Erzbistum Bamberg richtet Appell an Missbrauchsopfer
Immer mehr Details zum Missbrauch in der Kirche kommen ans Licht
Erzbischof Carlo Maria Viganò mit Vorwürfen gegen den Papst
Erzbischof Carlo Maria Viganò, ehemaliger Apostolischer Nuntius in den USA
2015: Papst Franziskus und Kardinalerzbischof Theodore McCarrick
2015: Papst Franziskus und Kardinalerzbischof Theodore McCarrick

27.08.2018

Eine Rücktrittsforderung und ihre Vorgeschichte Wie sehr steht Franziskus unter Druck?

Ein unerhörter Vorgang hat die schwere Papstreise nach Irland zusätzlich belastet: Mitten in Vergebungsbitten für den Missbrauch platzte der Vorwurf, Franziskus selbst habe einen Täter gedeckt. Ein ehemaliger Diplomat des Papstes belastet ihn schwer.

Der Fall des ehemaligen Erzbischofs von Washington, Theodore McCarrick, hat vorübergehend den Papst persönlich eingeholt. Die Frage, was Franziskus wann über die früheren Verfehlungen des einst einflussreichen Kardinals wusste, hat ausgerechnet ein ehemaliger Spitzendiplomat des Papstes aufgeworfen: Erzbischof Carlo Maria Vigano, lange Jahre hochrangiger Funktionär im Vatikan und von 2011 bis 2016 Botschafter zweier Päpste in den USA.

Er behauptet nun, schon im Sommer 2013 habe er Papst Franziskus persönlich gesagt, dass über McCarrick eine "dicke Akte" vorliege. Darin sei festgehalten, dass der spätere Kardinal als jüngerer Bischof in Newark mit zahlreichen Seminaristen intim geworden sei. Papst Benedikt XVI. habe deshalb bereits "um 2008/2009" versucht, McCarrick zu maßregeln und ihm öffentliche Auftritte untersagt.

Zum Verzicht auf Kardinalsrang gezwungen

Franziskus habe ihn ab 2013 jedoch faktisch rehabilitiert. Erst vor wenigen Wochen hat der Vatikan McCarrick ein Leben in absoluter Zurückgezogenheit verordnet und ihn faktisch gezwungen, auf seinen Kardinalsrang zu verzichten. Franziskus ergriff diese Maßnahme, nachdem glaubhafte Beschuldigungen bekannt wurden, wonach McCarrick vor fast 50 Jahren auch minderjährige Jungen missbraucht haben soll.

Dass Franziskus von genau diesen Vorwürfen seit Langem gewusst habe, behauptet auch der Ex-Diplomat Vigano nicht. Er legt den Finger auf eine andere Wunde: Der Papst habe Kenntnis vom langjährigen homosexuellen Treiben McCarricks gehabt und ihn dennoch als Berater und Sonderbeauftragten eingesetzt. Damit habe er ähnlich gehandelt wie vor ihm die Kardinalstaatssekretäre Angelo Sodano (1991-2006) und Tarcisio Bertone (2006-2013): Beide hätten Warnungen über McCarricks "zutiefst unmoralisches Verhalten" einfach ignoriert.

Rücktrittsforderung an den Papst

Die Vorwürfe Viganos sind garniert mit Angriffen gegen zahlreiche Bischöfe und Kardinäle im Vatikan und den USA: Sie hätten vertuscht, die "Homosexuellen-Lobby" oder liberale Bischofsernennungen gefördert. Das elfseitige Dossier gipfelt in dem Aufruf an Papst Franziskus, er möge "seinen Kardinälen und Bischöfen, die McCarricks Missbräuche vertuscht haben, mit gutem Beispiel vorangehen und mit ihnen allen zurücktreten".

Franziskus habe "gespalten, in die Irre geführt und die Wölfe ermutigt, die Schafe der Herde Christi auseinanderzureißen", schreibt Vigano. Es ist dieser pathetische Ton, vor allem aber sind es die absatzweise ätzenden Pauschalurteile sowie Anspielungen, die Viganos Anschuldigungen vielfach unglaubwürdig machen. Eine Mischung aus "Fakten, Fiktion und Gift", wie ein Kenner der US-Kirchenszene schreibt. Gleichwohl wirkt es.

Vigano-Dossier ist Angriff auf den Papst

Datiert ist Viganos Dossier auf den vergangenen Mittwoch, veröffentlicht wurde es Samstagnacht, genau zur Halbzeit der Irland-Reise des Papstes. Diese war ohnehin überschattet von den Missbrauchsfällen, Misshandlungen und Vertuschungen, die Irlands Kirche sich hat zuschulden kommen lassen. Viganos Anschuldigungen sind eine Breitseite gegen Franziskus' Schuldbekenntnisse und Versprechen von Besserung.

Kenner der Kirchenszene im Vatikan wie in den USA weisen auf etliche Ungereimtheiten des Dossiers hin. Und darauf, dass Vigano in Sachen Aufarbeitung von Missbrauch "eigene Leichen im Keller" habe. So soll er den früheren Weihbischof Lee Piche von St. Paul und Minneapolis aufgefordert haben, Akten für eine Untersuchung gegen seinen Erzbischof John Nienstedt zu zerstören. Beide traten 2015 zurück.

Schlacht der Franziskus-Anhänger und -Gegner

Insgesamt sind Viganos Einlassungen Teil einer teils erbittert ausgefochtenen Schlacht von Franziskus-Anhängern und -Gegnern. Ausgetragen wird dieser Kampf teilweise auf dem Rücken der Missbrauchskrise, oft mit dem Hinweis, Ursache des Missbrauchs sei nicht Klerikalismus, wie Papst Franziskus meint, sondern Homosexualität.

Auch wenn Vigano als ein solcherart eifernder Franziskus-Kritiker auftritt - seine Ausführungen ausschließlich als enttäuschte Gesamtabrechnung eines gefrusteten früheren Angestellten abzutun, wäre falsch. Falls dies der Papst meinte, als er auf dem Rückflug von Dublin sagte, er sage dazu nichts, man möge das Dokument "aufmerksam lesen und sich sein eigenes Urteil bilden", dann wirft er zusätzliche Fragen auf.

Roland Juchem
(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 21.10.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Ursulawoche in Köln – Wer war die Heilige Ursula?
  • "Waldes-Wohl" – von der Spiritualität der Bäume
  • Studie über Stalking – Weißer Ring versucht zu helfen
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Was steckt hinter dem "Katakombenpakt"?
  • Erzbistum Köln: Ursulawoche beginnt
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Was steckt hinter dem "Katakombenpakt"?
  • Erzbistum Köln: Ursulawoche beginnt
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff