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Schützenkönig Mithat Gedik
Schützenkönig Mithat Gedik

12.03.2017

Muslime als Schützenkönige "Leute, lasst mal die Kirche im Dorf"

Muslime im Dachverband der katholischen Schützen? Umdenken war bitter nötig, sagt der muslimische Schützenkönig Mithat Gedik, der den Anstoß gegeben hatte.

Jetzt kommt alles noch mal hoch: Das Erdbeben, das Mithat Gedik mit seinem Königsschuss vor gut zwei Jahren in einem westfälischen Dorf auslöste. Die Debatte, ob es sein darf, dass ein Moslem in einer katholischen Gesellschaft den Vogel abschießt und Schützenkönig wird. Und schließlich die Quittung von der Unesco, die die historischen Schützen Europas nicht ins immaterielle Kulturerbe aufnahm, weil nicht jeder mitmachen darf.

Zeitenwende

Unter dieses Kapitel soll bei der Bundesvertreterversammlung an diesem Sonntag in Leverkusen ein Schlussstrich gezogen werden. Und das klingt nach Zeitenwende.

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) will seine Regeln lockern. Dann dürfen auch Nicht-Christen Mitglied werden, also Menschen wie Mithat Gedik. Der 36-Jährige ist Schützenbruder bei St. Georg Sönnern-Pröbsting in Westfalen. Warum auch nicht.

Der Deutsche mit türkischen Wurzeln ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Er hatte katholische Religion als Abiturfach. Mit seiner katholischen Frau Melanie hat er vier Kinder. Im Dorf hatte man ihn dann gefragt, ob er 2014 den Schützenkönig macht. Natürlich wollte er. Keinen Gedanken hatte Gedik daran verschwendet, dass er eine solche Welle lostreten würde, wie er gut zwei Jahre danach sagt.

Zum Abdanken habe ihn der Dachverband sogar bewegen wollen, weil er Moslem sei, erzählt er: "Da hab ich gedacht: Leute, lasst mal die Kirche im Dorf. Mein Gott, dann gibt es eben einen muslimischen König." Gedik durfte Schützenkönig bleiben, "ausnahmsweise", wie es vom Dachverband streng hieß.

An der Lebenswirklichkeit vorbei

Nach den Statuten hätte Gedik tatsächlich erst gar nicht Schützenbruder werden dürfen, wie Emil Vogt sagt, der seit 2015 Bundesschützenmeister ist. Ihm selbst wurde aber relativ schnell klar: Beschlüsse und Satzungen gehen teilweise an der Lebenswirklichkeit der Vereine vorbei.

Es begann unter den Schützen eine heiße Diskussion über eine "Öffnung" des anerkannten katholischen Verbands mit rund 400 000 Mitgliedern in 1200 Schützenbruderschaften: Kirche verändere sich und die katholischen Schützenvereine müssten sich auch verändern, so die Erkenntnis. Die Vereine wollten mehr Spielräume. Die sollen sie auch bekommen.

Die Delegierten sollen am Sonntag in Leverkusen die Lockerung ihrer Regeln beschließen. Dazu gehört auch, dass die Partner von Homosexuellen nicht mehr beim Festzug hinter dem König gehen müssen, wie im Jahr 2011. Der damalige Schützenkönig hatte den Vogel in Münster-Kinderhaus abgeschossen. Seinen Partner hatte er zur "Schützenkönigin" ernannt.

Neuregelungen auf der Agenda

Der BHDS setzte durch, dass der hinter seinen Partner herlaufen musste. Als hätten sie sich ihrer Position noch einmal versichern müssen, beschlossen die Bundesdelegierten 2012 ausdrücklich, dass ein Königspaar aus Mann und Frau bestehen müsse. Auch das soll am Sonntag gekippt werden. Geregelt werden soll auch der Umgang mit Schützenbrüdern, die aus der Kirche ausgetreten sind.

Für die Vereine, die bisher streng nach Vorgaben lebten, muss das revolutionär sein. Für Gesellschaften wie in Sönnern mit der Vorliebe für rheinische Lösungen - wie Vogt das nennt -  "ist das das Absegnen der Lebenswirklichkeit." Was die Bruderschaften aus ihren neuen Freiheiten machen, bleibt ihnen überlassen.

Für Mithat Gedik sind diese Veränderungen "bitter notwendig", wie er sagt. Aber dass gerade er Auslöser für den ganzen Prozess war, hätte nicht unbedingt sein müssen. Doch damals habe das ganze Dorf hinter ihm gestanden - das nimmt ihm niemand mehr.

Elke Silberer
(dpa)

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