Zwangsprostitution findet immer noch statt - mitten in Europa
Prostitution
Lea Ackermann
Lea Ackermann

02.04.2019

Kirchliche Frauenorganisation fordert Sexkaufverbot "Deutschland ist zum Bordell Europas geworden!"

Noch bis Mittwoch tagt der dritte Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen. "Ein Problem, das die ganze Gesellschaft betrifft", so Schwester Lea Ackermann. Die Lösung? Ein Sexkaufverbot.

DOMRADIO.DE: Der Weltkongress von SOLWODI will zur Aufklärung beitragen. Welche Punkte werden in der Gesellschaft beim Thema Prostitution Ihrer Meinung nach zu wenig beachtet?

Schwester Lea Ackermann (Gründerin der Hilfsorgansation SOLWODI): Dass man Frauen und Mädchen kaufen kann ist ein Problem, das die ganze Gesellschaft betrifft. Welch Abwertung für die Frauen! Es ist eine große Zumutung für eine Frau, sich für mehrere Männer am Tag zur Verfügung zu stellen. Man sagt, die Frau braucht zehn Kunden am Tag, um ihre Miete zu zahlen und die Kosten zu decken. Was das für die Frau ausmacht!

Und die Männer tragen das auch wieder in ihre Familien rein. Es geht ja auch nicht ohne die Übertragung von Krankheiten und so weiter ab. Die Familien werden belastet, im Grunde genommen der ganze Sozialhaushalt, das sind riesige Kosten, die die Bevölkerung tragen muss.

DOMRADIO.DE: Beim dritten Weltkongress wollen Sie sich diesem Thema widmen. Wer sitzt mit Ihnen am Tisch?

Ackermann: Wir haben Zusagen aus der ganzen Welt bekommen - von Frauen und Männern, die das Problem näher kennen. Die Frauen nennen sich Überlebende, wenn sie in der Prostitution waren und den Austritt geschafft haben. Auf dem Weltkongress berichten sie davon, was in diesem Geschäft alles passiert.

DOMRADIO.DE: Sie wollen in den nächsten Tagen Schritte für eine Gesellschaft ohne Prostitution entwickeln und vorstellen. Welche Schritte sind das?

Ackermann: Das ist eigentlich ganz einfach. Wir wollen, dass es ein Verbot gibt, Sex zu kaufen! Unser Ziel ist es, dass wir in einer Gesellschaft, in der Mann und Frau gleichwertig sind, so miteinander umgehen, dass nicht die eine Hälfte die andere kaufen kann.

DOMRADIO.DE: Die Forderung, käuflichen Sex zu verbieten, ist quasi der wichtigste Handlungsschritt, den Sie fordern. In einigen europäischen Ländern gibt es das schon, in Deutschland nicht. Sie sagen: Deutschland ist zu einem Bordell Europas geworden. Wer ist in Deutschland dafür verantwortlich?

Ackermann: Die Gesetzgebung. Sie hat 2002 ein Gesetz verabschiedet, das sagt: Prostitution ist ein Beruf wie jeder andere. Die Schweden haben 2000 ein Gesetz beschlossen, das sagt: Prostitution geht gegen die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung von Frau und Mann. Sie haben das Sexkauf-Verbot eingeführt. Strafbar macht sich der Kunde, nicht die Prostituierte. In Schweden hat die Frau auch eine ganz andere Stellung. Einige Länder wie Frankreich, Kanada, Irland und Island haben es den Schweden nachgemacht und dieses Gesetz ebenfalls eingeführt.

Mir gefällt das Sexkauf-Verbot so gut, weil es einen Blickwechsel bietet. Man schaut nicht auf "die Ware", sondern auf den Käufer. Der Käufer aber bestimmt den Markt. Ich finde es ganz wichtig, dass dieser Blickwechsel geschieht.

DOMRADIO.DE: Gibt es Signale, die Ihnen Hoffnung machen, dass es bald so ein Verbot geben wird?

Ackermann: Wir haben sehr viel Zustimmung bekommen. Wir haben uns sehr gefreut und gewundert, wie viel spontane Anmeldungen wir hatten und wie viele Frauen- und auch Männerorganisationen gesagt haben: "Ja, das ist vernünftig". Ich hoffe, dass ein Umdenken geschieht.

Ich wünsche mir, dass die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land darüber nachdenken, was bei Prostitution geschieht. Und welche Abwertung und welche Frauenverachtung darin steckt.

(DR)

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