Münchner Badegäste können Mittellosen Duschkarten schenken
Münchner Badegäste können Mittellosen Duschkarten schenken
Abkühlung bei Hitze gibt es im Schwimmbad
Abkühlung bei Hitze gibt es im Schwimmbad

26.06.2019

Münchner Badegäste können Mittellosen Duschkarten schenken Aktion "Frische geschenkt"

Bei großer Hitze hilft nur Abkühlung: Durch die Aktion "Frische geschenkt" im Müller'schen Volksbad in München können Gäste nun neben ihrem Eintritt auch Duschkarten für Bedürftige kaufen, die keine eigenes Bad haben.

DOMRADIO.DE: Das Müller'sche Volksbad ist ein Traditionshaus in einem Barock- und Jugendstilbau und es hat bis heute einen sogenannten Waschtrakt. Was hat es damit auf sich?

Michael Solić (Pressereferent der Stadtwerke München): Das Müller'sche Volksbad aus dem Jahr 1901 ist damals von Karl von Müller für die Münchner Bevölkerung gestiftet worden. Damals war es eine Zeit, in der nahezu keine Wohnung ein Badezimmer hatte und die Menschen auf öffentliche Wasch- und Duschräume angewiesen waren. Von vielen sogenannten Tröpferlbädern, wie sie in München hießen, ist nur noch der Duschtrakt im Müller'schen Volksbad übrig. Und er wird auch genutzt von Menschen, die keine eigenen Sanitäranlagen zu Hause haben oder die kein eigenes Zuhause haben. Für diese Menschen ist das eine willkommene Abwechslung und eine willkommene Erfrischung.

DOMRADIO.DE: Was haben die Menschen jetzt davon, die weder ein eigenes Bad noch Geld im Portemonnaie haben? Die bekommen jetzt nicht einfach Eintritt ins Schwimmbad?

Solić: Richtig, genau. Im Müller'schen Volksbad haben wir die Aktion "Frische geschenkt" gestartet. Die Nutzer, die über das Geld verfügen, im Müller'schen Volksbad schwimmen zu gehen, können den Menschen, die das Geld nicht über haben, eine Dusche schenken. Dieses Projekt kommt bei den Besuchern im Müller'schen Volksbad sehr gut an. Manche kommen sogar gar nicht zum Schwimmen, sondern nur um eine Dusche zu verschenken.

DOMRADIO.DE: Das heißt, ich kann als normaler Badegast oder wenn ich bei ihnen vorbeikomme, Bedürftigen eine Runde baden oder duschen finanzieren?

Solić: Ganz genau. Also entweder ein Wannenbad von 45 Minuten für 3,50 Euro oder ein Brausebad: eine halbe Stunde für 2,20 Euro. Die Gutscheine werden an der Kasse vorgehalten und wenn jemand kommt und danach fragt, bekommt er das.

DOMRADIO.DE: Ist das also dann das Gegenmodell zum Luxus Spaßbad?

Solić: Das ist das Gegenmodell. Das ist nämlich einfach ein Grundbedürfnis, das erfüllt wird.

DOMRADIO.DE: Wie wird das Ganze bisher angenommen?

Solić: Das Ganze wird gut angenommen. Die Zielgruppe, an die es sich richtet, sind ja nicht diejenigen, die diese Leistung lautstark einfordern, sondern es sind eher Menschen, denen es unangenehm ist, dass sie sich nicht mal 2,20 Euro für die Körperpflege leisten können. Es wird verschüchtert danach gefragt und es wird sehr dankbar angenommen. Und der Erfolg auf der Geberseite wie auch auf der Nehmerseite gibt uns recht. Wir merken schon, dass jetzt auch mehr Menschen kommen und dass die Menschen es auch nicht ausnutzen, sondern dass wirklich die Menschen kommen, die es brauchen.

DOMRADIO.DE: Sind das dann eher Einzelpersonen oder sind das auch ganze Familien?

Solić: Es sind überwiegend Einzelpersonen. Es ist auch so, dass in München die Mehrheit der Menschen, die keinen eigenen Wohnsitz haben, in der Regel eher einzeln unterwegs sind. Aber es kommen vereinzelt auch Menschen mit Kindern. Und dann ist es natürlich auch für die Bad-Mitarbeiter immer eine Freude, wenn sie den Gutschein beziehungsweise das gelöste Ticket in die Hand drücken können und diesen Menschen einfach diese halbe Stunde in der Dusche oder 45 Minuten im Bad gönnen können.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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