Mancherorts ein rares Gut: sauberes Trinkwasser
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Renate Vacker von Brot für die Welt
Renate Vacker von Brot für die Welt

28.07.2020

Menschenrecht auf sauberes Wasser "Pandemie verschlimmert die Lage"

Vor zehn Jahren erkannten die Vereinten Nationen den Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht an. Seitdem gibt es Fortschritte, die Corona-Pandemie legt aber die größten Probleme offen. 

DOMRADIO.DE: Welche Fortschritte hat es bereits gegeben?

Renate Vacker (Brot für die Welt): Es gibt heutzutage bereits viele Menschen, die Zugang zu sauberem Wasser haben, die hygienisch leben können und die Abwässer klären können. Die Zahl hat sich in bestimmten Regionen der Welt deutlich verbessert. Aber das gilt eben nicht weltweit. Und an vielen Orten nimmt auch das Umgekehrte leider zu.

DOMRADIO.DE: Wer ist am stärksten betroffen?

Vacker: Das ist da, wo die ärmsten der Armen leben: in Regionen Afrikas vor allen Dingen, in Südasien, unter indigenen Gemeinschaften. Da, wo zum Beispiel auch wirtschaftliche Interessen sensible Wasserreserven angreifen, wo also wenig Wasser da ist und das wenige Wasser dann zum Beispiel für die Rohstoffgewinnung genutzt wird. Und wo den Bevölkerungsgruppen, die ohnehin wenig Wasser haben, auch noch Wasser weiter reduziert oder sogar weggenommen wird.

DOMRADIO.DE: Vor zehn Jahren hat die UN-Generalversammlung die Menschenrechte auf Wasser- und Sanitärversorgung in den Katalog der Menschenrechte aufgenommen. Das klingt so selbstverständlich für uns. Aber warum klappt es nicht, das komplett umzusetzen?

Vacker: Dass sie das aufgenommen hat, ist erstmal ganz gut, weil das sichert, dass das Vorrang hat. Die menschliche Versorgung hat Vorrang. Es gibt viele Anstrengungen, um das Recht durchzusetzen, die will ich auch überhaupt nicht kleinreden. Aber der Wasserverbrauch wächst sehr viel schneller. Wenn wir uns die letzten hundert Jahre angucken, hat sich der Wasserverbrauch durch Industrie, durch Privathaushalte, durch Konsumprodukte versechsfacht. Und er steigt weiter an. Zwar nicht in einem Riesenschritt, aber global gesehen doch um etwa ein Prozent pro Jahr. Und da kommt man einfach nicht hinterher, wenn man nichts tut.

DOMRADIO.DE: Bis 2030 soll jeder Mensch Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Wie realistisch sehen Sie dieses Ziel?

Vacker: Es ist sehr schwer, denke ich, zu erreichen. Aber man darf es trotzdem nicht aufgeben. Es ist zum Beispiel ein Skandal, dass 80 Prozent der Abwässer weltweit ungeklärt sind, ungeklärt bleiben, also nicht gereinigt werden. Hier ist Potenzial für Wasseraufbereitung, für Reinigung, Wasser, das man wieder verwenden kann. Es gibt die Tatsache, dass fast 70 Prozent der Trinkwasservorräte in die Landwirtschaft gehen. Hier wäre eine bessere Bewirtschaftung einfach nötig, um diese Zahl zu reduzieren, damit mehr Trinkwasser für die Versorgung und die Hygiene zur Verfügung stehen. Das sind Beispiele, an denen man arbeiten kann. Der Klimawandel ist eine der Ursachen. Hieran arbeiten wir ja auch oder versuchen es zumindest und werben dafür. Der Klimawandel verschärft den Wassernotstand oder Wasserstress, wie man sagt. Hier ist auch angezeigt, sehr viel verantwortlicher umzugehen mit allem. Beispielsweise Lebensmittelproduktion: Wir machen uns oft nicht klar, wie viel Wasser in importierten Lebensmitteln steht, die oftmals in trockenen Regionen produziert werden. Und wenn wir die dann wegwerfen, wenn wir die vergammeln lassen, dann werfen wir auch bildlich gesprochen wertvolles Wasser weg. Hier gibt es Potenzial von Einsparungen und von einem ressourcenschonenden Umgang.

DOMRADIO.DE: Dann noch der Blick auf die Corona-Krise. Inwieweit wird die Pandemie diese Lage verschlimmern?

Vacker: Die Pandemie verschlimmert die Lage, weil die Staaten jetzt weniger Geld zur Verfügung haben. Sie müssen sich ja um vieles mehr kümmern, um die Pandemie einigermaßen zu beherrschen. Also Gelder, die vielleicht eingeplant waren, um die Wasserversorgung zu verbessern, stehen jetzt nicht zur Verfügung. Auf der anderen Seite zeigt auch die globale Pandemie, wie wichtig Wasser ist und wie kostbar es auch ist. Wir haben jetzt vielfach erfahren, dass Menschen da, wo Wasser knapp ist, sich die Hände nicht mal so eben waschen können. Der Rat, öfter Wasser zu benutzen, um sich die Hände zu reinigen, der kann gar nicht überall realisiert werden. Und insofern schärft die Pandemie vielleicht auch das Bewusstsein. Das ist unsere Hoffnung.

Das Gespräch führte Julia Reck.

(DR)

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