Erdbeben-Unglück in Italien: Ein Mann weint vor einem Sarg
Erdbeben-Unglück in Italien: Ein Mann weint vor einem Sarg
Beerdigung für die Opfer des Erdbebens in Italien
Beerdigung für die Opfer des Erdbebens in Italien

27.08.2016

Italien nimmt Abschied von Erdbebenopfern "Verliert nicht den Mut"

Es ist der Tag der Trauer in Italien. Landesweit wehen die Flaggen auf halbmast. In Ascoli Piceno gedenkt das Land bei einem Staatsbegräbnis der vielen Toten des jüngsten Erdbebens.

Mit einer bewegenden Trauerfeier hat sich die italienische Region Marken von den 49 Toten des Erdbebens verabschiedet. An dem Gottesdienst am Samstagvormittag in einer Sporthalle in Ascoli Piceno nahmen Hunderte Angehörige und Freunde der Opfer teil, unter ihnen viele, die bei dem Beben am Mittwoch verletzt worden waren. Der Feier unter Leitung von Bischof Giovanni D'Ercole wohnten auch Staatspräsident Sergio Mattarella und Ministerpräsident Matteo Renzi bei, ferner die Präsidenten von Senat und Abgeordnetenhaus, Pietro Grasso und Laura Boldrini.

Vor den Särgen weinten viele, umarmten und trösteten sich. Bischof D'Ercole nannte die Trauernden und Geschädigten des Bebens "eine einzige Familie". Sie sollten keine Angst zu haben, ihr Leiden hinauszuschreien, sagte er; "aber ich bitte euch, verliert nicht den Mut". Gemeinsam würden sie ihre Häuser und Kirchen "aus den Trümmern des Todes" wieder aufbauen. Er mahnte die Menschen, im Glauben weiterzugehen, "die Füße auf dem Boden, den Blick in den Himmel".

35 Särge aufgebahrt

In der Halle waren die Särge von 35 Todesopfern aufgebahrt. Für die übrigen hatten die Angehörigen bereits privat Beerdigungen organisiert. Das Kruzifix über dem Altar war aus einer zerstörten Kirche in Arquata del Tronto geborgen worden. In dem Ort hatten Rettungskräfte ein fünfjähriges Mädchen rund 16 Stunden nach dem Beben lebend unter den Trümmern gefunden; ihre vier Jahre ältere Schwester war tot. Das Schicksal der Kinder bewegte Italien.

Vor der Messe hatte Staatspräsident Mattarella das besonders schwer getroffene Amatrice besucht. Am Samstagmorgen flog er in den Apennin-Ort, um mit Überlebenden zu sprechen und Helfern zu danken. Anschließend traf er in der Gemeinde Accumoli weitere Erdbebenopfer. Als er zu dem Gottesdienst in Ascoli eintraf, wurde er als einziger der Politiker mit Applaus begrüßt.

Staatstrauer am Samstag

Die Zahl der Todesopfer des Beben bezifferte der italienische Zivilschutz am Samstagmittag mit 290, die der Verletzten mit 388. Allein in Amatrice und den zugehörigen Weilern starben 224 Menschen, 11 in Accumoli und 49 in Arquata del Tronto. Für den Samstag war in Italien Staatstrauer ausgerufen. Flaggen an öffentlichen Gebäuden wurden auf Halbmast gesetzt. Das Gedenken für die Toten in Amatrice ist für Dienstagabend geplant. Dazu werden wiederum Mattarella und Renzi erwartet.

Untersuchungen wegen Bauvorschriften

Die Staatsanwaltschaft in der italienischen Provinz Rieti untersucht, ob in der Erdbebenregion gegen Bauvorschriften verstoßen wurde. "Was da passiert ist, kann nicht nur als Unglück gesehen werden", zitierte die Tageszeitung "La Repubblica" den Staatsanwalt Giuseppe Saieva.

Bei einigen der zerstörten Häuser sei "mit mehr Sand als Zement" gebaut worden. Vor allem der Einsturz einer erst kürzlich renovierten Grundschule in Amatrice hatte Aufsehen erregt. Bisher seien aber keine Verdächtigen identifiziert worden.

 

(KNA, dpa)

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