Kinderarmut in Deutschland wächst
Kinderarmut in Deutschland wächst
Dr. Frank Johannes Hensel
Dr. Frank Johannes Hensel

29.08.2017

Armutskonferenz schickt Petition an CDU Mehr Geld für Kinder

Das Armutsrisiko von Kindern ist in Deutschland gewachsen. Um ihre Armut zu bekämpfen, haben Sozialverbände dem CDU-Generalsekretär eine Petition übergeben. domradio.de hat mit einem Erstunterzeichner gesprochen.

domradio.de: Die Wirtschaft in Deutschland brummt. Der Staat nimmt soviel Steuern ein, wie nie zuvor - und doch ist das Armutsrisiko von Kindern auf mehr als 20 Prozent gewachsen. Das ist schwer verständlich, oder?

Frank Johannes Hensel (Diözesan Caritasdirektor des Erzbistums Köln und Erstunterzeichner der Petition): Das müsste vor allem nicht so sein. Etwa jedes fünfte Kind lebt in Deutschland in Armutsverhältnissen. Dabei handelt es sich im Grunde um ein gesellschaftliches Merkmal, das wir offenbar politisch zulassen, denn wir könnten es ändern.

domradio.de: Wie erklärt sich die hohe Armut unter Kindern denn?

Hensel: Es geht schon damit los, dass zum Beispiel die Ausstattung von Kindern über die Regelsätze gar nicht vernünftig berechnet worden ist. Es wurde nie realistisch ermittelt, was Kinder brauchen. Stattdessen handelt es sich dabei um Abschläge von Erwachsenenbedarfen: Ob die Füße nun wachsen und mehr Schuhe gebraucht werden oder nicht, ist nicht beachtet worden. Bildungskosten orientieren sich an den unteren 20 Prozent der ärmsten Haushalte. Da kommen dann entsprechende Tabellen raus, nach denen ein Kind bis sechs Jahre 237 Euro braucht und ein Sieben- bis 14-Jähriger einen Bedarf von 291 Euro hat, während ein alleinstehender Erwachsener 409 Euro braucht. Das sind Zahlen, die passen für die Kinder nicht.

domradio.de: Das Kinderhilfswerk, der Kinderschutzbund und die nationale Armutskonferenz haben die Petition auf den Weg gebracht. Darin wird die Forderung nach einem soziokulturellen Existenzminimum laut: Was ist das?

Hensel: Was braucht ein Kind mindestens an Geldleistungen? Neben Leistungen in Geld gibt es Dinge, die für die Existenz absolut wichtig sind, die nicht in Geld ausgezahlt werden können, sondern in Leistungen erfolgen können. Das muss einmal sauber aufgestellt werden und ist im Übrigen auch sowohl grundgesetzlich geboten als auch vom Bundesverfassungsgericht angezeigt. Darum hat man auch zur Nachbesserung ein "Bildungs- und Teilhabepaket" erfunden, das mit vielen bürokratischen Zugängen irgendwie den einen oder anderen Mangel nachsteuern soll, etwa im Bereich Schulbedarf.

domradio.de: Sie fordern eine einheitliche Geldleistung für alle Kinder, die das Existenzminimum sichert. Wie hoch muss die denn sein?

Hensel: Die muss um einiges höher sein als die Leistung nach der aktuellen Tabelle. Die Fachmeinungen gehen da aber auseinander, ob es nun 50, 70 oder 90 Euro mehr sein müssen. Natürlich bemisst sich die Höhe auch daran, was man in Sachleistungen anbietet: Beispielsweise fordern wir, dass es in den Ganztagsbildungseinrichtungen ein kostenfreies Mittagessen geben muss. Dann müsste niemand mehr Armut nachweisen, nur um von den Gebühren befreit zu werden.

Das Interview führte Martin Mölder

(dr)

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