Missbrauchsbeauftragter fordert Akteneinsicht für Betroffene
Symbolbild Akten
Oliver Vogt (Interventionsbeauftragter im Erzbistum Köln)
Oliver Vogt (Interventionsbeauftragter im Erzbistum Köln)

12.11.2019

Kölner Interventionsbeauftragter zu neuen Missbrauchsfällen "Stehe fassungslos vor dieser Tatsache"

Kaum vorstellbar: Ein mehrfach wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen vorbestrafter Priester des Erzbistums Köln konnte über Jahrzehnte weiter als Priester in mehreren Bistümern arbeiten. Wie reagiert das Erzbistum auf die Erkenntnisse?

DOMRADIO.DE: Was ist das genau für ein Fall, der da heute bekannt wurde?

Oliver Vogt (Sozialwissenschaftler, Leiter des Instituts für Prävention und Aufarbeitung (IPA) von sexualisierter Gewalt in Lantershofen und bis Ende des Jahres Interventionsbeauftragter des Erzbistums Köln): Wir haben Kenntnis von einem Vorfall, in den ein Pfarrer des Erzbistums Köln involviert ist, der in den Jahren ab 1960 wegen mehrerer Missbrauchsfälle zweimal zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden ist. Und dieser Pfarrer ist aus mir nicht erklärlichen Gründen weiterhin trotz dieser Gefängnisstrafen, die einschlägig waren, weiterhin in den Diözesen Köln, Münster und Essen eingesetzt worden.

DOMRADIO.DE: Welche Funktion hatte dieser Pfarrer in diesen Bistümern?

Vogt: Im Erzbistum Köln war er in zwei Gemeinden eingesetzt. Er wurde dann auch in den Diözesen Münster und Essen in der Gemeindeseelsorge eingesetzt.

DOMRADIO.DE: Wie ist dieser Fall jetzt bekannt geworden?

Vogt: Der Fall war uns bekannt durch die Aktenrecherche und die Übergabe der Akten an die Kanzlei. Und parallel zu unserer eigenen Recherche hat sich dann ein Zeuge im Bistum Münster gemeldet, der davon berichtet, dass er Kenntnis davon habe, dass es in einer Pfarrei möglicherweise Missbrauchsbetroffene gibt. Er hat dann den Namen dieses Pfarrers genannt. Daraufhin haben wir weitere Ermittlungen angestrengt. Wir müssen zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgehen, dass es tatsächlich weitere Betroffene gibt. Wir haben uns deshalb entschieden, heute diesen Fall zu veröffentlichen, weil es uns um die Betroffenen geht. Wir möchten, dass sich die Betroffenen bei uns melden.

DOMRADIO.DE: Sie haben es erwähnt. Der Mann ist zweimal verurteilt worden. 1972 wegen "fortgesetzter Unzucht mit Kindern und Abhängigen" zu einer Haftstrafe, 1988 wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen zu einer Bewährungsstrafe. Trotzdem wirkte er über Jahrzehnte weiter als Priester in mehreren Bistümern. Wie ist so etwas möglich? Wie kann man das jemandem erklären, der jetzt große Fragezeichen hat? Wie den Opfern?

Vogt: Das ist für mich ein Fall, der nicht erklärbar ist. Ich stehe fassungslos vor dieser Tatsache. Ich kann nicht nachvollziehen, wie es dazu kommen konnte, dass die Verantwortlichen in den Diözesen die Brisanz in diesem Fall nicht erkannt und dafür gesorgt haben, dass dieser Pfarrer nie mehr in der Seelsorge mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt wird. Sie haben große Schuld auf sich geladen und den Täterschutz und das Ansehen der Institution über den Schutz der Betroffenen gestellt. Ich kann das nicht erklären. Das ist wirklich das Bedrückende an diesem Fall, dass wir durch das Nichthandeln davon ausgehen müssen, dass weitere Betroffene sexuellen Missbrauch erleiden mussten. 

DOMRADIO.DE: Sie haben die Verantwortlichen angesprochen. Es gibt diese Untersuchungen von der unabhängigen Anwaltskanzlei. Wird denn bekannt gegeben, wer da was wusste und nicht gehandelt hat?

Vogt: Ja, das wird es. Das ist ein ganz klarer Auftrag an diese Untersuchung, die übrigens nach Bekanntwerden dieses Falls auch die Akten der Diözesen Münster und Essen bekommen hat. Im Frühjahr, wenn der Bericht dieser Kanzlei vorgestellt wird, werden auch die Verantwortlichen benannt. Und dann wird man sehen, wie sie sich zu diesen Fragen verhalten.

DOMRADIO.DE: Das Erzbistum Köln geht seit langer Zeit sehr offensiv mit solchen Fällen um. Wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ist es Ihrer Meinung nach, dass heute noch sowas passiert? Dass ein Priester, der sexualisierte Gewalt ausgeübt hat, einfach in ein anderes Bistum versetzt wird und weiter als Seelsorger tätig sein kann?

Vogt: Da kann ich für das Erzbistum Köln ganz sicher sagen: Das wird nicht mehr passieren. Da lege ich meine Hand für ins Feuer. Ich kann das nicht für alle Diözesen sagen, weil ich die Verfahren nicht überall kenne. Aber in unserem Erzbistum sind die Verfahren so klar und konsequent, dass eine Versetzung und ein weiterer Einsatz in der Kinder- und Jugendarbeit oder Jugendseelsorge nicht mehr in Frage kommt.

Das Interview führte Martin Mölder.

(DR)

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