Armut in Deutschland
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Pirmin Spiegel
Pirmin Spiegel

18.11.2018

Pirmin Spiegel am "Tag der Armen" "Armut ist nicht vom Himmel gefallen – sie ist ein Skandal!"

Zum zweiten Mal hat Papst Franziskus den "Tag der Armen" ausgerufen. Für Pirmin Spiegel ist das ein Zeichen der Hoffnung, er sieht aber auch große Aufgaben auf Politik und Gesellschaft zukommen.

DOMRADIO.DE: Wie ist denn Ihre Bilanz am zweiten "Tag der Armen". Hat dieses Datum etwas gebracht?

Pirmin Spiegel (Hauptgeschäftsführer Bischöfliches Hilfswerk Misereor): Papst Franziskus hat in seiner gesamten Amtszeit seit 2012 dieses Thema vorangebracht. Er hat einen großen Schub im Bewusstsein von Kirchenmitgliedern und weit darüber hinaus auf den Weg gebracht. Ganz wichtig ist für uns: Er hat bestätigt, dass Hoffnung besteht. Wir können etwas machen. Armut ist nicht vom Himmel gefallen, Armut ist ein Skandal. Was uns ganz wichtig scheint: Er legt immer wieder den Finger in die Wunde dieser großen Herausforderung in der Gegenwart, dass 820 Millionen Menschen hungern. Was ganz wichtig ist, das möchte ich ganz stark unterstreichen: Armut ist nicht nur ein Begriff, sondern hinter der Armut stehen betroffene Menschen mit ihren Wünschen, ihren Nöten, ihren Hoffnungen. Es gilt, nicht wegzuschauen, wir sind eingeladen zur Solidarität.

DOMRADIO.DE: Das ist natürlich eine gesellschaftliche und politische Implikation. Was glauben Sie: In einer Zeit der größer werdenden sozialen Unterschiede: Was muss konkret passieren?

Spiegel: Wir erleben einen Verlust der Menschenfreundlichkeit, den Rückzug auf das Nationale und Eigene, das "Wir gegen die Anderen". Da dürfen wir nicht müde werden, in den Entscheidungen in Politik und Wirtschaft dafür zu werben, dass Politik und Wirtschaft am Gemeinwohl und Weltgemeinwohl orientiert sind. Das heißt: Gute Regierungsführung, faire Wirtschafts- und Handelspolitik, die Güter dieser Erde gerechter verteilen – das auf struktureller Ebene. Auf persönlicher Ebene wird immer wieder diskutiert: Wie können wir durch unser Einkaufsverhalten und durch unseren Lebensstil einen Beitrag leisten, immer unter Perspektive der Sängerin Mercedes Sosa: "Gott, ich bitte dich, dass uns die Armut und das Leid anderer nicht gleichgültig werden." Ich meine, das ist die richtige Spur.

DOMRADIO.DE: In welchen Bereichen sind die Gefahren der sich öffnenden Schere in der Gesellschaft schon jetzt am Stärksten zu sehen?

Spiegel: Es gibt die 17 Nachhaltigkeitsziele, die im September 2015 von den Vereinten Nationen auf den Weg gebracht wurden. Eines dieser Nachhaltigkeitsziele – das Ziel Nummer 10 – sagt und lädt ein, die Ungleichheit in und zwischen den Ländern zu verringern. Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Es gibt sehr viele Länder, die nicht im Licht der medialen Aufmerksamkeit stehen, zum Beispiel Madagaskar: Dieses Land gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Da sind 90 Prozent der Menschen in informeller Arbeit tätig, dort spielt sich tagtäglich eine stille Katastrophe von Hunger in vielen Familien ab. Wie kann man dort die Augen offen halten? Was ist zwischen den Kontinenten, aber auch in den Ländern. Papst Franziskus lädt jedes Land ein, auf das Eigene, auf die eigenen Menschen- und Familiengruppen zu schauen. Wir kennen von Deutschland Nöte wie Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Altersarmut, Armut trotz Arbeit – Armut bleibt ein Skandal. Von daher die Einladung, sowohl nach innen als auch den Blick über das eigene Land hinaus zu wagen. Denn wir spüren immer mehr: Wer nicht dazugehört und wer nicht inklusiv dazugehört, wird auch in Zukunft weiter abgehängt werden. Wie können wir da als Christen und Christinnen, als Menschen einen Beitrag leisten, dass das nicht geschieht.

DOMRADIO.DE: Was kann denn jeder einzelne im Alltag tun, dass diese Schere weiter auseinandergeht?

Spiegel: Mir scheint, dass der "Welttag der Armen" eine Einladung zum Dienst ist, als Lebenshaltung: Den Ruf der Armen wahrhehmen und aktiv werden. Das heißt einerseits, faire Handelsstrukturen zu unterstützen, maßvoll zu bleiben und gleichzeitig auf den Konsum und unsere Alltagsgewohnheiten zu schauen: Wie weit können wir fair gehandelte Produkte einkaufen, wie weit können wir uns auch in die lokale Politik einmischen, etwa durch Abgeordnete. Dass sie schauen: Sind die Finanzinstrumente die Richtigen, sind wir noch bei einer sozialen Marktwirtschaft oder sind wir eher bei einer Marktwirtschaft, der es an Fairness mangelt. Von daher meine ich, dass wir in Gruppen und als Einzelne einen Beitrag leisten können, um diesem "Welttag der Armen" ein konkretes Gesicht zu geben.

Das Interview führte Christoph Paul Hartmann.
(DR)

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