Päpstlicher Sonderermittler in Chile im Krankenhaus
Symbolbild Missbrauch in der Kirche
... der Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, haben sich getroffen
Matthias Katsch

27.06.2018

Initiative fordert von Kirchen mehr Missbrauchs-Aufarbeitung Nur viel Gerede?

Weniger reden, mehr unternehmen: Die Kirchen müssen noch mehr unternehmen, wenn sie den sexuellen Kindesmissbrauch angemessen aufarbeiten wollen, meint Matthias Katsch von der Opferinitiative Eckiger Tisch.

Die Kirchen redeten viel über Prävention und hätten dabei auch schon Wichtiges erreicht, doch sie übernähmen weiterhin viel zu wenig Verantwortung für vergangenes Unrecht, sagte Katsch am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Am Mittwoch gibt es in Berlin eine öffentliche Anhörung der Aufarbeitungskommission zu dem Thema.

Katsch gehörte vor acht Jahren zu den ehemaligen Schülern des Canisius-Kollegs in Berlin, die ihre dort erlittene sexuelle Gewalt öffentlich machten. Betroffene Schüler von Jesuitenschulen schlossen sich danach zur Initiative Eckiger Tisch zusammen. In vielen Fällen wie etwa beim Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen seien Fortschritte bei der Aufarbeitung erreicht worden.

"Keine wirkliche Auseinandersetzung mit den Opfern"

Auch seien viele vorbeugende Maßnahmen eingeleitet worden. Bisher sei aber kein einziger Bischof oder Ordensoberer zur Verantwortung gezogen worden, beklagte Katsch. Es habe auch "keine wirkliche Auseinandersetzung mit den Opfern" gegeben. Stattdessen sei eine Anerkennungszahlung "verordnet" worden.

Aufgrund des aus seiner Sicht intransparenten Verfahrens habe bisher auch nur ein kleiner Teil der Betroffenen einen Antrag auf die Zahlung gestellt. Durchschnittlich werde sehr viel weniger als die Höchststumme von 5.000 Euro gezahlt, meinte er. "Mit einer angemessenen Entschädigung hat das alles nichts zu tun", so Katsch.

"Verantwortung einfordern"

Die katholischen Bischöfe hatten nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals eine Serie von Maßnahmen eingeleitet. Opfer erhalten eine Anerkennungszahlung von bis zu 5.000 Euro, in begründeten Einzelfällen auch mehr. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann wurde zum Missbrauchsbeauftragten ernannt, eine Hotline wurde eingerichtet. Außerdem erließen die Bischöfe Leitlinien für den Umgang mit den Tätern, die 2013 verschärft wurden. Darüber hinaus verabschiedeten sie ein Präventionskonzept und beauftragten Forscher mit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der Vorkommnisse.

Katsch kritisierte auch den Bußakt der katholischen Bischöfe 2011 in Paderborn, weil diese damals die vor dem Dom demonstrierenden Opfer nicht eingeladen hätten. Er hoffe, "dass sich die Gesellschaft endlich traut, sich auf die Seite der Opfer zu stellen und diese Verantwortung einzufordern".

Auch zur Aufarbeitung bei der evangelischen Kirche äußerte er sich kritisch. Durch die dezentrale Organisation habe sie erreicht, dass viele Verfahren nicht öffentlich geworden seien. "Die evangelische Kirche ist bisher bei der Aufarbeitung sehr im Windschatten der katholischen Kirche gesegelt", so Katsch.

Eine Reaktion der Deutschen Bischofskonferenz zur aktuellen Kritik der Opferinitiative wird für Mittwoch erwartet, DOMRADIO.DE berichtet im Laufe des Tages.

(KNA)

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