Arbeiten häufig unter schlechten Bedingungen: Näherinnen in Fabriken
Textilfabrik in Äthiopien

11.10.2017

Hilfswerke kritisieren massive Benachteiligungen von Mädchen Zum Weltmädchentag

"Mädchen gelten in vielen Teilen der Welt noch weniger als Jungen", beklagen SOS-Kinderdörfer. Zum Weltmädchentag, der am Mittwoch begangen wurde, haben einige Hilfsorganisationen die Lage von Mädchen angeprangert.

Illegale Frühverheiratungen, massive Benachteiligungen, schwere Kinderarbeit: Zum Weltmädchentag, der am Mittwoch begangen wurde, haben Hilfsorganisationen die Lage von Mädchen angeprangert. So werden etwa weltweit jährlich 7,5 Millionen Mädchen illegal frühverheiratet, wie aus einer Studie des Kinderhilfswerkes Save the Children hervorgeht. Demnach sind vor allem Mädchen in Ländern West- und Zentralafrikas von solchen Ehen betroffen. Dort gebe es rund 1,7 Millionen illegale Kinderehen.

"Viele frühverheiratete Mädchen sind Gewalt und Missbrauch ausgesetzt, zudem werden sie ihrer Bildungs- und Entwicklungschancen beraubt", erläuterte die Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland, Susanna Krüger. "Solange Kinderehen existieren, werden Mädchen niemals die gleichen Chancen haben wie Jungen."

"Gesetze allein sind nicht ausreichend"

In einigen Länder habe es Fortschritte in der Gesetzgebung gegeben, hieß es. So hätten zwischen 2015 und 2017 neun Staaten das Mindestalter für Ehen angehoben oder Ausnahmeregelungen aufgehoben.

Dennoch setzten viele Länder die geltenden Regelungen nicht konsequent genug um. "Gesetze allein sind nicht ausreichend", so Krüger. Sie forderte, das Mindestalter für Ehen weltweit auf 18 Jahre anzuheben. Ausnahmeregeln müssten zudem abgeschafft werden.

Haus- und Betreuungsarbeit und keine Schulbildung

SOS-Kinderdörfer wiesen allgemein auf Benachteiligungen hin: "Mädchen gelten in vielen Teilen der Welt noch immer weniger als Jungen - und sie werden auch so behandelt", sagte Vizepräsidentin Gitta Trauernicht. Zwei Drittel aller Mädchen zwischen 5 und 14 Jahren in Entwicklungsländern leisteten Haus- und Betreuungsarbeit, über 60 Millionen Mädchen im Schulalter gingen nicht zur Schule.

In manchen Ländern sei die Benachteiligung sogar lebensbedrohlich. In Indien würden immer noch weibliche Föten abgetrieben und weibliche Babys getötet oder weggegeben. Auch die Genitalverstümmelung in Ländern wie Jemen, Senegal oder Sudan habe schreckliche Folgen für das gesamte Leben der Betroffenen. Ein Schlüssel für Veränderung sei Bildung, betonte Trauernicht.

Kinderarbeit und sexuelle Belästigung

Die Organisation Femnet wies angesichts arbeitender Kinder auf die Initiative "Systemische Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie in Tamil Nadu" im Rahmen des Textilbündnisses hin. Hintergrund sei der Fall einer 14-Jährigen, die sich in einer indischen Spinnerei zu Tode gearbeitet habe. Die Initiative, an er sich auch deutsche Unternehmen beteiligen, will etwa mit Trainings in Spinnereien eine Grundlage schaffen für "funktionierende, gesetzlich vorgeschriebene Komitees - für Beschwerden und gegen sexuelle Belästigung".

Der katholische Orden der Salesianer Don Boscos machte auf menschenunwürdige Lebensbedingungen vieler Mädchen in Sierra Leone aufmerksam. Es handele sich um "ein Problem mit internationaler Relevanz", sagte Pater Jorge Mario Crisafulli, Direktor des Kinderschutzzentrums Don Bosco Fambul in Freetown, im Interview der Presseagentur Kathpress. Allein in der Hauptstadt arbeiteten bis zu 1.500 minderjährige Mädchen im Sexgewerbe.

(KNA)

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