Telefonseelsorge bietet ein "offenes Ohr" im Lockdown
Telefonseelsorge bietet ein "offenes Ohr" im Lockdown
Annelie Bracke (Leiterin der Katholischen Telefonseelsorge Köln)
Annelie Bracke (Leiterin der Katholischen Telefonseelsorge Köln)

11.01.2021

Wie die Telefonseelsorge im Lockdown helfen kann Ein offenes Ohr

Die Maßnahmen des Lockdowns beeinflussen das Leben vieler Menschen. Manche kommen damit gut zurecht, andere sind extrem verunsichert. Bekommt auch die Telefonseelsorge diese Unsicherheit zu spüren? Und wie kann sie helfen?

DOMRADIO.DE: Mit welchen Sorgen und Nöten haben Sie und Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich in den letzten Tagen schon auseinandergesetzt?

Annelie Bracke (Leiterin der Katholischen Telefonseelsorge Köln): Im Grunde haben wir von den Themen her die gleiche Lage, die wir immer haben. Es geht immer um Einsamkeit. Es geht aber auch um Probleme in den Beziehungen, in Partnerschaften und in den Familien. Es geht um Ängste, Existenzsorgen oder psychische Erkrankungen. Einige der Sorgen und Probleme haben sich durch diese Corona-Vorschriften allerdings verschärft.

DOMRADIO.DE: Es gelten nun verschärfte Corona-Beschränkungen. Über allem schwebt immer das Motto "So wenig Kontakte wie möglich". Das läuft zwangsläufig auf das Alleinsein hinaus. Wie sehr macht die Einsamkeit den Menschen denn gerade zu schaffen?

Bracke: Das ist schon ein Thema, was jetzt nochmal stärker wird, auch wenn wir immer damit zu tun hatten. Wenn ich zum Beispiel an ältere Menschen denke, die vielleicht allein leben, dann haben die schon den einen oder anderen Telefonkontakt. Aber das, was dem Leben eine Struktur gegeben hat, vielleicht ein Senioren-Kreis oder sich mit ihren Familien treffen zu können, das fällt weg oder geht nicht so unkompliziert.

Manche Menschen haben auch dadurch Halt gefunden, dass sie regelmäßig in ein Café um die Ecke gehen konnten, dort die Bedienung kannten und freundlich empfangen wurden. Auch das geht ja nicht im Moment. Es sind diese kleinen Dinge, die dem Alltag Struktur gegeben haben und Kontakt bedeutet haben - und jetzt nicht mehr gehen.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die auch in der Familie einsam sein können. Wenn man auf engstem Raum zusammen ist und vielleicht vorher schon Probleme da waren, verschärfen sich diese dann. Man kann nicht mehr raus und durch andere Kontakte ein bisschen für Entspannung sorgen.

DOMRADIO.DE: Ist denn das Thema häusliche Gewalt in dem Zusammenhang ein größeres geworden als vor der Pandemie?

Bracke: Das kriegen wir bei unserem Telefonangebot nicht so sehr mit. Da gibt es nochmal andere Angebote. Soweit ich weiß, aber schon.

DOMRADIO.DE: Wie können Sie und Ihr Team helfen? Ist es nur das Zuhören oder gibt es auch weitergehende Hilfen?

Bracke: Zunächst ist das Zuhören ganz wichtig. Wir nennen es das aktive Zuhören. WIr hören, versuchen die Probleme zu verstehen und andere Impulse zu geben. Weitergehende Hilfen kann man manchmal an die Hand geben. Manchmal gibt es Verweise auf Beratungsstellen. Aber das erste, was wir anbieten, ist unser eigenes offenes Ohr.

DOMRADIO.DE: Wer wendet sich an die Kölner Telefonseelsorge?

Bracke: Von den Geschlechtern her sind es etwa zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer. Das hat sich auch nicht groß verändert.

Wir haben als Telefonseelsorge generell auch Onlineangebote. Da sind es dann etwas mehr Männer als Frauen. Bei der Altersverteilung haben wir sehr viele im mittleren Lebensalter. Wir haben aber auch junge Menschen, Jugendliche, junge Erwachsene und sehr alte Menschen. Also im Grunde ganz breit verteilt durch die Gesellschaft.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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