Der 101. Katholikentag hatte mehr als 90.000 Menschen zu Gast
Der 101. Katholikentag hatte mehr als 90.000 Menschen zu Gast
ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg

21.12.2018

Laien-Präsident schaut auf das Jahr 2018 "Druck im Land ist stärker geworden"

Was hat die Kirche 2018 bewegt? In der Frage des Frauendiakonats bleibt viel zu tun, in Sachen Integration wurde einiges erreicht, meint ZdK-Präsident Sternberg. Die beiden großen Kirchen in Deutschland blieben wichtige Ansprechpartner.

DOMRADIO.DE: Ein Thema, über das viel diskutiert wurde, ist die Rolle der Frau in der Kirche. Papst Franziskus hat eine wissenschaftliche Kommission zur historischen Rolle des Frauendiakonats eingesetzt. Das Thema scheint aus der Diskussion nicht zu verschwinden. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken bezieht da deutlich Stellung - wie beurteilen Sie 2018 in dieser Hinsicht?

Thomas Sternberg (Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken): Wir warten noch ab, wie die Kommission, die der Papst eingesetzt hat, aussehen wird. Es wäre gut, dieses extrem wichtige Thema "Frauenbeteiligung in der Kirche" in allen Strukturen und Ämtern zu verbessern. Es wäre gut, wenn man das, was schon möglich ist, im Frauendiakonat auch wirklich einführt. Denn der Druck wächst deutlich und wir müssen feststellen: An der Basis ist unsere Kirche längst weiblich. Das muss sich auch in anderen Bereichen wiederspiegeln.

DOMRADIO.DE: Kardinal Marx hat als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz angesprochen, wie wichtig es sei, die Macht in der Kirche zu teilen. Er geht sogar soweit, dass er in seinem Erzbistum München und Freising einen Laien als Verwaltungsleiter installieren will. Welche Rolle spielt das?

Sternberg: Ja, das sind sehr wichtige Dinge. Wir haben in der Kirche einen gewaltigen Vertrauensverlust erlitten. Wir müssen gemeinsam darauf bedacht sein, etwas sichtbar zu verändern. Und dass wir nicht nur darüber reden, sondern wirklich weiterkommen. Die Einführung der Verwaltungsgerichtsbarkeit, der Trennung von Legislative und Exekutive, der Beteiligung auf allen Ebenen sind ganz, ganz wichtige Vorgänge, die passieren müssen.

Man hat sich viel zu lange an der Vorstellung festgehalten, Kirche müsse hierarchisch organisieren und nur durch die Ämter strukturiert sein. Das ist natürlich so gar nicht zu halten, auch historisch nicht. Ich denke, wir werden zu stärkeren synodalen Elementen kommen. Nicht nur deshalb, weil der Papst es anmahnt, sondern weil der Druck im Land sehr viel stärker geworden ist.

DOMRADIO.DE: Schauen wir in die Politik. Die Parteichefs der zwei großen Regierungsparteien, Andrea Nahles und Annegret Kramp-Karrenbauer, sind Mitglieder im ZDK. Welche Rolle spielt denn die katholische Stimme in der Politik?

Sternberg: Ich glaube, sie spielt eine große Rolle bei denen, die uns auffordern und bitten, uns in gesellschaftliche Diskussionen einzuschalten: damit in diesem Land nicht die Räume und Diskussionsforen so überhand nehmen, dass es kaum noch eine übergreifende Debatte um das Gemeinwohl gibt. Und da sind die Kirchen ganz, ganz wichtige Ansprechpartner - allerdings nicht, wenn wir uns verzetteln und vereinzeln und auch nicht, wenn wir das alleine tun. Wir werden sehr viel stärker ökumenisch auftreten müssen.

DOMRADIO.DE: Wenn wir über die politischen Diskussionen sprechen, dann sind wir auch schon beim Thema "Flüchtlinge, Migration, Integration". Das ist etwas, was uns 2018 ja auch bewegt hat.

Sternberg: Es war für mich wirklich eine ganz, ganz große Freude zu erleben, dass sich hier Menschen über Jahre intensiv für die Integration von Flüchtlingen eingesetzt haben und weiterhin einsetzen. Da gab es vor ein paar Tagen ja auch eine sehr schöne Bestätigung durch Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, der noch einmal darauf hingewiesen hat, dass mittlerweile über 400.000 Menschen in Ausbildungs- und Arbeitsplätzen sind. Und dass junge Migranten schon nach einem Jahr dem Berufschulunterricht zu einem großen Teil folgen konnten; das sie ein wichtiger Beitrag und eine Stütze der deutschen Wirtschaft geworden seien. Solch' positiven Meldungen sind wichtig, wenn man immer nur darüber spricht, dass nur Problemfälle ins Land gekommen seien. Nein! Die Arbeit, die die Frauen und Männer hier gemacht haben, nicht zuletzt unsere katholischen, hat sich bewährt und hat sich auch bestätigt.

DOMRADIO.DE: Das sind gute Nachrichten zum Ende des Jahres hin! Ich möchte mit Ihnen nochmal kurz auf den Katholikentag in Münster blicken. Einer der großen Höhepunkte 2018 war sicher auch der Katholikentag in Münster, den Sie als Zentralkomitee der deutschen Katholiken veranstaltet haben.

Sternberg: Der Katholikentag in Münster war wunderschön, sehr politisch, fröhlich und geistlich. Ich habe die Tage außerordentlich positiv erlebt und ich glaube, nicht nur ich habe das so erlebt, sondern auch die vielen Besucher. Es hat sich gezeigt, dass Christsein und Katholisch sein etwas ist, was mit Freude, Engagement, Spiritualität und politischem Bewusstsein zusammengeht. Wir haben da Themen behandelt, die normalerweise in der tagesaktuellen Debatte zu kurz kommen - etwa die großen Themen der Eine-Welt-Thematik, die wir immer schon sehr stark gemacht haben und die immer wichtiger werden.

DOMRADIO.DE: Was erwarten Sie für 2019?

Sternberg: Ich hoffe, dass wir einiges umgesetzt bekommen. Ich hoffe zum Beispiel darauf, dass wir die seit Jahrzehnten erwarteten Verwaltungsgerichtsbarkeit in den Bistümern eingeführt bekommen. Und ich hoffe auch darauf, dass wir im politischen Bereich - zum Beispiel beim Einwanderungsgesetz, das wir sehr begrüßen und worüber wir uns freuen -  zu Ergebnissen kommen, die für alle Seiten gut sind. Dass wir nicht einfach nur einen Braindrain abschöpfen, sondern darauf achten, wie wir weltweit zu guten Ergebnissen kommen. Wie wir ausbilden, wenn wir Menschen anwerben, aber auch gleichzeitig unser Knowhow weitergeben, damit wir auf diese Weise auch Fluchtursachen bekämpfen können.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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