Die Bahnhofsmission hilft Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen.
Die Bahnhofsmission hilft Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen.
Mitarbeiterinnen der Bahnhofsmission helfen einer Frau mit Kinderwagen beim Umsteigen
Mitarbeiterinnen der Bahnhofsmission helfen einer Frau mit Kinderwagen beim Umsteigen

27.04.2019

Wie die Bahnhofsmission Menschen in Not hilft "Begegnungen stiften"

Seit 125 Jahren gibt es die Bahnhofsmission. Für viele Hilfesuchende ist sie bis heute ein Ort, wo sie mitten in einer anonymen Stadt Unterstützung finden. Ehrenamtliche sind zwölf Stunden am Tag für sie da. Egal, welche Sorgen sie mitbringen.

DOMRADIO.DE: An diesem Samstag ist der Tag der Bahnhofsmission. Da müssen wir erst einmal klären: Was bedeutet Mission?

Corinna Rindle (Leiterin der Bahnhofsmission Köln): Die erste Bahnhofsmission ist vor 125 Jahren gegründet worden. Die Idee war damals, junge Frauen und Mädchen, die vom Land in die Städte kamen - das war die Zeit der Industrialisierung und der Landflucht - zu unterstützen. Schon damals haben sich ehrenamtliche Damen um die Mädchen gekümmert, die an den Bahnhöfen ankamen. Sie vermittelten sie in Haushalte, sorgten dafür, dass sie gut unterkamen und nicht "unter die Räder gerieten".

DOMRADIO.DE: Hat das heute noch etwas mit Mission zu tun? Sie tragen ja auch ein Kreuz als Logo auf der Brust, sind klar erkennbar für jeden, der am Bahnhof unterwegs ist. Haben Sie mit Kirche noch etwas am Hut?

Rindle: Aber selbstverständlich! Träger der Kölner Bahnhofsmission sind Invia, Kölner Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit, und das Diakonische Werk. Wir sind eine ökumenische Einrichtung.

Wenn Sie Mission im Sinne von missionieren verstehen, dann haben wir damit nichts zu tun. Wenn sie aber Mission im Sinne von Nächstenliebe begreifen, dann haben wir da ganz viel damit zu tun.

DOMRADIO.DE: Die christliche Mission Nummer eins könnte man sagen. Die Mitarbeitenden der Bahnhofsmission nennen die Menschen ja auch bewusst nicht Kunden oder Klienten, sondern Gäste. Was bedeutet das?

Rindle: Das heißt, nicht jeder, der uns aufsucht, wird pathologisiert. Nicht jeder ist ein Mensch, der fachliche Unterstützung braucht, sondern es gibt eine große Vielfalt an Hilfesuchenden. Heute, am Tag der Bahnhofsmission, lautet das Motto "Begegnung stiften". Es begegnen sich ganz unterschiedliche Menschen mit genau so viel unterschiedlichen Anliegen und unterschiedlichen Geschichten. Und erst einmal sind sie bei uns zu Gast mit ihren Themen, die sie mitbringen.

DOMRADIO.DE: Welche Menschen sind das? Können Sie vielleicht Beispiele nennen, bei denen sie helfen konnten?

Rindle: Erstmal geht es um Menschen, die - unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Alter, Konfession, Nationalität, Status - in akuten Notsituationen sind. Es sind manchmal Reisende. Manchmal sind es Ältere, die nicht mehr so sicher sind im Reiseverkehr. Stellen Sie sich vor: Köln, Hauptbahnhof, im Schnitt am Tag 250.000 Menschen. Da muss man sich erst einmal zurechtfinden. Dann kommt die Durchsage mit dem Gleiswechseln und möglicherweise gab es auch noch eine andere Wagenreihung. Ältere fühlen sich möglicherweise sicherer, wenn wir sie unterstützen beim Einsteigen, Umsteigen oder auch Aussteigen.

