 Vollkräfte in den Kliniken tätig, 14 Jahre später 168.000. Ein Zuwachs von 38 Prozent.

Deutlich verändert hat die Corona-Pandemie die Debatte über die Krankenhauslandschaft. Vor wenigen Jahren hatte die Bertelsmann Stiftung eine Schließung hunderter Kliniken gefordert. Davon ist im Report keine Rede; er empfiehlt eine regionale Krankenhausplanung. Um die stationäre Versorgung vor allem in ländlichen Regionen noch sicherstellen zu können, empfehlen die Autoren die Einrichtung Integrierter Gesundheitszentren. Kleine Krankenhäuser der Grundversorgung sollten in ein solches Zentrum integriert werden. Auf der Landkreisebene solle dann ein großes Krankenhaus als Regionalversorger Verantwortung tragen.

Christoph Arens
(KNA)

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