Hannoverscher Pfarrverband fordert Impfung für alle Seelsorger ohne Ausnahmen
Hannoverscher Pfarrverband fordert Impfung für alle Seelsorger ohne Ausnahmen
Andreas Dreyer
Andreas Dreyer

16.03.2021

Evangelischer Pfarrverein fordert baldige Impfungen für Seelsorger "Wir denken von den Klienten her"

Bei der Impfstoffverteilung wird der Mangel verwaltet, deswegen sollen die Vakzine nach Wichtigkeit verimpft werden. Einige Seelsorger sind demnach bevorzugt. Der hannoversche Pfarrverband möchte die Priorisierung aber für alle Seelsorger.

DOMRADIO.DE: Sie wollen, dass alle Pfarrerinnen und Pfarrer bevorzugt geimpft werden. Warum?

Andreas Dreyer (Evangelischer Pfarrer und Vorsitzender des Hannoverschen Pfarrvereins): Uns ist die Einheitlichkeit in unserer Berufsgruppe wichtig. Es gibt spezialisierte Altenheimseelsorger und Schulpastorinnen und Pastoren. Aber wir wünschen uns um der Gleichbehandlung willen, dass alle, auch die, die nicht regelmäßig oder nur mit wenigen Stunden oder wenigen Andachten im Altenheim dort tätig sind, auch geimpft werden, damit sie keinen Nachteil haben. Und wir wollen, dass auch die Menschen in den Schulen, die Schülerinnen und Schüler und die Senioren in den Altenheimen eben auch ihren Pastor, ihre Pastorin zu Gesicht bekommen können. Das geht nur, wenn sie geimpft sind.

DOMRADIO.DE: Nur sind die Impfdosen in Deutschland ja immer noch knapp. Dazu kommt noch die Aussetzung der Impfungen mit AstraZeneca. Da wird es nochmal deutlich enger. Halten Sie die Forderung nach einer Impfung für alle Pfarrerinnen und Pfarrer trotzdem aufrecht?

Dreyer: Wir erhalten sie aufrecht, auch wenn wir sie vor dem Impfstopp gestellt haben und so auch nicht damit gerechnet haben. Aber wir denken und hoffen - und so sehen es ja auch viele Experten -, dass dieser Impfstopp hoffentlich bald auch wieder aufgehoben werden kann und dann auch die Impfungen der Berufsgruppen fortgesetzt werden können. Wir wollen jetzt natürlich nicht den Senioren die Biontech-Impfdosen wegschnappen. Sondern wir wollen im Gleichklang mit den anderen Berufsgruppen eben jetzt auch unsere Berufsgruppe berücksichtigt wissen.

DOMRADIO.DE: Wie ist da die Stimmung unter den Pfarrerinnen und Pfarrern? 

Dreyer: Das Stimmungsbild ist natürlich noch aus der Zeit vor dem AstraZeneca-Stopp, der erst Montagnachmittag ausgesprochen worden ist. Die Stimmung war in unserer Landeskirche schon so, dass das hannoversche Papier (Beschluss der Hannoverschen Landeskirche, der Impfreihenfolge des Bundes zu folgen; Anm. d. Red.), was die Priorisierung, die Bevorrechtigung Einzelner aus der Berufsgruppe vorsah, nicht so gut angekommen ist, weil die Trennlinie sehr unscharf ist und weil sie Gewinner und Verlierer hervorbringt und weil dann nicht wirklich sichtbar ist, wann kommen auch die anderen dran, die auch in der Notfallseelsorge und in anderen Tätigkeitsfeldern darauf angewiesen sind, auch geimpft zu werden.

DOMRADIO.DE: Hätte es aber bei dem knappen Impfstoff nicht auch eine Symbol- oder Vorbildwirkung, wenn Sie, die Pfarrerinnen und Pfarrer sagen "Nein, wir stellen da unsere eigenen Ansprüche zurück und lassen erst mal die besonders Gefährdeten vor"?

Dreyer: Genau deswegen sind wir mit der Forderung auch relativ spät dran und sind Wochen, vielleicht sogar Monate nach der Forderung aus anderen Berufsgruppen jetzt damit rausgekommen und wollen einer Impfdrängelei, wie es sie an manchen Stellen gab, eben auch nicht Vorschub leisten.

Aber um genau dieses Problem der Impfdrängelei zu beheben, haben wir gesagt, hier muss eben auch eine klare Kante her, damit wir nicht unter Umständen auseinanderdividiert werden in solche, die die Impfung schon haben und andere, die sie noch nicht haben. Hier muss eine klare Kante seitens der Landeskirche, besser noch mehrerer Landeskirchen her, damit deutlich wird, hier gibt es einen Anspruch darauf. Und dann können alle eben auch ihren Tätigkeiten nachgehen und sich um ihre Schutzbefohlenen kümmern.

DOMRADIO.DE: Was macht denn die Berufsgruppe der Pfarrerinnen und Pfarrer zu einem wichtigeren oder schützenswerteren Beruf als zum Beispiel Verkäuferin oder Verkäufer oder Angehörige der Feuerwehren? Die sind nämlich bisher in Gruppe 3 gelistet.

Dreyer: Wir denken von den Klienten her, von Menschen, die ein Seelsorgebedürfnis haben. Es geht da auch um Kranke und Sterbende, die nach uns verlangen und wo man sagen muss, wir müssen uns um diese Menschen kümmern können. Und wir müssen die Möglichkeit haben, zu diesen Menschen zu gehen und ihnen Beistand zu leisten. Auch in der Notfallseelsorge, von der ich schon sprach.

Und dazu ist es entscheidend, dass wir in diesen Teams in der Verbindung mit anderen Berufsgruppen eben auch in einem möglichen Gleichklang sind. Hier sollten wir nicht die ersten sein, da haben Sie völlig recht. Andere Berufsgruppen sind auch wichtig. Aber wir möchten schon sagen, es ist für Menschen auch existenziell entscheidend wichtig ist, Kontakt zu Pfarrerinnen und Pfarrern zu haben, an Verkündigung teilnehmen zu können, auch einen Seelsorger einmal in ihrer Nähe zu wissen, anzurufen, einen Besuch ermöglichen zu können. Und deswegen sind wir auch nicht ganz unwichtig.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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