DOMRADIO.DE: Wie funktioniert das? Stehen Sie dann am Gleis? Oder wenden sich die Menschen schon vorher an Sie?

Rindle: Am besten rufen die Hilfsbedürftigen ungefähr eine Woche vorher an und teilen mit, wann sie ankommen, geben eine Personenbeschreibung an und welche Art Hilfe sie benötigen.

DOMRADIO.DE: Sie sind auch in der Seelsorge aktiv. Müssen Sie auch spirituelle Unterstützung leisten, Leute vielleicht auch auffangen, die psychisch krank sind? Wie machen Sie das?

Rindle: Ich kann das nicht allgemein beantworten, weil die Menschen, die zu uns kommen, ganz unterschiedlich sind. Zum Beispiel kam ein Mann, Mitte 50, zu uns und hat gefragt: Haben Sie Zeit für ein Gespräch? Er hat sich hingesetzt und von seiner Geschichte erzählt: Alkoholiker, lange trocken, gerade auf dem Weg nach Berlin, wenige Tage vorher ein Rückfall. Er hat ungefähr eine Viertelstunde bis 20 Minuten erzählt. Ich habe ihn dann irgendwann gefragt: Wo können wir Sie denn unterstützen? Da sagt er: Sie haben schon alles getan, Sie haben zugehört.

DOMRADIO.DE: Die Bahnhofsmission arbeitet bundesweit mit vielen Ehrenamtlichen. Wie werden die Mitarbeiter geschult? Muss man sich speziell auf diese Arbeit vorbereiten?

Rindle: Selbstverständlich. Das Ehrenamt ist sehr wichtig. Wir haben täglich von 7 bis 19 Uhr geöffnet. Und diese Öffnungszeiten stellen die Ehrenamtlichen sicher. Die Ehrenamtlichen sind zwischen 18 und 82 Jahre alt und haben sehr unterschiedliche Hintergründe. Das Thema Schulung, Deeskalationstraining, Gesprächsführung, wie gehe ich auf jemand zu, wie begegne ich jemandem, sind das A und O.

DOMRADIO.DE: Sie haben es bestimmt nicht nur mit Menschen zu tun, die ihnen wohlgesonnen sind. Auch am Bahnhof tummelt sich das ein oder andere schwarze Schaf. Da sind auch Menschen dabei, die aggressiv werden. Es kommt immer wieder zu Konflikten. Nimmt das zu?

Rindle: Das ist bundesweit ein Thema für die Bahnhofsmissionen, dass Menschen mit einem Rucksack voller Probleme durch die Gegend laufen, den sie abladen wollen. Erfreulicherweise sind körperliche Übergriffe ausgesprochen selten. Verbale Übergriffe kommen schon häufiger vor. Das gehört dazu, so etwas frühzeitig zu erkennen und zu intervenieren.

DOMRADIO.DE: Sie gehen bewusst auch auf Leute zu, wollen sie unterstützen, sich auch bekannt machen und ihre Hilfe anbieten. Sie haben zum Beispiel einen Flyer: "Gut ankommen mit Kids on Tour - dem Kinderbegleitservice der Bahnhofsmission". Wie läuft das ab?

Rindle: Wir wollen Kindern, Eltern und Großeltern anbieten, dass die Kinder sicher von A nach B reisen können. Das hilft den Kindern Kontakte zum getrennt lebenden Elternteil, zu Verwandten oder zu einer Freundin zu halten. Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren werden dann von Ehrenamtlichen begeleitet.

DOMRADIO.DE: Ist das eine erfüllende Arbeit?

Rindle: Ja, es macht Spaß, zur Arbeit zu gehen. In Köln besteht die Bahnhofsmission aus einem großen Team von 76 Ehrenamtlichen und drei Freiwilligen. Diese Menschen kommen nur so lange, wie sie das Gefühl haben, gebraucht zu werden, und dass das, was sie tun, Spaß macht und sinnstiftend ist.

(DR)

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