Kardinal George Pell
Kardinal George Pell

21.08.2019

Kardinal Pell bleibt wegen Missbrauchs in Haft Sechsjährige Haftstrafe bestätigt

Der australische Kardinal George Pell bleibt wegen sexuellen Missbrauchs in Haft. Das Oberste Gericht des Bundesstaats Victoria wies die Berufung zurück. Der Vatikan hat das Urteil anerkannt. Pell könnte aber noch eine letzte Berufung einlegen.

In dem Berufungsverfahren sahen es die Richter mit zwei zu eins Stimmen als weiter erwiesen an, dass Pell 1996 als Erzbischof von Melbourne einen 13 Jahre alten Chorknaben missbrauchte und einen anderen belästigte. Eine Geschworenen-Jury hatte den katholischen Geistlichen im Dezember 2018 für schuldig befunden.

Im ersten und wesentlichen der insgesamt drei Berufungsgründe hätten die drei Richter mit der Mehrheit von 2:1 die Berufung abgelehnt, sagte die Vorsitzende Richterin Anne Ferguson in der vom Gericht am Mittwoch live im Internet übertragenen Urteilsverkündung. Kardinal Pell, 78, war im Gerichtssaal anwesend. Gleich nach der mündlichen Verlesung des Urteils und einer knappen Zusammenfassung der Gründe wies Richterin Ferguson die Justizvollzugsbeamten an, den Kardinal wieder ins Gefängnis zu bringen.

Der Vatikan hat das Berufungsurteil gegen den australischen Kardinal George Pell anerkannt. Gleichzeitig erinnere man daran, dass Pell sich während des gesamten bisherigen Verfahrens für unschuldig erklärt habe, heißt es in einer am Mittwochmorgen verbreiteten Erklärung des vatikanischen Pressesprechers Matteo Bruni. Auch habe der Kardinal weiterhin das Recht, beim Obersten Gericht Australiens in Berufung zu gehen.

"Ich nehme die Entscheidung mit Respekt an"

Mit Betroffenheit haben die katholischen Erzbischöfe von Sydney und Melbourne auf die Bestätigung der Verurteilung reagiert. "Ich weiß, dass es unter den Katholiken und darüber hinaus viele gibt, die Schwierigkeiten haben werden, sich mit diesem Urteil abzufinden", heißt es in eine am Mittwoch veröffentlichten Erklärung des Erzbischofs von Sydney, Anthony Fisher.

Über den "Status des Kardinals in der Kirche" könne nur der Vatikan entscheiden, so der 59-jährige Fisher und fügte hinzu: "Ich gehe davon aus, dass der Heilige Stuhl damit warten wird, bis die Berufungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind."

Der Erzbischof von Melbourne, Peter Comensoli, rief dazu auf, das Urteil zu akzeptieren. "Ich nehme die Entscheidung des Gerichts mit Respekt an und ermutige jeden, das gleiche zu tun", betonte Comensoli. Der 55-Jährige fügte hinzu: "In christlicher Nächstenliebe werde ich sicherstellen, dass Kardinal Pell bei der Verbüßung seiner Haftstrafe gemäß der Lehre und dem Vorbild Jesu pastorale und spirituelle Unterstützung erhält."

Von einer Jury für schuldig befunden

Der ehemalige Erzbischof von Melbourne und Sydney, der von 2013 bis 2018 das vatikanische Wirtschaftssekretariat leitete, ist der bisher höchste katholische Würdenträger, der von einem weltlichen Gericht wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde. Eine Stellungnahme der Katholischen Bischofskonferenz zu dem Berufungsurteil lag bisher noch nicht vor.

Pell war im Dezember 2018 von einer Jury für schuldig befunden worden, als Erzbischof von Melbourne einen der beiden Chorknaben zum Oralverkehr gezwungen und das zweite Opfer sexuell belästigt zu haben. Im März 2019 verurteilte ein Richter den Kardinal dafür zu sechs Jahren Haft, von denen Pell mindestens drei Jahre und acht Monate absitzen muss, bevor er auf Bewährung entlassen werden kann.

"Sehr erleichtert"

Der Kardinal hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und seine Anwälte wegen der aus ihrer Sicht zu dünnen Beweislage Berufung eingelegt. Auch gegen die Bestätigung des Urteils ist eine letzte Berufung vor dem Obersten Gericht Australiens möglich. Vivian Waller, Anwältin des Missbrauchsopfers, sagte in australischen Medien, ihr Mandant sei über die Entscheidung "sehr erleichtert".

Sowohl sie als auch alle anderen am Verfahren beteiligten Juristen wollten die schriftliche Urteilsbegründung "sehr sorgfältig" lesen. "Mir wurde gesagt, sie sei 300 Seiten lang. Die vollständige Prüfung der Urteilsbegründung zu prüfen, wird etwas Zeit in Anspruch nehmen", sagte Waller. Pells Anwalt sagte gegenüber australischen Medien, sein Mandant habe nun 28 Tage Zeit, um vor dem Obersten Gericht gegen die Entscheidung vorzugehen.

Nicht "zweifelsfrei" möglich

Im ersten und wichtigsten Berufungsgrund hatten die Anwälte Pells die Glaubwürdigkeit des Missbrauchsopfers in Zweifel gezogen. Darüber hinaus sei die Verurteilung von Pell einzig auf Grund der Aussage des Betroffenen nicht "zweifelsfrei" möglich gewesen. Die drei Richter wiesen diese Einlassung mit 2:1 Stimmen zurück. Zudem betonte Richterin Ferguson mit Verweis auf die weltweite Medienberichterstattung über die Ermittlungen und Anklagen gegen Pell: "Es ist wichtig, von Anfang an zu betonen, dass die Verurteilung des Kardinals nur auf den fünf ihm zur Last gelegten Taten beruht. Er wird nicht zum Sündenbock für vermeintliches Versagen der katholischen Kirche noch für Versagen im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch durch andere Kleriker gemacht."

Australiens Regierung lehnte eine Kommentierung des Urteils mit Verweis auf "die Unabhängigkeit der Justiz" und die Berufungsoption ab. "Unsere Gedanken sind in dieser unglaublich schwierigen Zeit bei den Opfern und ihren Familien", hieß es weiter in der Stellungnahme der Regierung.

(KNA)

Gottesdienste Kar- und Osterwoche

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste der Kar- und Osterwoche auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

Alle Übertragungen im Überblick (pdf).

Himmelklar Podcast

WBS-Weggeleit

DURCH-ATMEN - Der neue Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Podcast: Der Morgenimpuls von Schwester Katharina

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 06.04.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Wie sieht die Karwoche in Spanien aus?
  • Blutspende nach Corona-Genese
  • Die Corona-Situation in Österreich
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Wie sieht die Karwoche in Spanien aus?
  • Blutspende nach Corona-Genese
  • Die Corona-Situation in Österreich
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Spanien singt gegen die Corona-Krise
  • Was passiert bei der Chrisammesse?
  • Corona-Auswirkungen auf die Vögel
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Spanien singt gegen die Corona-Krise
  • Was passiert bei der Chrisammesse?
  • Corona-Auswirkungen auf die Vögel
18:30 - 19:30 Uhr

Gottesdienst

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Langsame Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Österreich
  • "Semana Santa" in Sevilla findet nicht statt
  • Blutspende nach Corona-Genese
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…