06.02.2017

Genitalverstümmelung: In Tansania trägt Aufklärung Früchte Leise Hoffnung

In Tansania gelten Frauen oftmals erst nach ihrer Beschneidung als erwachsen. Für Tausende Mädchen endet der Ritus jedes Jahr tödlich. Dank intensiver Aufklärung gibt es leise Hoffnung. Und neue Probleme.

"Weibliche Genitalverstümmelung sollte der Geschichte angehören", forderte eine Sprecherin von Tansanias Gesundheitsministerium jüngst. Trotz Polizeirazzien wurden den Angaben zufolge allein im Dezember 800 Mädchen in der ostafrikanischen Nation Opfer des blutigen Ritus. Schätzungen zufolge sind in Tansania rund 7,9 Millionen Frauen und Mädchen von Genitalverstümmelung betroffen.

Dennoch sind Experten vorsichtig optimistisch. "Früher wurden Mädchen bereits mit zehn Jahren beschnitten - eine Tradition, um sie auf die Heirat vorzubereiten", sagt Francis Selasini, Koordinator des Netzwerks gegen weibliche Genitalverstümmelung (NAFGEM) in Tansania. "Dank Gesetzesänderungen und Aufklärungskampagnen über die Gefahren sind die Fälle rückläufig."

Ritual mit Rasiermesser, mit Klingen oder Scherben

Am 6. Februar ist Welttag gegen weibliche Genitalverstümmelung. Die grausame Prozedur wird auch kurz FGM (Female Genital Mutilation) genannt. Den Begriff "Beschneidung" lehnen die Vereinten Nationen als verharmlosend für eine Menschenrechtsverletzung ab. Infolge des Rituals, vorgenommen mit einem Rasiermesser, mit Klingen oder Scherben, sterben jedes Jahr Tausende junge Frauen an Blutvergiftung, Blutverlust, Infektionen des Harntrakts und Fieber. Später leiden die Betroffenen häufig unter Hypersensibilität und Komplikationen während der Geburt. "Meine Pubertät war qualvoll. Ich habe Schmerz und Demütigung durchlebt", erinnert sich Madina Daff. Die Malierin wurde als Kind beschnitten und kämpft heute gegen die Praxis.

Es gibt jedoch auch Stimmen, die sich für die Beschneidung einsetzen: Die Anthropologin Fuambai Sia Ahmadu etwa reiste nach ihrem Studium in den USA freiwillig in ihre Heimat Sierra Leone, um das Aufnahmeritual in die Erwachsenenwelt zu durchlaufen. "Ich bin Akademikerin, Feministin und stolze beschnittene Afrikanerin. Oft werde ich von radikalen Feministinnen kritisiert, weil ich Mädchen unterstütze, die unsere Tradition aufrechterhalten wollen", so Ahmadu.

Heirat als einzige Chance

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit 140 Millionen Frauen von Genitalverstümmelung betroffen sind. In einigen Ländern wie Somalia oder Dschibuti liegt die Rate beschnittener Frauen weit über 90 Prozent. Tradition hat die Genitalverstümmelung vor allem in Ostafrika, wo vorwiegend Mädchen in ländlichen Regionen beschnitten werden.

"Selbst wenn sie die Grundschule abschließen, haben Mädchen in ländlichen Regionen sehr begrenzte Möglichkeiten und sehen Heirat als ihre einzige Chance an", sagt Francis Selasini. "Sie werden früh schwanger - zu einer Zeit, in der sie besonders anfällig sind für die Manipulation durch Leute, die FGM am Leben halten wollen." Manche Familien nutzten die Genitalverstümmelung etwa als Mittel zur sexuellen Kontrolle.

"Die Praxis hat nichts mit Religion zu tun."

Auch Religion wird häufig zur Begründung herangezogen. Dabei unterstützen weder das Christentum noch der Islam den schmerzhaften Ritus. "Die Praxis hat nichts mit Religion zu tun. Nirgendwo in der Bibel steht etwas über Frauenbeschneidung", so Berhaneyesus Souraphiel, Erzbischof von Addis Abeba in Äthiopien. Laut Selasini sind es vor allem Naturreligionen, die eine Beschneidung fordern und argumentieren, nur so könne die Frau in die Gemeinschaft aufgenommen werden. UN-Organisationen betonen in diesem Zusammenhang, auch Kultur und Tradition könnten niemals Gewalt gegen Menschen rechtfertigen. Zudem sei keine Kultur festgefroren, sondern müsse sich anpassen.

Das Netzwerk NAFGEM arbeitet seit 15 Jahren mit Gemeinden in den Regionen Kilimandscharo und Manyara zusammen, um die Genitalverstümmelung abzuschaffen. Die Organisation betreibt drei Camps für Mädchen, die dem Ritual entkommen sind und jetzt die Schule besuchen. Außerdem will NAFGEM das Heiratsalter anheben - etwa indem jungen Frauen ein eigenes Einkommen ermöglicht wird.

Aufklärung über das Ritual und Gesetze

"Die meisten Tansanier verstehen jetzt, dass FGM illegal ist", sagt Grace Uwizeye, Programmkoordinatorin bei Equality Now, einer Partnerorganisation des Netzwerks. "In Schulen und Gemeinden schaffen wir Bewusstsein - sowohl über das Gesetz als auch für die Gefahren." In Manyara konnte die Zahl beschnittener Mädchen den Angaben zufolge seit 2010 um 13 Prozent gesenkt werden. Damit entstünden jedoch neue Probleme: Weil die Aufklärung in den Schulen so gut funktioniere, nähmen Beschneider jetzt zunehmend jüngere Mädchen ins Visier - auch Babys.

Markus Schönherr
(KNA)

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