Womöglich mehr Missbrauchsfälle in Frankreich
Symbolbild Missbrauch
Erzbischof Stefan Heße
Erzbischof Stefan Heße

10.03.2021

Erneut Vertuschungsvorwürfe gegen Hamburger Erzbischof Heße Fall F.

Gegen den Hamburger Erzbischof Stefan Heße werden erneut Vorwürfe erhoben, einen Missbrauchsfall nicht gründlich genug untersucht zu haben. 

Laut eines Berichts der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" (Donnerstag) soll Heße Zeugen zufolge in seiner Zeit als Personalchef im Erzbistum Köln vorschnell von der Unschuld eines beschuldigten Pfarrers überzeugt gewesen sein und der Schilderung eines Betroffenen nicht geglaubt haben.

Dem Bericht zufolge hat sich 2011 ein wegen einer bipolaren Störung in psychiatrischer Behandlung befindlicher Mann bei der damaligen Opferbeauftragten des Erzbistums Köln, Christina Pesch, gemeldet und angegeben, in den Jahren 1968 bis 1972 von dem inzwischen verstorbenen Pfarrer F. sexuell missbraucht und vergewaltigt worden zu sein. Heße soll daraufhin mit dem Betroffenen und seinem Anwalt ein Gespräch geführt und wenig später auch Pfarrer F. zu den Vorwürfen befragt haben, die er abgestritten habe. Kurz darauf habe Heße Pesch gesagt, dass an den Vorwürfen gegen F. nichts dran sei. Auch dem Anwalt des Betroffenen sei einige Zeit nach dem Gespräch telefonisch vom Erzbistum mitgeteilt worden, dass die Vorwürfe nicht hätten erhärtet werden können.

"Aussage gegen Aussage"

Pesch sagte "Christ und Welt", der Fall sei weiter ungeklärt. "Aussage stand gegen Aussage." Sie habe bereits 2011 die weitere Klärung der Vorwürfe mittels eines Glaubwürdigkeitsgutachtens empfohlen. Dies sei jedoch nicht einmal in Erwägung gezogen worden.

Den Anwalt des Betroffenen zitiert "Christ und Welt" mit den Worten: "Bei Herrn Heße war im Gespräch keinerlei Empathie zu spüren." Er habe gar keinen Hehl daraus gemacht, dass er auf der Seite des Beschuldigten stehe und mit rechtlichen Konsequenzen gedroht.

Kein Kommentar aus Hamburg

Heße äußert sich aktuell weder zu diesem Fall noch zu anderen Einzelfällen, wie sein Sprecher bestätigte. Laut "Christ und Welt" hat er im vergangenen Jahr in einem Schreiben an die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) Stellung genommen. Demnach habe es "keine Grundlage für eine weitere Tätigkeit der kirchlichen Stellen" gegeben. Auch habe er pflichtgemäß den damaligen Kölner Erzbischof Joachim Meisner über die Vorwürfe gegen F. informiert. Dieser hätte Experten zufolge eine kirchenrechtliche Voruntersuchung gegen F. einleiten müssen.

In der bisher unveröffentlichten Studie der Münchner Kanzlei wird Heße auch laut früheren Medienberichten vorgeworfen, als Personalchef in Köln mehrere Missbrauchsfälle vertuscht zu haben. Der Erzbischof hatte die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Im November 2020 hatte Heße die Bischofskongregation in Rom über die Vorwürfe informiert und um Prüfung gebeten.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat das WSW-Gutachten wegen "methodischer Mängel" vorerst nicht veröffentlichen lassen. Er gab ein neues Gutachten zum Umgang mit sexuellen Missbrauchsfällen in Auftrag, das am 18. März vorgestellt werden soll. Heße ist seit 2015 Erzbischof von Hamburg und war zuvor ab 2006 Personalchef und von 2012 bis 2015 Generalvikar im Erzbistum Köln.

Ehemaliger Interventionsbeauftragter tritt aus Kirche aus

Unterdessen ist Oliver Vogt (51), ehemaliger Interventionsbeauftragter des Erzbistums Köln für den Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch, aus der Kirche ausgetreten. Vogt, inzwischen Leiter der Schulverwaltung von Solingen, bestätigte am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) einen entsprechenden Bericht des ZDF-Magazins Frontal 21.

Für seinen Schritt, der bereits im Februar 2021 erfolgte, habe es mehrere Gründe gegeben. Dazu gehöre auch der persönliche Umgang von ehemaligen und amtierenden verantwortlichen Personen im Erzbistum mit der Aufarbeitung von Missbrauch. "Ich komme nicht mehr klar damit, dass führende Kirchenvertreter nicht bereit sind, moralisch Verantwortung für die Geschehnisse, an denen sie persönlich beteiligt waren, zu übernehmen", sagte Vogt.

Der Sozialarbeiter und Betriebswirt im Sozialwesen wechselte im Herbst 2019 an das neu gegründete kirchennahe Institut für Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt (IPA) in Lantershofen bei Bonn. Ein Jahr später gab er dann überraschend die Leitung der Einrichtung ab.

(KNA)

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