Mariam Ammann will bei einem Flüchtlingsprojekt in Griechenland mitarbeiten
Mariam Ammann will bei einem Flüchtlingsprojekt in Griechenland mitarbeiten

27.06.2020

Wenn coronabedingt der Traum vom Sozial-Einsatz platzt "Gefühlt war ich schon in Griechenland"

Die Pandemie hat die Zukunftspläne vieler Abiturienten durchkreuzt: Praktika brechen weg, und auch der lang geplante Freiwilligendienst im Ausland findet nicht statt. Doch einige lassen sich davon nicht beirren und halten trotzdem an ihrer Idee fest.

Die Enttäuschung sitzt tief. Tagelang seien erst einmal Tränen gerollt, gibt Mariam Ammann unumwunden zu. Die 18-Jährige hat soeben am St. Ursula-Gymnasium in Brühl ihr Abitur gemacht und hatte für die Zeit danach große Pläne. Raus in die Welt sollte es gehen. Als "fixe Idee", die sie schon lange mit sich herumträgt, bezeichnet sie ihr Vorhaben, den eigenen kulturellen Wurzeln nachzugehen und über die "Jesuit Volunteers" für ein Jahr in Ägypten einen Freiwilligendienst in einer Schule für Kinder mit Behinderung zu absolvieren. Mariams Mutter stammt aus Ägypten, während ihre Großeltern väterlicherseits Libanesen sind. Sie selbst ist in Deutschland geboren, schätzt sich aber glücklich, dass sie in einem christlich geprägten Elternhaus groß geworden ist, in dem neben Deutsch auch Arabisch und Französisch gesprochen wird. Geradezu ideale Voraussetzungen für ein Auslandsjahr in Nordafrika, das sie gezielt angeht und für das sie im Freiwilligendienst der Jesuiten die für sich passende Partnerorganisation findet.

"Schon meine älteren Schwestern waren jeweils zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr in anderen Erdteilen unterwegs – mit den Salesianern Don Boscos in Sambia und Argentinien – so dass auch ich immer auf diesen Auslandsaufenthalt, in dessen Zentrum soziales Engagement stehen sollte, hingefiebert habe", sagt Mariam. Lange habe sie nach dem richtigen Ziel für sich gesucht. Das Angebot der "Jesuit Volunteers" schließlich findet sie spannend und überzeugend.

Mit ganzer Kraft für Flüchtlinge einsetzen

Doch die lang geplante Reise nach Ägypten muss wegen Kommunikationsproblemen mit der Partnerorganisation am Zielort abgesagt werden. Unter diesen Umständen, dass Zuständigkeiten nicht klar geregelt seien und es sich als schwierig erweise, einen verantwortlichen Ansprechpartner auszumachen, sei ein solcher Freiwilligeneinsatz in der Region unverantwortlich, argumentieren die Jesuiten Anfang des Jahres. Obwohl sie Mariam zunächst die Mitarbeit bei einem für sie passgenauen Projekt in einem kleinen Dorf im ägyptischen Hochland in Aussicht gestellte hatten – so ganz nach den Vorstellungen der jungen Frau.

Doch sie lässt sich schnell für eine neue Idee gewinnen: Bei einem Flüchtlingsprojekt in Griechenland werden noch Helfer gesucht. Wieder ist Mariam Feuer und Flamme. "Da passe ich hin", sagt sie sich und ist begeistert von der Vorstellung, sich hier mit ganzer Kraft für Menschen einzusetzen, die gerade an den Grenzen Europas abgewiesen werden, von niemandem gewollt sind und in überfüllten Lagern unter menschenunwürdigen Bedingungen einer perspektivlosen Zukunft entgegensehen. Sie könnte sich um die Kinder kümmern, mit ihnen malen und spielen, Englisch-Nachhilfe geben oder mit den Erwachsenen, die oft ein sehr traditionelles Frauenbild aus anderen Kulturen mitbringen, an einem emanzipierteren Verständnis überkommener Geschlechterrollen in der Gesellschaft arbeiten.

Die vielen möglichen Facetten und Chancen dieses Einsatzes erkennt Mariam umgehend. Bei einem Seminar soll sie auf dieses Freiwilligenengagement vorbereitet werden. Mitstreiter in ihrem Alter hat sie bereits bei ersten Treffen kennengelernt. "Solche Vorhaben, die Welt ein Stück zum Guten zu verändern, schweißen zusammen, man findet sofort Freunde", berichtet sie von der ersten Kontaktaufnahme mit Gleichgesinnten. Die Vorfreude auf die Zeit in Athen ist jedenfalls immens.

