Sörensen: "Es ist wichtig, darüber zu reden."
Symbolbild Missbrauch, Schatten eines Kreuzes

06.01.2021

Missbrauchsbetroffene beenden Zusammenarbeit mit Bistum Münster "Keinerlei Möglichkeiten, sich miteinander abzusprechen"

Selbsthilfegruppen für Betroffene von sexuellem Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche haben ihre Zusammenarbeit mit dem Bistum Münster aufgekündigt. Die Diözese wolle sich nicht an getroffene Abmachungen halten.

Das erklärten die Gruppen aus Münster und Rhede am Mittwoch.

Konkret geht es um die Frage, wie Betroffene an der Missbrauchsaufarbeitung im Bistum beteiligt werden können. Im Oktober wurde laut den beiden Gruppen vereinbart, dass alle dem Bistum bekannten Missbrauchsopfer zu einem ersten Vernetzungstreffen schriftlich eingeladen würden. Dann habe die Diözese jedoch entschieden, nur noch diejenigen einzuladen, die auch bei einem Betroffenenbeirat - einem Gremium des Bistums - mitmachen wollen. Zudem sollte es keine persönlichen Anschreiben, sondern einen allgemeinen Aufruf in den Medien geben.

"Wenn ich nur die einlade, die Interesse haben, dann ist klar, dass die kein Mandat für alle Betroffenen haben", kritisierte der Sprecher der Münsteraner Gruppe, Antonius Kock, gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Adressen der bekannten Betroffenen lägen nur dem Bistum vor. Für einen Austausch und eine Vernetzung seien die Gruppen also auf die Diözese angewiesen. Seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals im Jahr 2010 hätten die Betroffenen "keinerlei Möglichkeiten, sich miteinander abzusprechen".

Organisation der Betroffenen unabhängig von Diözese

Der Interventionsbeauftragte des Bistums, Peter Frings, sprach hingegen von einem Dilemma. "Es gibt Betroffene, die keine Post vom Bistum erhalten wollen und jeden Kontakt mit der Kirche ablehnen", heißt es in einer Stellungnahme. "Wir können diesen Wunsch nicht einfach übergehen." Zudem hätten Gespräche mit den Selbsthilfegruppen aus Münster und Rhede gezeigt, dass es für Betroffene eine Zumutung sein könne, sich um einen Sitz in einem Beteiligungsgremium formal bewerben zu müssen. "Diesen Hinweis haben wir ernst genommen und möchten ihn umsetzen."

Das Bistum strebe eine breite, selbstorganisierte und unabhängige Beteiligung von Betroffenen an. Sie sollen sich "völlig unabhängig" von der Diözese organisieren, es würden hier keine Vorgaben gemacht. Das Bistum habe auch nie geäußert, das ein Betroffenenbeirat gegründet werden müsse.

"Unsere Überlegung ist die, öffentlich über die Medien alle Betroffenen einzuladen, wenn sie das möchten, sich in die Aufarbeitung einzubringen", erklärte Frings. Eine derartige öffentliche Ausschreibung sei zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, verbindlich festgelegt worden.

Angebot zur Zusammenarbeit bleibt bestehen

Noch im Januar will die Diözese laut Frings zusammen mit Betroffenen besprechen, wie ein öffentlicher Aufruf aussehen könne. "Das Angebot zur Zusammenarbeit an die beiden Selbsthilfegruppen bleibt bestehen."

Die Diözese lässt derzeit von Forschern an der Universität Münster untersuchen, wie frühere Bistumsverantwortliche mit Missbrauchsfällen umgingen. An der Aufarbeitung sollten auch Betroffene beteiligt werden. In anderen Diözesen gibt es bereits sogenannte Betroffenenbeiräte, zum Beispiel in Köln und Würzburg. Kock kritisierte, dass die dortigen Vertreter von den Bischöfen ausgewählt worden seien. "Das sollte bei uns in Münster anders sein."

Anita Hirschbeck
(KNA)

Bischöfe im Advent

Mit DOMRADIO.DE durch den Advent: Jeden Tag ein Impuls eines deutschen Bischofs.

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Tageskalender

Radioprogramm

 05.12.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

16:00 - 18:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

16:00 - 18:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Himmelklar Podcast

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…