Gedenkstätte für die Opfer der Flugzeugkatastrophe in Haltern
Gedenkstätte für die Opfer der Flugzeugkatastrophe in Haltern

19.10.2015

Haltern ein halbes Jahr nach der Flugzeug-Katastrophe Stadt und Gymnasium suchen Weg zur Normalität

Bundeskanzlerin Merkel kommt: Auch sechs Monate nach dem Absturz der Germanwings-Maschine ist in Haltern die Erinnerung an das Unglück wach, bei dem 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des örtlichen Gymnasiums starben.

Noch immer schmückt ein Trauerflor die Ortsschilder von Haltern am See. Auch über sechs Monate nach dem Absturz der Germanwings-Maschine, der 16 Halterner Schüler und zwei Lehrerinnen das Leben kostete, ist der Verlust in dem westfälischen Ort sofort spürbar. "Quasi täglich werden im Fürbittbuch der Gemeinde Einträge hinterlassen, die von nah und fern Mitgefühl zeigen", sagt der katholische Pfarrer Martin Ahls, der gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Familien der Opfer betreut.

Ahls achtet darauf, die Stimmung in der Stadt in seine alltägliche Arbeit aufzunehmen. Das Wallfahrtskreuz, das in den ersten zehn Tagen eine der zentralen Anlaufstellen der Trauernden war, wurde auch im September bei der großen Kreuztracht, einer traditionellen Prozession, wieder mit genau 18 Kerzenleuchtern geschmückt.

Am Gymnasium ist wieder lauter geworden

Am Joseph-König-Gymnasium, das von dem Unglück besonders stark betroffen war, wird auf dem Schulhof inzwischen wieder gelärmt. "Es muss völlig normal werden, dass die verstorbenen Schüler und Lehrerinnen bei uns dazugehören", sagt Schulleiter Ulrich Wessel. 18 japanische Kirschbäume hat das Gymnasium auf dem Hof gepflanzt und eine Erinnerungstafel mit den Namen der Verstorbenen angebracht. Dem Schulleiter ist es wichtig, das Gedenken an die verstorbenen Jugendlichen und Lehrerinnen in den Schulalltag zu integrieren.

So sind Bänke bei den Fotos der Toten in der Eingangshalle des Gymnasiums platziert worden. Sie sollen die Schüler einladen, sich zu setzen und ins Gespräch zu kommen. Ein Andachtsraum wurde eingerichtet, in dem die Bilder der Verstorbenen ausliegen und ein Kondolenzbuch durchgeblättert werden kann. "Das wird auch die nächsten zwei Jahre so bleiben", sagt Wessel. Er weiß, dass die Geschichte der Schule auf Dauer mit der Katastrophe verknüpft ist.

Und er wird sich mit seinen Schülern immer wieder an sie erinnern. Zum Beispiel, wenn sich das Unglück im März nächsten Jahres zum ersten Mal jährt oder wenn der betroffene Jahrgang in anderthalb Jahren sein Abitur macht.

Bundeskanzlerin Merkel kommt nach Haltern

Für die Schule wie für die Öffentlichkeit wird die Katastrophe schon an diesem Dienstag erneut präsent werden, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Haltern mit den Schülern und den Eltern ins Gespräch kommen will. Es sei gut für die Trauernden, dass der Verlust noch einmal von der Politik in den Blick genommen wird und das bisher Geschehene reflektiert wird, sagt die Gelsenkirchener Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper. "Der Besuch darf aber kein Mitleidsbesuch werden." Die Pädagogin hofft, dass die Kanzlerin den Betroffenen ihren Respekt zeigt - dafür, dass sie sich mit ihrer Trauer auseinandersetzen.

Trauerbegleiter noch aktiv

Zwei Gruppen für hinterbliebene Geschwister und Freunde leiten die Trauerbegleiterin und ihre Kollegen in Haltern. "Die Halterner konnten zu Beginn gar nicht glauben, dass das Geschehene wahr war", sagt Schroeter-Rupieper. Sie hat deswegen Jugendliche aus der Gegend in die Gruppen geholt, die frühere Todesfälle verarbeiten und den betroffenen Geschwistern zeigen können: "Trauer ist normal. Und man kann lernen, mit ihr zu leben."

Zum Beispiel, indem sie den Jugendlichen Fragen stellt, die sie sonst nicht gestellt bekämen. Oder indem sich die Jugendlichen mit Geistlichen zusammensetzen und von diesen erfragen: "Wie geht ihr mit Trauer um?" Dass das in jedem Fall anders aussehen kann, weiß die Trauerberaterin. "Man darf Trauer nicht bewerten", sagt Schroeter-Rupieper. Aber ins Gespräch darüber kommen, das müsse man, und zwar immer wieder.

Für das Gymnasium ist das Unglück auch ein Neuanfang. In den Herbstferien war der Schulleiter an der Absturzstelle in Frankreich und hat sich mit Kollegen vom Gymnasium vor Ort beraten. Die Kontakte zwischen den Jugendlichen sollen verstärkt werden, vielleicht wird es sogar einen Schüleraustausch geben. "Diese Katastrophe hat zwischen der Gemeinde in Frankreich und unserem Ort ein Band geknüpft", sagt Wessel.

Ricarda Breyton
(KNA)

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 18.11.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Diasporasonntag - Junge isländische Kirche auf katholisch
  • Trauer einer Mutter - Käthe Kollwitz und der 1. Weltkrieg
07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Welttag der Armen - Misereor Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel
  • Leben für den Friedhof - Das Berliner Friedhofs-Café finovo
  • Kölner Oper wird UNICEF-Pate
10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Welttag der Armen - Misereor Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel
  • Leben für den Friedhof - Das Berliner Friedhofs-Café finovo
  • Kölner Oper wird UNICEF-Pate
12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Welttag der Armen - Misereor Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel
  • Leben für den Friedhof - Das Berliner Friedhofs-Café finovo
  • Kölner Oper wird UNICEF-Pate
18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

  • "Guter Klang ist alles!" - Interview mit dem Barockgeiger Florian Deuter
  • Geistliche Musik von Christoph Grauper und Max Reger
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • heller Himmel
    18.11.2018 07:20
    WunderBar

    Es ist nicht alles zum heulen

  • Markusevangelium
    18.11.2018 07:50
    Evangelium

    Mk 13,24–32

  • Cluny im Winter 2008.
    18.11.2018 09:20
    Anno Domini

    Odo von Cluny: Eine Größe sein...

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen