Erzbischöfliche Schule erstattet Anzeige nach Klassenchat
Erzbischöfliche Schule erstattet Anzeige nach Klassenchat

08.01.2020

Rechtsextreme Symbole in Klassen-Chat von katholischem Gymnasium "Das ist kein harmloser Jugendstreich"

Ein katholisches Gymnasium in Köln hat mehrere Schüler angezeigt. Sie sollen verfassungswidrige Symbole in einer WhatsApp-Gruppe gepostet haben. Die Landesanstalt für Medien NRW ist alarmiert. Könne von einem Streich doch keine Rede sein.

DOMRADIO.DE: War ist das in Ihren Augen ein harmloser Jugendstreich oder ist das mehr?

Antje vom Berg (Referentin für Medienorientierung der Landesanstalt für Medien NRW): Nein, das ist auf keinen Fall ein harmloser Jugendstreich. Das sind unzulässige Inhalte, die auch eine Straftat bedeuten. Hakenkreuze und ähnliche Dinge, die den Nationalsozialismus verherrlichen, werden in Deutschland als Straftat gewertet.

DOMRADIO.DE: Der Staatsschutz überprüft jetzt auch die Schwere des Vergehens und will dann über das weitere Vorgehen beraten. Was haben die Schüler zu erwarten?

vom Berg: Das ist ganz schwer zu beurteilen. Das ist wirklich eine juristische Einschätzung. Das hängt vom Alter ab - sind sie unter 14, sind sie über 14? In welchem Kontext wurde das Ganze im Klassenchat gepostet? Wie viele Bilder wurden gepostet? Da muss jetzt wirklich der Einzelfall geprüft werden, um zu schauen, welche Konsequenzen das Ganze für die Jugendlichen hat.

DOMRADIO.DE: Natürlich sind jetzt auch die Eltern dieser Kinder eingebunden. Was raten Sie, wie man mit Schülern in so einer Situation umgeht? Welche Hilfen sind jetzt gefragt?

vom Berg: Es ist ganz wichtig, das Ganze sowohl seitens der Schule als auch der Eltern gemeinschaftlich zu begleiten, den Fall zu thematisieren und wirklich zu gucken: Was sind die Hintergründe? Warum haben die Kinder und Jugendlichen das entsprechend eingestellt und gepostet? War das wirklich als Streich gedacht, obwohl es keiner ist? Und ganz wichtig ist auch der Punkt, sämtliche Kinder der Schule und auch andere Schulen zu sensibilisieren. Das heißt, klarzumachen: Es ist eine Straftat, wenn entweder Nazi-Sticker oder pornografische Inhalte weiterverbreitet werden. Da sind sowohl Eltern als auch Schulen in der Pflicht, aufzuklären und präventiv zu arbeiten.

DOMRADIO.DE: Würden Sie auch so weit gehen, dass sie sagen: Eine Schule oder vielleicht eine Elternschaft sollte solche WhatsApp-Schülergruppen überwachen? Darf man das überhaupt?

vom Berg: Überwachen nicht, aber auf alle Fälle begleiten. Die Verantwortung liegt bei den Eltern, denn die Schulen haben ja diese WhatsApp-Gruppen nicht eingerichtet. Vielmehr erlauben die Eltern ihren Kindern, WhatsApp zu nutzen.

95 Prozent der Kinder ab 12 Jahren nutzen WhatsApp. Das ist eine enorme Zahl, obwohl WhatsApp in seinen AGB erst die Nutzung ab 16 erlaubt. Das heißt, hier sagen die Eltern explizit: Mein Kind darf das nutzen. Aber gerade die Jüngeren, die mit 10 bis 13 Jahren das erste Handy haben, sind in ihrer psychosozialen Entwicklung einfach völlig überfordert mit solchen Gruppenchats. Da müssen Eltern begleiten. Das heißt, nicht heimlich kontrollieren, sondern offen mit ihren Kindern darüber sprechen und sagen: Ich gucke Dir über die Schulter, ich schaue mit da rein, weil da passiert einfach ganz viel. Das kannst Du noch gar nicht verarbeiten oder einschätzen. Da bin ich mit dabei.

Auf der anderen Seite steht auch die Schule, die zwar nicht rechtlich in der Verantwortung ist, aber das Ganze passiert nun mal im schulischen Kontext. Lehrerinnen und Lehrer sollten mit Kindern auch präventiv arbeiten. Wir haben bei klicksafe beispielsweise eine Unterrichtseinheit zum Thema Klassenchat. Da geht es unter anderem darum, mit Kindern gemeinsam zu erarbeiten: Welche Regeln wollen wir denn in diesem Chat haben? Und was machen wir, wenn jemand gegen diese Regeln verstößt? Das ist, glaube ich, ganz wichtig, dass die Kinder immer das Gefühl haben, wir können zu unseren Eltern oder zu den Lehrern gehen, wir haben da Ansprechpartner. Damit auch geholfen wird, wenn dann wirklich mal was passiert.

DOMRADIO.DE: Der Kölner Fall ist ja kein Einzelfall. Die Liste solcher Vergehen ist wirklich lang. Im vergangenen Jahr sind zum Beispiel oft Schüler angezeigt worden, die etwa über ihr Handy Kinderpornografie an Mitschüler weitergeleitet haben. Begegnet ihnen so etwas oft? Passiert das wirklich regelmäßig?

vom Berg: Ja, wir hören das oft. Wir haben ja als Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen auch das Projekt Medienscouts NRW initiiert. Wenn wir mit den Scouts im Austausch sind, hören wir, dass ganz viele dieser Nazi-Sticker oder Porno-Sticker oder andere Videos herumgeschickt werden. Es ist in der Tat so, dass bei den Kindern und Jugendlichen überhaupt nicht das Bewusstsein dafür da ist, dass es eine Straftat ist. Sie sagen dann, sie finden das witzig und können das gar nicht einordnen. Da ist ganz, ganz dringend der Bedarf da, dass Eltern und Schule gemeinsam so früh wie möglich ab der fünften Klasse - teilweise vielleicht sogar schon in der Grundschule - anfangen, aufzuklären und die Kinder dafür zu sensibilisieren.

DOMRADIO.DE: Kann man auch mit Ihnen Kontakt aufnehmen, wenn einem ein solcher Fall bekannt ist?

vom Berg: Wir helfen und unterstützen da gerne. Aber auch das Schulministerium oder die entsprechenden Stellen in schulpsychologischen Diensten sind da eigentlich ganz gut aufgestellt. Da können wir auch gerne entsprechend vermitteln. 

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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