Bettler in Deutschland
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29.08.2017

Armutsbericht für 2016 vorgelegt Armutsrisiko bleibt auf Rekordhoch

Nach der Veröffentlichung der neuen Armutsgefährdungsquote in Deutschland sind Appelle für eine verbesserte Armutsbekämpfung laut geworden. Vor allem fordern Sozialverbände mehr Leistungen an Kinder.

Das Armutsrisiko liegt im Jahr 2016 mit 15,7 Prozent auf dem selben Stand wie im Vorjahr und damit auf dem höchsten Niveau seit der Wiedervereinigung, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden hervorgeht. Erwerbslose sowie Alleinerziehende und deren Kinder sind demnach besonders bedroht. Auch belegten die Zahlen eine unterschiedliche Armutsgefährdung in den Bundesländern sowie Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.

"Zwar gibt es durchaus positive Entwicklungen in einigen Ländern, vor allem in den Stadtstaaten und in Ostdeutschland, doch sorgt der auffällige Anstieg in einwohnerstarken Flächenstaaten wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen dafür, dass die Armutsquote bundesweit nicht sinkt", erklärte der Paritätische Wohlfahrtsverband.

Unterschied zwischen Ost und West so gerinmg wie nie

Generell hatten laut Daten im früheren Bundesgebiet ohne Berlin 15 Prozent der Bevölkerung ein erhöhtes Armutsrisiko, in den neuen Ländern einschließlich Berlin waren es 18,4 Prozent. Damit war der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland so gering wie nie seit der deutschen Einheit, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einem Beitrag bemerkte.

Auch Alleinerziehende und ihre Kinder sind den Angaben zufolge überdurchschnittlich armutsgefährdet: 42,4 Prozent im früheren Bundesgebiet und 46,9 Prozent in den neuen Ländern. Eine Armutsgefährdung liegt dort vor, wo sich das Nettoeinkommen eines Haushalts auf weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung beläuft.

In dem Zusammenhang macht das IW darauf aufmerksam, dass sich der Schwellenwert, ab dem man als einkommensarm gilt, um 2,9 Prozent erhöht habe. Gleichzeitig sind laut Institut die Verbraucherpreise nur um 0,5 Prozent gestiegen, so dass sich die Einkommensarmen des Jahres 2016 vermutlich mehr leisten können als 2015. Christoph Schröder vom IW forderte weiterhin Einsatz für Langzeitarbeitslose, Chancengleichheit durch verbesserte frühkindliche Betreuung und Schulstrukturen, sowie spezielle Hilfen für Migranten.

So reagieren Politik und Verbände

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) verlangte ein erhöhtes Kindergeld für Familien mit kleinen Einkommen. "Kinder dürfen in Deutschland kein Armutsrisiko für ihre Eltern sein", sagte sie. Eltern mit geringeren Einkommen würden steuerlich immer noch benachteiligt.

Katrin Göring-Eckardt (Grüne) kritisierte, "die Wahrscheinlichkeit, dass immer mehr Kinder in Armut geraten, ist so groß wie schon lange nicht mehr". Der sozialpolitische Sprecher der Partei, Wolfgang Strengmann-Kuhn, drang auf eine "Kindergrundsicherung, die für alle Kinder gleich hoch ist". Für eine solche Grundsicherung sprach sich auch der Kinderschutzbund als Teil eines elf Verbände umfassenden Bündnisses aus.

Auch das Deutschen Kinderhilfswerk forderte grundlegende strukturelle Reformen zur Bekämpfung von Kinderarmut. Die Nationale Armutskonferenz bezeichnete die aktuellen Zahlen als einen "Aufruf zum Handeln".

(KNA)

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