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Christen in Indonesien unter Druck
Muslime in Indonesien
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20.08.2020

Missbrauchsfälle in indonesischen Kirchen und Islamschulen Ein Eisbergphänomen?

Der Missbrauchsskandal hat Indonesien erreicht. Immer mehr Fälle werden bekannt. Betroffen sind die katholische Kirche, aber auch islamische Einrichtungen. Die Regierung reagiert dennoch zurückhaltend.

In Indonesien schreibt ein Missbrauchsfall in einer katholischen Gemeinde Geschichte: Erstmals überhaupt hat die Polizei des Landes in einer katholischen Gemeinde ermittelt und einen mutmaßlichen Täter verhaftet. 20 Ministranten soll der 42 Jahre alte Messdienerbetreuer von St. Herkulanus im Bistum Bogor missbraucht haben. Auch das Bistum hat laut Azas Tigor Nainggolan, Anwalt der betroffenen Familien, Ermittlungen eingeleitet.

Ein Eisbergphänomen?

Der Missbrauch in St. Herkulanus war jedoch nicht der erste entsprechende Fall, der öffentlich wurde. Laut dem Report "Sexueller Missbrauch in indonesischen Kirchen: Ein Eisbergphänomen?" wurden 56 Menschen Opfer von Missbrauch in katholischen Seminaren und Einrichtungen.

Pater Joseph Kristanto, Sekretär der Kommission für Seminaristen der katholischen Bischofskonferenz, bestätigte gegenüber dem katholischen Pressedienst Ucanews den im November 2019 von einem kirchlichen Medium erstmals veröffentlichten Bericht. 21 Seminaristen und Brüder, 20 Nonnen und 15 Laien seien von 33 Priestern und 23 Laien missbraucht worden. Kristanto kündigte die Einführung von Standards zum Umgang mit solchen Fällen durch die Bischofskonferenz an.

Jakartas Erzbischof Kardinal Ignatius Suharyo hingegen tadelte Kristanto scharf für seine Offenheit. Der Report sei ihm nicht bekannt und er bezweifele dessen "Authentizität" sagte Suharyo bei seiner Weihnachtspressekonferenz 2019. Gleichzeitig verurteilte er die Veröffentlichung der Zahlen von Missbrauchsopfern sowie die öffentliche Diskussion darüber als "schwere ethische Verfehlung" und "Bruch der pastoralen Vertraulichkeit".

Warnung vor Vertrauensverlust

Der Franziskaner Peter C. Aman wiederum, Dozent für Moraltheologie an der katholischen Driyarkara School of Philosophy, nannte gegenüber Ucanews die Missbrauchsfälle "eindeutig eine Schande, die der Kirche schadet". Pater Aman warnte vor einem Vertrauensverlust der Kirche, wenn sie keine "ernsthaften" Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen ziehe.

Die Amtskirche reagiert also ambivalent auf die Missbrauchsfälle und oft nach den aus anderen Ländern bekannten Mustern. Wie in Bogor werden Fälle hinter verschlossenen Türen verhandelt und Täter einfach auf andere Posten versetzt. "In manchen Diözesen und Gemeinden weigern sich viele Priester noch immer, Missbrauchsfälle aufzudecken", sagt Justina Rostiawati gegenüber KNA. Die Vorsitzende der Organisation "Katholische Frauen in Indonesien" weiß aber auch, dass "viele katholische Laien Fehlverhalten von Priestern decken".

Kardinal Ignatius Suharyo nimmt Rostiawati jedoch vor seinen Kritikern in Schutz: "Ich weiß, dass der Erzbischof sich wirklich um die Opfer sorgt. Er will nur nicht zu unüberlegten Entscheidungen gedrängt werden."

Investigative Recherchen

Auch die "Jakarta Post" beteiligt sich mit einer größeren investigativen Recherche an der Aufarbeitung kirchlicher Missbrauchsfälle. Am 11. August etwa berichtete Evi Mariani unter der Überschrift "Für die katholische Kirche ist es an der Zeit zu entscheiden, auf welcher Seite sie steht" in der Zeitung über die Schwierigkeiten, denen sie und ihre Kollegen sich bei ihrer Recherche gegenübersahen. Gemeinden, Priester, Bischöfe würden bei dem Thema mauern, obwohl der Vatikan gerade ein Handbuch für die Handhabung von Missbrauchsfällen veröffentlicht habe.

"Weltweit sind einige Vertreter von Opfern sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche immer noch der Meinung, dass die Politik des Vatikan in Bezug auf sexuellen Missbrauch nicht ausreicht. Im Fall der indonesischen katholischen Kirche wurden jedoch auch diese 'unzureichenden' Maßnahmen nicht umgesetzt", schreibt Mariani. Es gebe einige Ausnahmen, wie die Zusage der Jesuiten, Verfahrensstandards für den Umgang mit Missbrauchsfällen zu erarbeiten und dabei auch Frauen und Laien einzuschließen, schrieb Mariani, fügte aber hinzu: "Insgesamt haben die Veränderungen im Vatikan die indonesisch-katholische Kirche jedoch noch nicht erreicht."

Missbrauchsfälle auch in Islamschulen

Es ist sicherlich kein Trost für die Kirche, dass in Indonesien in jüngerer Vergangenheit immer häufiger sexuelle Missbrauchsfälle auch in Islamschulen öffentlich wurden. Erst Anfang August wurde in Makassar auf Sulawesi ein 55 Jahre alter Lehrer einer Koranschule wegen des sexuellen Missbrauchs von Mädchen angezeigt. Wenige Tage zuvor war der Fall des 52-jährigen Leiters einer islamischen Internatsschule in Banten bekannt geworden, der mindestens 15 Mädchen vergewaltigt haben soll.

Die katholischen und islamischen Missbrauchsfälle sind freilich nur die Spitze des Eisbergs. Sexueller Missbrauch findet in allen gesellschaftlichen Bereichen im mehrheitlich muslimischen Indonesien statt. 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren haben laut Experten körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt erlebt. Missbrauchsopfer gehen aber aus Furcht vor sozialer Stigmatisierung meist nicht an die Öffentlichkeit. Sie werden abgeschreckt von Fällen, in denen letztlich Opfer und nicht Täter vor Gericht landeten und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

Laut der "Nationalen Kommission zum Schutz von Kindern" ist Indonesien zudem ein "Paradies für Pädophile". Der Politik wirft die Kinderschutzkommission Versagen bei dem Schutz von Kindern vor. Ein Gesetzentwurf gegen sexuelle Gewalt wurde im Juli von der Prioritätenliste des Parlaments gestrichen. Grund: "zu kompliziert".

Mehr als 1250 Frauenorganisationen, Kinderschützer und Missbrauchsopfer hatten innerhalb von 24 Stunden nach Bekanntwerden der Vertagung eine Protesterklärung unterzeichnet. Darin hieß es: "Das Phänomen der sexuellen Gewalt existiert noch immer in Indonesien und die Fallzahlen steigen kontinuierlich. Es gibt (aber) noch immer keine Gesetze und Regeln, die Opfern einen umfassenden Schutz bieten."

Michael Lenz
(KNA)

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