Bundespräses wirbt für Öffnung der Schützenbruderschaften

Ungetaufte auch willkommen

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften will Ungetaufte aufnehmen. Ein "Kann", kein "Muss", sagt Bundespräses Monsignore Robert Kleine.

Autor/in:
Das Interview führte Silvia Ochlast.
Schützenbrüder mit Emmaus-Laterne / © Kai Woltering (KNA)
Schützenbrüder mit Emmaus-Laterne / © Kai Woltering ( KNA )

domradio.de: 2014 wurde im westfälischen Sönnern ein muslimischer Schützenkönig gekürt. Eine große Debatte um Glaube und Tradition wurde losgetreten und der Schützenkönig wurde erst nicht anerkannt. Zwei Jahre später nimmt der Öffnungsprozess des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, BHDS, konkretere Formen an. Ein klares Bekenntnis zu den christlichen Traditionen und das Miteinander mit Menschen aus anderen Kulturkreisen seien die wichtigsten Punkte des Programms, lies der BHDS verlauten. Was hat sich denn in den letzten zwei Jahren in Sachen Öffnung getan bei den Schützenvereinen?

Monsignore Robert Kleine (Bundespräses der Schützenbruderschaften und Kölner Stadt- und Domdechant): Man muss vielleicht zunächst noch vorausschicken, dass der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften aus vielen Bruderschaften besteht, die da Mitglied sind. Diese haben alle eigene Satzungen und Regelungen und sind in einem Dachverband zusammengeschlossen, der ein anerkannter Verband der katholischen Kirche ist. Bisher war es von den Satzungen her so, dass bei diesen katholischen Vereinen nur Christen - evangelisch, katholisch, anglikanisch - Mitglied sein konnten.

Der damalige Fall ist deshalb so passiert, weil gegen die Satzung dort ein Moslem Mitglied war und die Königswürde errungen hat. Das hat bei uns im gesamten Verband die Frage aufgeworfen, wie wir mit denen umgehen, die Interesse an einer Schützenbruderschaft haben. Das war ein langer Diskussionsprozess. Es geht ja dabei nicht nur um Muslime, sondern insgesamt um Ungetaufte, also um Menschen, die nicht getauft sind und keine Religion haben. Die Frage war, ob diese Menschen die Möglichkeit haben sollten, Mitglied zu werden. Darüber haben wir debattiert und im Ergebnis nun eine Öffnung beschlossen.

domradio.de: Bedeutet dieser Öffnungsprozess, dass alle Schützenvereine jeden aufnehmen müssen, der Interesse hat?

Kleine: Wenn das so angenommen wird, was wir in einem Orientierungsrahmen vorlegen und was im März 2017 beschlossen werden müsste, dann hat jede Mitgliedsbruderschaft die Möglichkeit, sich in dieser Weise zu öffnen. Es muss niemand Ungetaufte aufnehmen, aber es können Ungetaufte aufgenommen werden. Dabei gilt eine Einzelfallprüfung, wie das bisher auch der Fall ist. Dann muss man aber auch zu den Idealen der Bruderschaft stehen. Natürlich gehört zum Leben der Bruderschaft auch der Besuch der Gottesdienste. Der heilige Sebastianus ist ein Patron. Wir treten für Glaube, Sitte, Heimat und für christliche Werte ein. Wer das ablehnt, wird von sich aus gar nicht in eine Bruderschaft wollen.

Sicherlich werden jetzt auch nicht sehr viele Muslime sagen, dass sie Mitglied werden möchten. Der muslimische Schütze, der damals die Königswürde errungen hat, war ja auch katholisch verheiratet. Die Kinder waren katholisch getauft und er lebte sozusagen vor Ort in der Gemeinschaft. In dem Fall kann man sagen, dass es die Möglichkeit der Integration und eines guten Miteinanders gegeben hat. Das traf in diesem Fall zu. Genauso können nun, falls der Beschluss angenommen wird, Bruderschaften diese Öffnung prüfen, sie müssen es aber nicht umsetzen.

domradio.de: Nicht nur die Religion oder die Herkunft, sondern auch die sexuelle Orientierung sollen zukünftig einer Aufnahme in einen Verein nicht im Weg stehen. Wie wird das in den Vereinen besprochen?

Kleine: Wir haben die vergangenen zwei Jahre einen sehr guten Dialogprozess geführt. Ich glaube, es wurde manchen Bruderschaften auch noch einmal deutlich, was sie eigentlich sind, nämlich ein katholischer Verband. Das ist nicht einfach ein Etikett, das man sich auf die Uniform oder Tracht klebt. Es ging auch um die Diskussion, was mit denjenigen ist, die aus der Kirche ausgetreten sind. Da haben wir sehr deutlich gemacht - auch ich persönlich -, dass es einen Unterschied macht, ob jemand gar keine Religion hat, ungetauft ist, aber Interesse an der Kirche hat und gerne Mitglied werden möchte und nicht aufgenommen werden konnte, wogegen jemand, der wegen des Papstes, aus finanziellen Gründen oder aus einem anderen Grund aus der Kirche ausgetreten ist, Mitglied bleiben konnte.

Mir ist jemand lieber, der Interesse hat, als jemand, der sich eigentlich gar nicht für die Kirche und unsere Werte interessiert. Die Kirche ist kein Verein und deshalb werden auch Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, weiter Mitglied bleiben können, werden aber keine Leitungsverantwortung übernehmen können. Das sollte nur jemand machen, der getauft ist und zu seiner Kirche - katholisch oder evangelisch - steht.

domradio.de: Gibt es denn eigentlich auch Frauen in den "Bruderschaften"?

Kleine: Es gibt Bruderschaften, die gemischt sind. Da gibt es Schützenschwestern und Schützenbrüder. Es gibt einige Bruderschaften, in denen traditionell nur Männer aufgenommen werden. Ähnlich ist es ja auch in Karnevalsvereinen, die teilweise gemischt sind oder reine Männergesellschaften sind. Da geben wir nichts vor. Das ergibt sich im Laufe der Tradition mal so und mal so: Mal werden Frauen aufgenommen, mal nicht. Aber dafür gibt es keine Richtlinie.

domradio.de: Das Schützenparlament soll im Frühjahr über das Grundsatzpapier abstimmen. Mit welchem Ergebnis rechnen Sie?

Kleine: Ich rechne mit einem sehr guten Ergebnis der Annahme, weil wir auch zwei Jahre auf allen Ebenen diskutiert haben. Es ist ganz klar, dass wir unser Profil als katholischer Verband nicht aufgeben. Das heißt, dass der Einsatz, der den katholischen Glauben ausmacht, bleiben wird. Aber - wenn ich an unseren Papst denke - sollen wir ja auch missionarisch tätig sein. Wenn in eine Bruderschaft jemand, der nicht getauft ist, hineinkommt und erlebt, dass dort auch der Glaube gelebt und gefeiert wird, vielleicht Interesse an der katholischen Kirche bekommt und sogar eine eigene Taufe anstrebt, dann wäre das doch toll.

Wichtig ist für mich als Präses dieses Bundes, dass es kein Folkloreverein ist, sondern ein Verein von Gleichgesinnten, die ein gemeinsames Fundament, den gelebten christlichen Glauben, haben. Ich werbe bei den Verantwortlichen für die Annahme des Grundsatzpapiers und werbe gleichzeitig für die Verdeutlichung unseres christlichen Standpunktes.


Msgr. Robert Kleine, Stadt- und Domdechant / © Jörg Loeffke (KNA)
Msgr. Robert Kleine, Stadt- und Domdechant / © Jörg Loeffke ( KNA )
Quelle:
DR