Theologe und Sozialethiker Matthias Gillner
Theologe und Sozialethiker Matthias Gillner

Dr. Matthias Gillner ist kath. Theologe und Sozialethiker. Seit 1999 ist er Dozent für Katholische Sozialethik am Fachbereich Human- und Sozialwissenschaften der Führungsakademie der Bundeswehr. Seit April 2016 ist er Lehrbeauftragter für Christliche Sozialwissenschaft und Moraltheologie an der Universität Hamburg.

Bundeswehrsoldaten beim Appell
Bundeswehrsoldaten beim Appell

12.05.2017

Katholischer Ausbilder über rechtsradikale Umtriebe in der Bundeswehr "Streitkräfte ziehen diese Menschen immer an"

Terrorverdacht, Misshandlungen, rechtsradikale Umtriebe und Verherrlichung der Wehrmacht - was ist los bei der Bundeswehr? Der katholische Theologe Matthias Gillner von der Führungsakademie der Bundeswehr mit einer alarmierenden Wasserstandsmeldung.

domradio.de: Sie unterrichten Angehörige des Militärs, die in ihrem Beruf Entscheidungen treffen müssen, die auch mit der Ausübung von Gewalt zu tun haben. Wie ist das für Sie als katholischer Theologe? Da ist doch der Grad zwischen christlichen Werten und Soldat-Sein recht schmal.

Dr. Theol. Matthias Gillner (Führungsakademie der Bundeswehr): Natürlich. Die Gewaltlosigkeitsorientierung in der Heiligen Schrift muss immer beachtet werden. Auf der anderen Seite steht natürlich auch die Aufgabe des Staates, die Menschen zu schützen, sowohl nach innen durch Polizei, als auch nach außen durch die Streitkräfte. Insofern kommt natürlich das Gewaltslosigkeitsideal manchmal in Konflikt mit der Pflicht zum Schutz.

domradio.de: Als katholischer Theologe und Sozialethiker unterrichten Sie die Spitzenkräfte der Bundeswehr. Welche ethischen Aspekte werden da angesprochen?

Gillner: Wir unterrichten vor allem die künftigen Stabsoffiziere und Generalstabsoffiziere in einem engen berufsethischen Rahmen. Es wird konkret angesprochen, wie die Soldaten in ihren Einsätzen zu handeln haben. Wir lehren aber auch die Friedensethik, die politische Ethik, denn der Offizier ist ja auch ein Soldat für den Frieden durch das Konzept der Inneren Führung.

domradio.de: Wie überrascht waren Sie von den aktuellen Vorwürfen? Ist Ihnen so etwas in der Vergangenheit auch schon mal zu Ohren gekommen?

Gillner: Wir wissen natürlich, dass wir rechtsradikale Soldaten haben. Da muss immer drauf geachtet werden. Die Streitkräfte ziehen diese Menschen immer an! Wir wissen auch, dass die Kontrolle nicht immer funktioniert. Insofern überrascht mich dieser Fall nicht. 

domradio.de: Kommen wir mal zu den aktuellen Vorfällen. Bundesverteidigungsministerin von der Leyen hatte zunächst von einer "Führungsschwäche" und einem "Haltungsproblem" in der Bundeswehr gesprochen. Bei Ihnen sitzen ja gerade die Führungspersönlichkeiten von morgen. Wie haben die reagiert?

Gillner: Sie waren überrascht und entäuscht, vor allem über die pauschale Verurteilung. Aber man muss dennoch aus diesen Fällen lernen und genau schauen, was passiert ist. Warum wurde nichts gemeldet? Ist die Trennlinie zwischen Kameradschaft und Kameraderie - also falsch verstandener Kameradschaft - immer richtig gezogen? Gibt es Ängste sich zu melden aus Angst vor Konsequenzen? Da gibt es einiges abzuarbeiten.

domradio.de: Der Vorwurf, in der Bundeswehr würde das NS-Erbe nicht richtig aufgearbeitet werden, kam schon oft auf. Wie schätzen Sie das ein?

Gillner: Das ist ein Problem seit Gründung der Bundeswehr. Das sehen wir schon an den Schwierigkeiten bei der Umbennenung von Kasernen von Generälen der Wehrmacht und der Reichswehr. Da gibt es auch politische Widerstände und in den Streitkrfäten selber gibt es Tendenzen, die immer wieder versuchen, an die Tradition der Wehrmacht anzuknüpfen. Das ist aber mit dem Konzept der Inneren Führung schlichtweg nicht zu vereinbaren.  

domradio.de: Die ethische Ausbildung in der Bundeswehr ist doch seit 2009 ein verpflichtendes Fach. Können Sie beurteilen, ob das denn auch überall umgesetzt worden ist?

Gillner: Wir haben da lange für gekämpft! Ob das aber flächendeckend durchgesetzt wurde an den Truppenschulen, das wage ich zu bezweifeln. 

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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