Denkmal von Solidarnosc-Priester Jankowski umgeworfen
Denkmal von Solidarnosc-Priester Jankowski umgeworfen

21.02.2019

Danzig: Denkmal von Solidarnosc-Priester Jankowski zerstört Mit Gewalt gegen den Missbrauch

Henryk Jankowski war einer der bekanntesten Priester der Solidarnosc-Bewegung. Nach seinem Tod im Jahr 2010 widmete ihm der Danziger Stadtrat trotz Missbrauchsvorwürfen ein Denkmal. Nun wurde es aus Protest umgeworfen. 

Im polnischen Danzig haben mutmaßlich drei Männer ein Denkmal für den des Kindesmissbrauchs beschuldigten Solidarnosc-Pfarrer Henryk Jankowski (1936-2010) zerstört. Die Polizei nahm die 39, 40 und 41 Jahre alten Warschauer in der Nacht zu Donnerstag am Tatort fest, berichtete Radio Gdansk unter Berufung auf die Einsatzkräfte.

Missbrauchsvorwürfe gegen Jankowski

Die Männer hätten die an einer Straße errichtete Statue umgestoßen und auf sie ein Ministrantengewand und eine Kinderunterhose gelegt.

Im Internet hatten die Männer offenbar selbst Filmaufnahmen vom Umsturz des Denkmals veröffentlicht. Seit Monaten forderten Demonstranten regelmäßig die Entfernung der drei Meter hohen Statue, weil Jankowski Kinder missbraucht haben soll.

Im Dezember warf eine Frau dem verstorbenen Geistlichen in einem Zeitungsbericht mehrfache sexuelle Übergriffe gegen sie vor. Sie berichtete zudem von einer möglicherweise von Jankowski schwangeren Freundin, die Suizid begangen habe.

Vertrauter von Lech Walesa

Der bekannte Geistliche hatte am 17. August 1980 vor dem Haupteingang der Danziger Werft mit Tausenden streikenden Arbeitern einen Gottesdienst gefeiert und die damalige Gründung der Solidarnosc unterstützt. Fortan war er ein bedeutender Wegbereiter der Opposition gegen die kommunistische Staatsmacht und zugleich Beichtvater des Solidarnosc-Gründers und späteren Friedensnobelpreisträgers Lech Walesa.

Als Walesa von den kommunistischen Machthabern monatelang unter Hausarrest gestellt wurde, war Jankowski vorübergehend dessen Sprachrohr.

Jankowski-Mineralwasser und Parfum

2004 setzte das Erzbistum Danzig Jankowski nach antisemitischen Äußerungen und Vorwürfen des Kindesmissbrauchs als Propst der Brigitten-Kirche ab. Das Gotteshaus gilt als Solidarnosc-Kirche. Die Errichtung des Denkmals hatte der Stadtrat 2011 mit großer Mehrheit beschlossen. In den Jahren vor seinem Tod stand der Geistliche wegen der Vermarktung seines Namens in der Kritik.

Verkauft wurde unter anderem ein nach ihm benanntes Mineralwasser. Pläne für ein eigenes Parfüm, ein Mobilfunknetz sowie eine Café-Kette zog der Priester hingegen zurück.

(KNA)

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