Die katholischen Kliniken in Eritrea wurden verstaatlicht
Katholische Krankenhäuser in Eritrea geschlossen

27.06.2019

Warum Soldaten in Eritrea katholische Krankenhäuser schließen Ein undurchsichtiger Schlag der Regierung?

Was ist los am Horn von Afrika? Soldaten besetzen in Eritrea katholische Krankenhäuser und unterbrechen die medizinische Versorgung. Die Bischöfe des Landes haben daraufhin zu Gebet und Fasten aufgerufen. Wie kam es zu der Entwicklung?

DOMRADIO.DE: Insgesamt 22 Gesundheitseinrichtungen der katholischen Kirche in Eritrea sind betroffen und die medizinische Versorgung von etwa 170.000 Menschen unterbrochen. Welchen Ruf haben die katholischen Krankenhäuser und Gesundheitszentren denn in Eritrea?

Peter Meiwald (Leiter der Afrika-Abteilung beim katholischen Werk für Entwicklungszusammenarbeit Misereor): Einen ganz hervorragenden. Wir haben uns im Januar einige von diesen Einrichtungen anschauen können und gesehen, was für eine hervorragende Arbeit die Menschen dort leisten. Das machen sie in Gegenden, die sehr schwer zugänglich sind und in denen es weit und breit sonst keinerlei Gesundheitsversorgung gibt. Insofern ist das ein ganz schwerer Schlag für die Menschen dort.

DOMRADIO.DE: Schneidet sich die Regierung mit so einem Schlag gegen die katholischen Einrichtungen eigentlich nicht in das eigene Fleisch, indem sie die Gesundheit und das Leben vieler Menschen aufs Spiel setzt?

Meiwald: Ja. Es ist es ist schwer nachvollziehbar, was die eritreische Regierung gerade jetzt zu diesem Schritt treibt, wo die Situation im Land sowieso an vielen Stellen prekär ist. Schon vor zwei Jahren ist die Versorgung mit Medikamenten massiv erschwert worden, indem den Einrichtungen nicht mehr erlaubt worden ist, selber Medikamente ins Land zu importieren. Und jetzt kommt dieser sehr harte Schlag, die Einrichtung einfach komplett zu schließen und zu erzwingen, dass die Schlüssel abgegeben werden. Es ist schwer nachvollziehbar, was sich die Regierung davon verspricht.

DOMRADIO.DE: Was könnte denn hinter solchen Repressalien gegen die katholische Kirche stecken?

Meiwald: Ich glaube, dass Eritrea insbesondere seit dem Friedensschluss mit Äthiopien in einer prekären Situation ist. Denn die Regierung weiß nicht so genau, wie sie mit dem neuen Frieden umgehen soll. Sie weiß nicht, ob das eigene System eigentlich noch passt und ob nicht jetzt auch in Eritrea die Menschen nach Veränderung rufen, so wie sie es in Äthiopien hin zu mehr Freiheit gegeben hat. Ich glaube, dass es ein Zeichen von Unsicherheit der Regierung ist, wie sie jetzt gerade agiert.

DOMRADIO.DE: Der Friedensschluss der dauerverfeindeten Nachbarn Eritrea und Äthiopien fand im vergangenen Sommer statt und war wahrscheinlich eine große Hoffnung für viele, oder?

Meiwald: Das hat eine unheimliche Euphorie im Land ausgelöst, zumal auch dann sehr schnell die Grenzen nach Äthiopien offen waren. Das heißt, es sind Menschen nach 20 Jahren wieder zu ihren Verwandten auf der anderen Seite der Grenze gekommen. Die Geschäfte waren gut gefüllt, weil aus Äthiopien Waren ins Land gekommen sind.

Nach und nach ist diese Hoffnung aber immer mehr verebbt. Ende des letzten Jahres und Anfang diesen Jahres war es dann schon so, dass man sich gefragt hat, wann sich denn auch in Eritrea etwas verändert. Die Menschen haben nun die Möglichkeit, äthiopische Fernsehsender zu verfolgen und sehen, was außerhalb des zuvor doch sehr abgeschotteten Eritreas so passiert.

Die Menschen warten bis heute auf eine Ansage des eritreischen Präsidenten Afewerki, wie es denn jetzt im Land weitergeht. Sie fragen sich, ob jetzt eine Verfassung in Kraft gesetzt wird, die es bislang noch gar nicht gibt. Sie fragen sich, ob der Militärdienst, der aufgrund der Kriegssituation mit Äthiopien unbefristet eingeführt worden war, jetzt, wie es gesetzlich eigentlich vorgesehen war, auf anderthalb Jahre verkürzt wird. All das ist seit dem Friedensschluss nicht passiert. So wird die Bevölkerung zunehmend ungeduldig und auch wütend.

DOMRADIO.DE: Aber die Frage, warum dann Gesundheitseinrichtungen geschlossen werden, passt nicht so richtig ins Bild, oder?

Meiwald: Nein, gar nicht. Die katholische Kirche ist eine absolute Minderheit in Eritrea. Aber sie genießt ein hohes Ansehen, weil sie gute Arbeit im Sozialbereich, im Gesundheitsbereich und im Bildungsbereich leistet. Es scheint so, als ob dies ein Schlag sei, um einfach zu zeigen, dass man als Regierung im Land doch noch das Sagen habe.

DOMRADIO.DE: Die katholischen Bischöfe des Landes haben zum Fasten und zum Gebet aufgerufen. Haben die Bischöfe Einfluss in Eritrea?

Meiwald: Die Bevölkerung in Eritrea ist unheimlich religiös - unabhängig davon, ob sie Moslems, Orthodoxe oder Katholiken sind. Sie sind sehr mit ihrer Religion und ihrem Glauben verbunden und schöpfen auch sehr viel Hoffnung daraus.

Es gibt aber keinen formalen Einfluss, den die Bischöfe haben. Die katholische Kirche ist eher geduldet, als dass sie ein offizieller politischer Akteur wäre. Die Bischöfe haben sich auch in ihren Hirtenbriefen - insbesondere auch in dem großen Hirtenbrief, den sie Ostern geschrieben haben - sehr moderat verhalten. Sie mischen sich nicht in das politische Geschäft ein. Aber sie machen klare und konkrete Vorschläge, wie Frieden ins Land zurückkehren kann und wie Versöhnung im Land stattfinden kann. Das wird sehr wohl wahrgenommen - auch außerhalb der vier bis fünf Prozent katholischer Bevölkerung des Landes.

DOMRADIO.DE: Jetzt sind diese Krankenhäuser besetzt und es gibt Menschen, die auch dringend medizinische Hilfe benötigen. Kann Misereor über lokale Partner in dieser angespannten Situation helfen?

Meiwald: Leider ist uns das nicht möglich. Wir haben gar keine Möglichkeit im Moment, im Land selber aktiv zu sein. Wir sind natürlich mit den Partnern in Kontakt und versichern ihnen unsere Solidarität. Aber da auch unsere Partner im Moment nicht in dem Bereich aktiv sein können, können wir nichts anderes tun, als dafür zu sorgen, dass dieses Thema vielleicht ein bisschen in der Weltöffentlichkeit bekannter wird.

Aber wir wissen, dass die eritreische Regierung auch gegen Ratschläge oder Verhandlungen mit europäischen Regierungen eher resistent ist. Insofern haben wir da nicht zu viel Hoffnung. Es muss sich im Land selber etwas bewegen.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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