Pfarrer Franz Meurer
Pfarrer Franz Meurer

24.02.2021

Neuer Verein in Köln kümmert sich um Obdachlose "Ohne Geld ist Hirn auch nichts"

Der neue Kölner Verein "Arche für Obdachlose" will Geld für Menschen ohne Obdach sammeln, denen das Leben in der Coronakrise besonders schwer ist. Zu den Gründungsmitgliedern gehört auch der bekannte Sozialpfarrer Franz Meurer.

DOMRADIO.DE: Eine Arche ist so eine Art Rettungsboot, das vor einer drohenden Katastrophe schützt. Passt dieses Bild?

Pfarrer Franz Meurer (Katholische Kirchengemeinde Höhenberg und Vingst): Ja, das Bild passt. Ich selber finde es nicht besonders genial, weil es ja schon die Arche mit behinderten Menschen gibt, eine ganz große Bewegung, die aus Frankreich kommt. Es gibt die Arche, die Kindern und Jugendlichen hilft, die der evangelische Pastor Siggelkow gegründet hat.

Aber es ist ja in Ordnung, wieso soll man das nicht auch "Arche" nennen?

DOMRADIO.DE: Oftmals wird über Menschen ohne Obdach dann berichtet, wenn es bitterkalt ist. Und man denkt dann, dass es hauptsächlich um warme Schlafplätze geht, die fehlen. Ist das das Wichtigste?

Meurer: Nein. Das Wichtigste ist, dass man begreift, dass erstens fast jeder obdachlos werden kann, wenn er plötzlich eine Krise hat, wenn plötzlich die Ehe auseinandergeht, wenn er plötzlich seine Arbeit verliert oder - was ganz wichtig ist - wenn er seelisch krank wird.

Und aus meiner Sicht ist gerade in der jetzigen Corona-Zeit vielen Menschen klar, dass es nicht gutgehen kann, wenn man allein ist, auf der Straße hängt, wenn man kein Obdach hat, kein Zuhause hat. Die Zunahme der seelischen Erkrankungen, die wir ja in der Seelsorge erleben und was die Ärztinnen und Ärzte sehr spüren, ist natürlich bei den obdachlosen Menschen Realität.

Es gibt verschiedene Ansätze. Die einen sagen, 80 Prozent sind seelisch schwer angeschlagen, die anderen sagen 90 Prozent. Also das ist eine große Gemengelage und ich bin sehr froh, dass so viele Kölnerinnen und Kölner sagen: Jetzt müssen wir mal Gas geben.

DOMRADIO.DE: Wenn so viele Obdachlose seelisch krank sind, ist es dann auch eine besondere Schwierigkeit, denen hilfreich zur Seite zu stehen?

Meurer: Ja, sicher. Vor allen Dingen darf man das nicht so machen, wie wir bürgerlichen Menschen uns das vorstellen. Also praktisch jemanden immer zu einem anderen schicken wie durch eine Drehtür: Ja, geh mal dahin zu dem Arzt oder in die Behandlung. Nein, ich mache ja deswegen mit, weil die kapiert haben, dass es "housing first" heißt.

Also zuerst einmal müssen die ordentlich untergebracht werden, nicht nur abends einen Schlafplatz zu drei oder vier im Zimmer, wo sie vielleicht beklaut werden. Nicht nur hier was zu essen, da noch eine Suppe, hier ein Schlafsack. Natürlich mache ich das auch. Bei mir können sie zurzeit drei Zelte bekommen.

Aber das ist eigentlich alles Quatsch, weil es ein Herumdoktern an den Symptomen ist. Und ich bin begeistert, weil die Menschen bei uns im Rheinland, gerade in unserer katholischen Stadt, jetzt kapieren, mal richtig "Butter bei die Fische" zu tun.

Und man darf ja auch nicht vergessen, dass jede Spende verdoppelt wird. Die Bethe-Stiftung verdoppelt ja zuerst mal bis zu einer Viertelmillion. Da ist doch nicht schlecht, wenn man weiß, dass das Geld doppelt so viel wert ist. Das war ja wie D-Mark und Euro.

DOMRADIO.DE: Kann denn dieser neue Verein "Arche für Obdachlose" für Leute, die spenden wollen, aber nicht wissen wie und wo, da jetzt hilfreich sein?

Meurer: Nicht der Verein alleine. Zum Beispiel hat ja die Karl Rahner-Akademie am Donnerstag ein super Gespräch mit Martin Stankowsky, Joachim Frank, Harald Rau und Monika Kleine vom SkF gemacht. Da wird ja auch überlegt, was bringt was.

Ich bin ja ein Fan des SSM, der "Sozialistischen Selbsthilfe Mülheim". Die hält seit 30 Jahren 25 obdachlose Menschen - immer wieder kommen welche dazu, andere kommen auf die Füße - ohne Staatsknete, also ohne unsere Steuergelder, durch Entrümpelungen und Transporte über Wasser. Und da konnte man ja vor kurzem ein Café mit Blick auf den Rhein bauen, das jetzt die strukturelle Unterfinanzierung bearbeitet.

Warum erzähle ich das? Es muss also Hirn dazu, nicht nur Geld, aber ohne Geld ist Hirn auch nichts.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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