Bischöfe mit gefalteten Händen
Bischöfe mit gefalteten Händen
Bischof Franz-Josef Bode
Bischof Franz-Josef Bode

13.03.2019

Ein Flickenteppich von Maßnahmen gegen den Missbrauch Deutsche Bischöfe kämpfen gegen ein Monstrum

Der sexuelle Missbrauch ist für die katholischen Bischöfe wie die Hydra aus der altgriechischen Sagenwelt: Schlägt man dem Monstrum einen Kopf ab, wachsen sofort zwei neue nach. So ist es schwer, dem Dunkel zu entkommen.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat sich den Ruf eines entschlossenen Kämpfers gegen den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen erarbeitet. Mit einer spektakulären Geste im Osnabrücker Dom hat er schon im November 2010 Maßstäbe gesetzt.

In einem Bußgottesdienst bekannte er die Mitschuld der Kirche an den Missbrauchsfällen und warf sich demütig vor dem Altar nieder. In seinem Bistum hat er früher und umfassender als manch anderer Begegnungen mit den Opfern und Präventionsschulungen für Mitarbeiter eingeführt. 

Dem Dunkel entkommen

Aber auch Bode wird immer wieder vom Monstrum namens Missbrauch eingeholt. Seit er Ende des vergangenen Jahres nach langer Krankheit die Amtsgeschäfte wieder aufnahm, hat er gleich zweimal Fehler im Umgang mit Tätern einräumen müssen. Beide Fälle liegen lange zurück, und Bode hatte nach den damals üblichen Normen korrekt gehandelt.

Doch die werden heute als falsch erkannt. Zweimal hatte er in den 1990er Jahren als junger Bischof tatverdächtige Priester nicht bei der Staatsanwaltschaft angezeigt und sie nicht komplett aus dem priesterlichen Dienst entfernt. Das ganze Ausmaß der Verbrechen kommt erst jetzt, ein Vierteljahrhundert später, ans Tageslicht - und Bode muss erneut öffentlich Buße tun.

Der Fall ist typisch und zeigt, wie schwer es für die Bischöfe ist, dem Dunkel zu entkommen, das sie, wie Bode sagt, gefangen hält. Sie müssen an mehreren Fronten kämpfen und können höchstens punktuell Erfolge erzielen. 

Aufarbeitung

Da ist die Aufarbeitung der Vergangenheit. Zu ihr gehören die Begegnung mit den Opfern, öffentliche Reue-Bekundungen, Entschädigungszahlungen und der Versuch, Umfang und Ursachen der Verbrechen in Studien zu erfassen, wie dies 2013 und 2018 geschah.

Jedes dieser Elemente führt die Bischöfe erneut als Schuldige oder mindestens als Versager vor, denen es nicht gelungen ist, alle ihnen Anvertrauten zu schützen. Die Altfälle liegen wie tickende Zeitbomben in den Personalakten der Bistümer - und in den verwundeten Seelen der oft schon weißhaarigen Opfer. Die Glaubwürdigkeitsfalle ist unentrinnbar.

Ähnliches gilt für die Geldzahlungen an die Opfer. Zuerst konnte sich die Kirche rühmen, als erste Institution umfassend und unbürokratisch solche Zahlungen in die Wege geleitet zu haben. Inzwischen wird dies als "Steuergeld für Schweigegeld" kritisiert.

Prävention

Die zweite Front ist die Prävention. Die Bischöfe haben Schulungen der kirchlichen Mitarbeiter verpflichtend gemacht; das Thema gehört inzwischen selbstverständlich in die Priesterausbildung.

Verhaltensregeln wurden erlassen, die es nach menschlichem Ermessen unmöglich machen sollten, dass Missbrauch weiter vorkommt. Dennoch vermuten Fachleute, dass es weiter vereinzelt Missbrauchsfälle gibt - wenn auch in drastisch verringerter Zahl.

Intervention

Ähnlich erfolgreich ist die verbesserte Intervention. 2002 hat die Bischofskonferenz erstmals Leitlinien erlassen. Sie regeln, was ein Bischof zu tun hat, wenn ein Verdachtsfall bekannt wird. Diese Leitlinien wurden 2010 und 2013 verschärft. Inzwischen führt jede glaubwürdige Verdachtsäußerung zur vorläufigen Entfernung des Verdächtigten aus der Seelsorge.

Es ist klar geregelt, wann die Staatsanwaltschaft benachrichtigt wird und wann der Fall zudem an die höchste innerkirchliche Gerichtsstelle nach Rom überstellt wird. Was noch nicht so gut funktioniert, ist die Rehabilitierung von Geistlichen, die zu Unrecht verdächtigt wurden.

Systemische Ursachen

Die letzte heikle Front für die Bischöfe bilden die so genannten "systemischen Ursachen". Dazu zählen die priesterliche Lebensform einschließlich der Ehelosigkeit, die Verbindung von geistlicher und weltlicher Macht und der dadurch mögliche Machtmissbrauch. Ein weiteres Element ist die katholische Sexualmoral. Sie steht im Verdacht, durch strenge Verbote Menschen zum Verleugnen ihres eigentlichen sexuellen Begehrens zu bringen und damit auch Missbrauch von Minderjährigen indirekt zu fördern.

Im September 2018 haben die Bischöfe in Fulda zugesagt, sich auch mit diesen "systemischen Faktoren" zu befassen. Sie zu ändern, liegt aber nicht in ihrer Kompetenz. Denn eine Abschaffung des Zölibats, die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern oder eine Änderung der katholischen Sexualmoral kann nur der Papst oder ein Allgemeines Konzil beschließen.

Ludwig Ring-Eifel
(KNA)

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