Ist die EKD für einen Betroffenenbeirat noch nicht bereit?

Frühere Gremiumsmitglieder üben Kritik

Angesichts einer möglichen Auflösung des Betroffenenbeirats der Evangelischen Kirche in Deutschland haben frühere Mitglieder des Gremiums Kritik an der Konzeption geübt. "Die EKD ist für einen Betroffenenbeirat noch nicht bereit."

Symbolbild leerer Konferenztisch / © peterschreiber.media (shutterstock)
Symbolbild leerer Konferenztisch / © peterschreiber.media ( shutterstock )

So heißt es in einer am Montag verbreiteten Erklärung von vier Missbrauchsbetroffenen, die bereits vor längerer Zeit aus dem Beirat ausgetreten sind. Darin werfen sie der EKD vor, grundlegende Fragen zur Aufarbeitung und Bekämpfung von Missbrauch nicht geklärt zu haben. Der Beirat "sollte eine Kirche beratend begleiten, die weiß, was sie will, und die bereit ist, sich mit allen Konsequenzen auf den Weg zu machen", heißt in in der Erklärung.

Deutliche Aufstockung von Mitteln und Ressourcen

Die vier Unterzeichner schlagen darin vor, dass die EKD "für dringliche Fachfragen und Projekte, die die Expertise von Betroffenen erfordert", Experten projektgebunden und auf Honorarbasis engagieren sollte. Sie fordern darüber hinaus aber auch eine deutliche Aufstockung von Mitteln und Ressourcen zur Bekämpfung von Missbrauch in der evangelischen Kirche.

Dazu zählen sie "eine Führungspersönlichkeit mit Lenkungskompetenz", die sich hauptamtlich darum kümmern soll, dass die EKD "übergriffige Menschen" in ihren Reihen nicht duldet, Visionen entwickelt und Strategien umsetzt.

Die EKD hatte zur Umsetzung eines Elf-Punkte-Plans gegen Missbrauch in der Kirche einen Beauftragtenrat berufen, dem leitende Geistliche und Kirchenjuristen angehören. Als Gegenüber sollte der Betroffenenbeirat das Gremium beraten und sicherstellen, dass die Belange von Opfern bei Beschlüssen berücksichtigt werden.

Wird der Betroffenenbeirat aufgelöst?

Die ehrenamtlichen Mitglieder des Betroffenenbeirats wurden im September berufen. Bereits im März waren Mitglieder mit Kritik an die Öffentlichkeit getreten. Sie beklagten, dass sie vom Beauftragtenrat nicht ausreichend und rechtzeitig informiert und insgesamt nicht auf Augenhöhe behandelt würden. Fünf der zwölf Mitglieder des Beirats waren bis zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Gremium zurückgetreten.

Am Montagabend soll bei einer Sitzung entschieden werden, ob der Betroffenenbeirat in seiner verbliebenen Zusammensetzung aufgelöst wird.

Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist die Gemeinschaft der 20 evangelischen Landeskirchen in der Bundesrepublik. Wichtigste Leitungsgremien sind die EKD-Synode mit ihren Mitgliedern, die Kirchenkonferenz mit Vertretern der Landeskirchen sowie der aus ehrenamtlichen Mitgliedern bestehende Rat. Sitz des EKD-Kirchenamtes ist Hannover.

Synode der EKD / © Norbert Neetz (epd)
Synode der EKD / © Norbert Neetz ( epd )
Quelle:
epd