Hamburgs Erzbischof Heße und ...
Hamburgs Erzbischof Stefan Heße

09.10.2018

Warum die deutschen Bischöfe ein Zeichen gegen Rassismus setzen "Für Fremdenfeindlichkeit ist in unserer Kirche kein Platz"

Mit einem Preis will die Deutsche Bischofskonferenz gegen Rassismus vorgehen und "den Guten danken". Im Interview spricht der Jury-Vorsitzende, Erzbischof Stefan Heße, über die Hintergründe der Ausschreibung und den Weg zur Integration.

DOMRADIO.DE: Der katholische Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus soll im kommenden Jahr zum dritten Mal verliehen werden – und das in einer Zeit, in der eine rechtsextreme Partei im Bundestag sitzt. Was für ein Zeichen wollen Sie setzen?

Erzbischof Stefan Heße (Vorsitzender der Migrations-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz): Wir wollen mit diesem Preis deutlich machen, dass wir uns als Kirche für ein respektvolles Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft einsetzen und dass wir deutlich machen, dass für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in unserer Kirche kein Platz ist und dass wir all die Initiativen in den Blick nehmen wollen, die sich dezidiert für dieses Ziel einsetzen.

DOMRADIO.DE: Über Ausschreitungen, wie die zuletzt in Chemnitz, berichten die Medien ganz viel. Über ganz alltägliches gutes Miteinander zwischen Deutschen und Zugewanderten dagegen weniger. Ist das in Ihren Augen auch ein Problem der Vermittlung?

Heße: Das ist wahrscheinlich ein generelles Problem, dass sich die schlechten Botschaften immer viel schneller durchsetzen als die Guten. Deswegen ist es mit dem "Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus" unser Ziel, den Guten zu danken und zu helfen, dass das Gute, was sie tun und was sie angestoßen haben, bekannt wird. Deswegen sollen sie diesen Preis bekommen. Wir machen eine Feier, wo der Preis ausgelobt wird, wo viele Menschen zusammenkommen und wo wir Ehrengäste einladen, sodass die Botschaft hinausgeht ins Land.

DOMRADIO.DE: Sie sind ja sozusagen der Flüchtlings-Bischof in Deutschland. Was ist denn Ihrer Erfahrung nach die Grundbedingung, damit Integration und gegenseitiger Respekt gelingen kann?

Heße: Sie haben das wichtigste Stichwort genannt: gegenseitig. Integration ist keine Einbahnstraße, im Sinne von einer gnädigen Aufnahme irgendwelcher Leute. Integration wird nur gelingen, wenn wir sie zulassen, wenn wir sie – ich sage mal – auch innerlich an uns heranlassen, und wenn es zu einem Miteinander zwischen der Mehrheitsgesellschaft, die schon lange hier ist, und den neu hinzugezogenen Menschen kommt. Das geht über Kultur, Religion, über die alltäglichen Gewohnheiten; über Arbeit, Schule, Ausbildung, Sprache und vieles andere mehr. Ein Hin und Her, ein Austauschen – das wird der einzige Weg sein, der zu einer vernünftigen Integration führt.

DOMRADIO.DE: Was Sie beschreiben, ist natürlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wo sehen Sie ganz konkret den Beitrag der Kirchen?

Heße: Die Kirchen wollen einen Beitrag für das gesamte Leben leisten. Wir sind nicht nur die Kirche, die zum Gottesdienst in die Kirche einlädt, sondern unser Glaube strahlt ins ganz normale alltägliche Leben aus. Deswegen sind die potenziellen Preisträger Menschen, die mit der Integration im Alltag ernstmachen.

Ich denke zum Beispiel an den Preisträger vom letzten Jahr: das K21mondial Projekt in Schulen hier in Hamburg. Da haben einheimische Kinder gemeinsam mit vielen Kindern aus Migrantenfamilien Musik gemacht. Das führte zu einem Miteinander, was in der Musik leicht geht, in anderen Bereichen aber vielleicht viel schwerer ist. Ich denke an Sportvereine, die ähnliches machen oder an das Projekt im Ruhrgebiet, das letztes Mal auch ausgezeichnet wurde. Da ging es um Stammtisch-Gespräche, wo Leute quasi qualifiziert wurden, dumpfen und dummen Parolen am Stammtisch Paroli zu bieten und ihre christlichen Überzeugungen ins Spiel zu bringen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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