Ein Roboter im Altenheim
Ein Roboter im Altenheim
Roboter Pepper, der für den Einsatz in Pflegeheimen programmiert werden soll
Roboter Pepper, der für den Einsatz in Pflegeheimen programmiert werden soll
Peter Dabrock
Ethik-Professor Peter Dabrock

10.03.2020

Ethikrat legt Empfehlungen für Robotik in der Pflege vor "Berührung kann man nicht mit Plastik ersetzen"

Robotik kann Pflegebedürftigen helfen und die Arbeitsqualität in der Pflege verbessern - aber keine menschliche Zuwendung ersetzen. Im Zentrum müsse weiter das Wohl des Pflegebedürftigen stehen, meint der Ethikrat.

Werden wir künftig von "Pepper", "Paro" oder "Zora" gepflegt? So lauten die Fantasienamen von Robotern, die teilweise bereits im Einsatz sind. Während das technikaffine Asien zumeist begeistert auf die Entwicklung menschenähnlicher Pflegeassistenten blickt und auch in Deutschland intensiv geforscht wird, herrschen in Teilen der Bevölkerung hierzulande eher Angst und Skepsis vor.

"Der Verdacht, Maschinen würden eingesetzt, um Assistenz und Pflege kranker oder alter Menschen noch stärker nach der Maßgabe ökonomischer Effizienz und nicht menschlicher Zuwendung zu gestalten, drängt sich auf, und zerstört Vertrauen in Möglichkeit und Nutzung dieser Technik", beklagte der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, am Dienstag in Berlin.

"Menschlichkeit und Technik müssen kein Gegensatz sein"

Diesem an Defiziten orientierten Blick wollte das Gremium eine andere Sicht entgegensetzen: Die Stellungnahme "Robotik für eine gute Pflege" will die die Gefahren nicht verschweigen, sich aber zunächst an den Möglichkeiten orientieren. "Menschlichkeit und Technik müssen kein Gegensatz sein", so Dabrock, sofern die Robotik dem Menschen diene beziehungsweise dem Wohl der Pflegebedürftigen. Damit dies geschieht, legte der Ethikrat in einer 60-seitigen Stellungnahme eine Reihe von Empfehlungen vor.

Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Robotik sollen demnach in der alternden Gesellschaft bewusst eingesetzt werden. Derzeit leben rund 3,4 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland. Ihre Zahl soll nach Prognosen bis 2050 auf 5,3 Millionen wachsen. Und schon jetzt ist vom Pflegenotstand die Rede.

Nach Auffassung des Ethikrates kann und soll die Robotik dabei aber auch künftig nicht menschliche Pflegekräfte ersetzen. Deshalb vermeidet das Gremium das Wort "Pflegeroboter". Robotertechnik solle weiterhin nur eine ergänzende Funktion haben. In diesem Sinne könne sie aber "einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen und der Arbeitsqualität im Pflegebereich leisten", sind die Experten überzeugt.

Gemeint sind damit etwa "Assistenzroboter", die Pflegebedürftige bei der Nahrungsaufnahme oder Körperhygiene unterstützen, Medikamente oder Wäscheutensilien bereitstellen. Sogenannte Exoskelette können Gebrechliche beim Gehen unterstützen. Serviceroboter putzen oder tragen Personen.

Robotik kann eine längere Selbstständigkeit Pflegebedürftiger unterstützten, die körperlichen und kognitiven Fähigkeiten trainieren und Rehabilitation fördern, hält der Ethikrat positiv fest. Durch die Fernüberwachung von Körperfunktionen wie Puls, Blutzuckerspiegel oder Blutdruck kann im Notfall - etwa bei Stürzen - rasch Hilfe geleistet werden.

Positive Wirkung auf dementiell Erkrankte

All dies gehört für die Berliner Gerontologin und Mitautorin des Berichts Adelheid Kuhlmey zum "Wohl" der Pflegebedürftigen.

Wesentliche Aufgabe einer guten Pflege ist für sie zugleich, dass sie "enge zwischenmenschliche Beziehungen ermöglichet und fördert". Wie sind hier aber sogenannte Begleitroboter zu bewerten? Machienen, die Hunden, Robbenbabies oder Katzen ähneln und mit Hilfe von Sensoren auf Berührung und Geräusche reagieren und vor allem kommunikative und emotionale Bedürfnisse erfüllen sollen?

Ihre positive Wirkung auf dementiell Erkrankte ist inzwischen unbestritten: Sie hellen die Stimmung auf, tragen zum Stressabbau bei und überwinden Einsamkeitsgefühle. So gehört die Begleitroboter-Robbe "Paro" längst zur Versorgung des Sankt-Hedwig-Krankenhauses in Berlin.

Auch der Ethikrat würdigt diese positive Wirkung. Fragwürdig wäre es aber, "wenn pflegebedürftige Menschen soziale und emotionale Bedürfnisse zukünftig überwiegend im Umgang mit Begleitrobotern stillen würden", die Gefühle lediglich simulierten, so Kuhlmey. Die Ethiker warnen vor sozialer Isolation, wenn einseitig auf Roboter gesetzt würde. Zugleich betont die Studie, dass die Auswirkungen der Robotertechnik auf die Pflege wissenschaftlich noch wenig erforscht seien. Chancen und Risiken bringt Kuhlmey mit dem Zitat einer Pflegerin auf den Punkt: "Ich bin nicht gegen die Technik, aber Berührung kann man nicht durch Plastik ersetzen."

Christoph Scholz
(KNA)

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