Gräberfeld und Trauerort für Sternenkinder in Köln Worringen
Gräberfeld und Trauerort für Sternenkinder in Köln Worringen
Grabstelle der kleinen Nika
Grabstelle der kleinen Nika
Gräberfeld und Trauerort St. Pankratius am Worringer Bruch
Gräberfeld und Trauerort St. Pankratius am Worringer Bruch
Trauerort für Sternenkinder in Köln Worringen
Trauerort für Sternenkinder in Köln Worringen
Trauerort für Sternenkinder in Köln Worringen
Trauerort für Sternenkinder in Köln Worringen

13.12.2020

Sternenkindern wird am Worringer Bruch auf einem eigenen Friedhof gedacht "In mir hat dieses Kind doch schon gelebt"

Die Trauer ist groß, wenn Eltern ein Kind bereits im Mutterleib verlieren. Statt Babygeschrei und Freudentränen ist es dann nur innere Leere, die von dem freudig erwarteten Ereignis bleibt. Da kann es trösten, einen Ort für diese Gefühle zu haben.

Nika war ein Wunschkind. Nach drei Söhnen sollte es das ersehnte Mädchen sein. Doch in der 19. Woche stellt die Ärztin von Marga Feller* fest, dass im Mutterleib keine Bewegungen mehr messbar sind und das Kind nicht mehr lebt. "In diesem Augenblick brach eine Welt für mich zusammen. Ich fühlte mich mutterseelenallein", erinnert sich die 32-Jährige rückblickend, zumal ihr Mann coronabedingt die Praxis nicht betreten durfte und in diesem Moment des ersten Schocks nicht bei ihr war. "Ich konnte nur noch denken: Mir wurde mein Kind genommen." Dann habe sie furchtbar geweint und das weitere Gespräch über die nächsten medizinischen Schritte wie im Film erlebt. "Ich weiß nur noch, dass mich jemand – trotz Corona – in den Arm genommen hat und trösten wollte."

Eine ganz normale Kontrolluntersuchung hatte angestanden. Vielleicht hätte die junge Frau bei dieser Gelegenheit auch Gewissheit bekommen, dass es wirklich ein Mädchen ist. "Denn mein Gefühl sagte mir, dass wir uns auf ein Schwesterchen für die drei Jungs freuen dürfen. Und als Mädchen lebt dieses ungeborene Kind auch in meiner Erinnerung weiter." Lange hatte das Paar niemandem von der Schwangerschaft erzählt. Nach zwei vorangegangenen Fehlgeburten wollte es sicher gehen, dass auch alles wirklich in Ordnung ist, bevor diesmal Familie und Freunde davon erfahren. Eben weil Marga Feller schon zweimal ein Kind in einem frühen Stadium verloren hatte, war sie ohnehin bereits ängstlich in die erneute Schwangerschaft gegangen. "Eigentlich konnte ich es diesmal gar nicht richtig genießen. Immerzu hatte ich Panik-Attacken und große Sorge, ich könne auch dieses Kind verlieren."

Ein Abschied für immer

Schon wenige Stunden nach dem Arztbesuch wird die Mutter von drei Kindern notfallmäßig operiert. Es kommt zu Komplikationen und in der Folge zu einer lebensgefährlichen Situation, die sie bei hohem Blutverlust nur knapp überlebt. Zwei Tage liegt Feller auf der Intensivstation, und wieder ist sie mit ihrer Trauer allein. "Ich konnte nur noch denken: Nun ist dieser Abschied für immer. Niemals werde ich meine Tochter im Arm wiegen, niemals wird sie fröhlich mit ihren Geschwistern spielen, übermütig lachen oder ein Kleidchen tragen, mit dem ich sie in meiner Phantasie schon gesehen habe." Auch die Traurigkeit, mit der ihre Kinder diese für alle so niederschmetternde Nachricht aufgenommen haben, schneidet ihr durchs Herz.

Aber gerade sie sind es, für die Marga Feller versucht, stark zu sein und alle trüben Gedanken wegzuwischen. "Ich musste doch an meine Familie denken, die mich braucht, für sie weitermachen und alle meine Kräfte mobilisieren. Den Trost, es in ein paar Monaten noch einmal mit einer Schwangerschaft zu versuchen, gibt es nicht. Das gesundheitliche Risiko für mich selbst wäre zu hoch, haben die Ärzte gesagt. Ich dürfe mit meinem Leben nicht Lotto spielen."

In Roggendorf-Thenhoven gibt es einen Sternenkinder-Friedhof

Eine "stille Geburt", wie der frühe Abschied von einem Kind im Mutterleib oft genannt wird, bleibt für die meisten Eltern ein unvergessenes Trauma. Viele fühlen sich dem verstorbenen Kind noch lange Zeit verbunden und müssen Trauerarbeit leisten. Manchmal ein Leben lang. Den Abschied bewusst zu gestalten, kann helfen, den Verlust begreifbar zu machen und neuen Mut zu fassen. Das weiß auch Marita Heider. Und dass eine solche Trauer einen Ort braucht.