Vorfreude auf ein "cooles" Projekt in einem tollen Land

Doch dann platzt Mitte April die Bombe. Das Seminar, das für diesen Einsatz bei den Flüchtlingen obligatorisch ist, wird abgesagt. Aus, der Traum von einem Auslandseinsatz für die gute Sache. Diesmal ist es Corona, das Mariams Pläne durchkreuzt. Und diesmal sitzt die Enttäuschung noch tiefer. Die erneute Absage trifft sie im Mark. Auch weil sich absehbar keine Alternative auftut, es nicht wirklich einen Plan B gibt. "Kein Abi-Gag, keine Motto-Woche, kein Abi-Ball und dann auch noch das. Mir scheint, als hätte ich gerade keine Zukunft", zeigt sich die Abiturientin resigniert.

"Ich hatte mich so sehr auf dieses coole Projekt in einem so tollen Land gefreut und schon richtig viele Ideen, wie ich mit den Flüchtlingen hätte arbeiten wollen. Zum Beispiel mit den Ausdrucksmöglichkeiten von Kunsttherapie, um erlittenes Leid mit Pinsel und Farben auszudrücken." Ein Ansatz, den Mariam schon in einer Facharbeit thematisiert hat und den sie auch hinsichtlich eines möglichen Berufsziels für denkbar hält. Denn das Fach Pädagogik, das sie auch als Leistungskurs belegt hatte, liegt ihr besonders. Sie liebe es nun mal, Eigeninitiative zu entwickeln und Menschen zu unterstützen, die nicht über die gleichen Mittel verfügten wie das Gros der Bevölkerung in Westeuropa.

"Wer gestärkt wird, kann sich leichter integrieren"

"Wir alle sollten nicht vergessen, dass es eine so große Zahl an Flüchtlingen und Migranten gibt, die nicht das Nötigste zum Leben haben und keine Möglichkeiten, ihre auf der Flucht erlittenen Traumata auch nur annähernd zu verarbeiten", appelliert sie. "Es ist mir ein inneres Bedürfnis, angesichts dieser offensichtlichen Not irgendetwas dagegen zu unternehmen und nicht einfach nur zuzuschauen", sprudelt es aus ihr nur so heraus. "Ich stelle mir immer vor, wie es wäre, wenn ich in einer derart ausweglosen Situation wäre." Leidenschaftlich mahnt die junge Frau: "Wir brauchen mehr Mitgefühl und müssen gerade in der heutigen Welt doch zeigen, dass es nicht egal ist, wie es anderen geht, sondern sie vielmehr dabei unterstützen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden." Wer gestärkt werde, könne sich auch leichter integrieren.

In den langen Wochen des Shutdowns bedarf es einer Weile, bis Mariam ihren Optimismus wiederfindet. "Ich lasse mir von Corona meine Pläne nicht zerstören", stellt die junge Frau mit dem gewinnenden Lächeln und einer großen Portion Idealismus irgendwann fast trotzig fest. "Dann nehme ich eben im nächsten Jahr einen neuen Anlauf. Ich will dieses Jahr, das für mich so wichtig ist und auf das ich so lange hingearbeitet habe, unbedingt nachholen. Denn gefühlt war ich fast schon in Griechenland." Nun sei es schwierig, noch einmal umzuschwenken. Von ihrem ursprünglichen Vorhaben wolle sie sich daher nicht mehr abbringen lassen.

Mit neuem Anlauf in die nächste Bewerbungsphase

Zwischenzeitlich hat Mariam, die immer schon daheim in der kirchlichen Jugendarbeit als Pfadfinderin und Messdienerin aktiv war, für die nächsten Monate einen Job in einem Jugendzentrum gefunden. Damit will sie die Zeit bis zur neuen Bewerbungsphase überbrücken. Hier soll sie an der regelmäßigen Produktion von Podcasts beteiligt werden. Schon einmal im Kleinen damit anzufangen, ihre pädagogische und auch kreative Ader auszuprobieren, findet die 18-Jährige verlockend. Außerdem hofft sie, dass ihr diese Erfahrungen bei ihrem Freiwilligeneinsatz in der Flüchtlingshilfe demnächst zugutekommen.

Mariam lässt sich auf ihrem Weg nicht beirren. Sie möchte mehr als nur Zuschauerin in einer Welt voller Ungerechtigkeit, Armut und Not sein: etwas bewegen. Den unbedingten Willen dazu hat sie jedenfalls schon mal.

Von Beatrice Tomasetti
(DR)

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