Bald kein Unterricht mehr an einem Teil der katholischen Schulen Hamburgs?
Bald kein Unterricht mehr an einem Teil der katholischen Schulen Hamburgs?
Marie-Theres Kastner
Marie-Theres Kastner

28.06.2018

Gesprächsabbruch zur Rettung katholischer Schulen in Hamburg Alles gesagt?

Die Geschichte lässt sich grob so umreißen: Das Erzbistum Hamburg muss sparen, beschließt einen Teil der katholischen Schulen zu schließen, Widerstand regt sich, es kommt zu Gesprächen und nun zum Abbruch. Was sagen die Eltern dazu?

DOMRADIO.DE: Wer hat jetzt genau welche Gespräche abgebrochen?

Marie-Theres Kastner (Bundesvorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands / KED): Wir haben erst mal lange gebraucht, bis die Gespräche überhaupt zustande gekommen sind, weil es, glaube ich, für das Erzbistum Hamburg völlig unerwartet und auch neu war, dass sich Eltern gegen diese Beschlüsse des Bistums mit einer solchen Vehemenz gewandt haben. Wir haben demonstriert. Wir haben überlegt, was man machen kann und in vielen Briefen direkt und indirekt das Bistum dazu bewegt, die Gespräche zu führen.

Man muss sagen - und das ist sicherlich der Ärger, der von Anfang an durchgegangen ist -, dass diese Beschlüsse so gefällt worden sind, dass alle die, die es betroffen hat, nämlich Eltern, Lehrer und Kinder eigentlich sehr plötzlich davon erfahren haben. Diese Gruppe ist in diesem vorherigen Beratungsbeschluss des Bistums, der zu dem Beschluss des Bistums geführt hat katholische Schulen aufzugeben, gar nicht gehört worden.

DOMRADIO.DE: Wenn zu wenig Geld da ist, wird es schwierig. In den Gesprächen ist es darum gegangen, auch eine gemeinsame Lösung zu finden. Was hat denn die Katholische Elternschaft da vorgeschlagen?

Kastner: Wir haben immer darauf Wert gelegt, dass gemeinsam gesucht wird, dass nicht die eine Seite sucht und die andere Seite sucht und man sich dann irgendwo trifft und einer macht einen Vorschlag und der andere macht einen Gegenvorschlag, sondern dass man gemeinsame Verantwortung für diese Schulen übernimmt. Dann hat man immer darauf gewartet, dass die Genossenschaft einen Vorschlag macht. Das Bistum hat einen Vorschlag gemacht, der aber von selber baden gegangen ist. Jetzt haben die Gremien der Erzdiözese gesagt, das reicht ihnen nicht. Dieser Vorschlag sei ihnen nicht differenziert genug. Das sei alles nicht aussagekräftig genug und folglich lehnen sie den ab.

DOMRADIO.DE: Wo sollte das Geld denn herkommen?

Kastner: Das hat jetzt erst mal mit Geld nichts zu tun. Wenn man sagt, man strebe eine gemeinsame Verantwortung an, dann ist das ja etwas völlig Neues. Wir sprechen davon, dass der Erzbischof immer gesagt hat, die Schulen als solches seien für sie wichtig und sie möchten die Trägerschaft der Schulen übernehmen. Sie fänden es gut, wenn zumindest für die, die man eigentlich schließen wolle, die Schulgenossenschaft die Betreiberschaft übernimmt.

Dann ergeben sich natürlich völlig neue Fragen. Was heißt das, wenn das Erzbistum Träger und die Schule Betreiber ist? Da sind viele, viele Einzelfragen zu klären. Es gab dann auch eine völlig neue Einrichtung, die hieß "Partizipatives Forum". Das hätte heute noch mal tagen sollen. Das ist aber abgesagt worden, weil inzwischen die Beschlüsse gefällt worden sind.

DOMRADIO.DE: In einer Pressemeldung, die die Elternschaft heute veröffentlicht hat, heißt es, dass Angst nicht das Handeln diktieren dürfe.

Kastner: Man hat Angst, etwas Neues zu betreiben. Ein Schritt zu einer gemeinsamen Verantwortung erfordert Mut und Phantasie. Das geht nicht in ausgetretenen Wegen. Da kann man nichts sagen, weil ich nicht genau weiß, ob ich jetzt genauso viel bezahle oder ob ich weniger bezahle, sage ich lieber vorher schon "Nein".

Ein Teil derer, die da Beschlüsse gefasst haben, hat natürlich auch ganz andere Interessen, weil das Erzbistum Hamburg ja inzwischen einen weiteren Analysevorgang macht. Das Erzbistum guckt nämlich, ob die Kindergärten in Ordnung sind, ob die Pfarrheime in Ordnung sind, ob die Gemeindestrukturen in Ordnung sind. Aufgrund der Geldknappheit und der Erfahrungen, die man im Schulwesen gemacht hat, sagt man natürlich: "Oh, da könnten auch neue Sparvorschläge rauskommen." Jeder ist natürlich automatisch bemüht, seine Pfunde zu sichern.

DOMRADIO.DE: Was hätte es denn für Konsequenzen für die Schüler, Eltern und das Schulwesen in Hamburg, wenn es jetzt wirklich nicht mit der Erhaltung dieser Schulen klappt?

Kastner: Im Moment wissen wir gar nichts. Wir sind eigentlich so weit weg, wie bei der Verkündung der Beschlüsse. Wir wissen eigentlich überhaupt nicht, ob es jetzt noch ein Moratorium gibt. Was passiert mit den Schulen? Werden die jetzt erst mal auf Eis gelegt? Im Prinzip weiß keiner, wo es jetzt letztendlich hingeht.

DOMRADIO.DE: Also auch nicht auf Grund der Tatsache, dass ja irgendwann auch ein neues Schuljahr anfängt?

Kastner: Man hat erst mal die Anmeldungen ausgesetzt. Damit sind natürlich auch für das Schulleben an bestimmten Schulen schon die Weichen gestellt. Das ist für die Schüler, die auf den Schulen sind, eine schwierige Kiste. Und für die, die sich eventuell überlegen, ob sie dann doch da hingehen, ist das eine noch schwierigere Kiste, weil sie sich entweder gar nicht anmelden können und auch erst mal was anderes suchen.

DOMRADIO.DE: Wer ist in Ihren Augen jetzt als nächstes dran, irgendeinen Schritt zu tun?

Kastner: Ich glaube, dass das Erzbistum sich jetzt endgültig erklären muss, wie es denn nun weitergeht. Aber ich glaube auch, dass es wichtig ist, dass man Botschaften an die Schulen schickt. Aber die sind bisher nur von dem finanziellen Gesichtspunkt getragen. Es hat immer geheißen, man suche Lösungen. Ob das für das Nils-Stensen- Gymnasium ist oder sonst irgendwo.

Es gibt ja Schulkonferenzen, die sich für das kooperative Modell entschieden haben, die gesagt haben, sie würden eine Projekt-Schule werden. Man hat gesagt, man gründet ein paar Projekte-Schulen und probiert das da drei Jahre lang aus. Das ist natürlich jetzt alles den Bach runter.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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