In der katholischen Kölner Pfarrgemeinde St. Pankratius Am Worringer Bruch ist daher auf die Initiative einer ehrenamtlichen Projektgruppe unter ihrer Leitung auf dem Friedhof Roggendorf-Thenhoven ein konfessionsunabhängiger Gräbergarten und Trauerort für Sternenkinder entstanden. So werden Säuglinge genannt, die vor, während oder unmittelbar nach der Geburt versterben. Seit der Einweihung des Sternenkinderfriedhofes im November 2017 durch Stadtdechant Monsignore Robert Kleine finden dort immer wieder Beisetzungen statt – mit einem Bestatter und einem Seelsorger, wenn gewünscht.

Sterne machen den Friedhof zu einem Symbol der Hoffnung

"Wenn das Unfassbare geschieht, kann die Umwelt mit dem Schmerz der Betroffenen oft nicht umgehen. Erst recht verstehen viele nicht, dass ein so kleines Baby, das für sie noch gar nicht sichtbar war, sogar beerdigt werden soll", stellt Heider fest. Marga Feller bestätigt: "Es gab Menschen, die unseren Schmerz nicht gesehen haben. Die verständnislos, unsensibel und respektlos reagiert haben – auch auf unsere Entscheidung, unser gerade mal 19 Wochen altes Sternenkind bestatten zu wollen." Zum Glück habe es auch diejenigen gegeben, die die Idee einer richtigen Beerdigung unterstützt hätten. "Sie gehen nun regelmäßig mit auf den Friedhof. Ihre Anteilnahme bedeutet uns viel."

Durch den großen Zuspruch, den das Projekt des Sternenkinder-Friedhofs von Beginn an erfahren hat, konnte dieser Ort auch entsprechend künstlerisch gestaltet werden: mit einer Stahl-Skulptur, die wie ein schützender Rahmen das Gräberfeld ellipsenförmig umschließt. Die farbigen Kunstglas-Elemente in den sternenförmigen Durchbrüchen der Wände machen diesen Ort spürbar zu einem Symbol von Trauer und Hoffnung. Kirchlicherseits besteht das Angebot, die Bestattung eines Sternenkindes mit einer Feier zu begleiten. Sie kann aber auch ganz still und privat stattfinden. Das entscheiden jeweils die Eltern. Im Trauerfall können sich die Eltern mit dem Pfarrbüro von St. Pankratius in Verbindung setzen.

Gräberfeld steht auch Familien ohne religiöse Bindung offen

Marga Feller und ihre Familie sind dankbar, dass sie ihr drittes Sternenkind auf diesem Friedhof beerdigen konnten. Bei der Taufe ihrer drei Söhne 2017 machte sie damals der Diakon der Gemeinde auf diese Möglichkeit aufmerksam. Für die Fellers ist das ein Segen, weil ihnen die intime Abschiedsfeier Mitte Mai im engsten Kreis sehr geholfen hat. Die Geschwisterkinder hatten zuvor kleine Herzen gebastelt, die sie anstelle von Blumen in das kleine Erdloch geworfen haben, in das die Schachtel mit dem winzigen Leichnam versenkt wurde.

"Viele Frauen sind mit ihrer Trauer allein gelassen und stoßen in ihrem sozialen Umfeld auf Unverständnis, wenn sie nach einem längeren Zeitraum immer noch nicht den Verlust ihres Kindes überwunden haben. Wir gehen hier ein gesellschaftliches Thema an, das nicht allein mit Kirche zu tun hat", betont Marita Heider. Denn das Gräberfeld stehe selbstverständlich auch Familien offen, die keine religiöse oder konfessionelle Bindung haben. "Leider ist immer noch nicht allen Mitarbeitern in Krankenhäusern oder gynäkologischen Praxen bekannt, dass es Orte für Sternenkinder gibt, dass es Menschen gibt, die Eltern in ihrer Trauer begleiten, oder dass auch die Kleinsten ein Anrecht auf eine würdige Bestattung haben."

Stern mit Name und Datum anstelle eines Gedenksteins

Gerade jetzt vor Weihnachten holt Marga Feller ihre Trauer wieder mit voller Wucht ein – genauso wie schon im Oktober, zum Zeitpunkt des ursprünglich errechneten Geburtstermins von Nika. Doch immer, wenn es am schlimmsten wird, besucht sie ihre ungeborene Tochter auf dem Friedhof. Der Gang dorthin ist für sie zu einem wichtigen Ritual bei der Verarbeitung ihres Schmerzes geworden. "Hier kann ich eine Kerze aufstellen, das kleine Grab in Ordnung halten und mit meinem Kind ohne Scheu sprechen. Dass es diesen Ort gibt, an dem ich mich mehr noch als woanders mit Nika verbunden fühlen kann, gibt mir Kraft. Nun weiß ich meine drei Sternenkinder vereint im Himmel. In solchen Momenten empfinde ich, dass die Sonne mehr als an jedem anderen Ort strahlt."

Zurzeit ziert ein kleiner Tannenbaum die Grabstätte. Und statt eines Gedenksteins gibt es einen Stern, auf dem der Name und das Datum stehen, an dem sich Nika im Mutterleib von dieser Welt verabschiedet hat. "Wenn ich hier Blumen ablege, ist das für mich, als würde ich meine Kleine baden oder wickeln", beschreibt Marga Feller ihre Gefühle. "Unser Kind wird für immer seinen Platz in unserer Familie haben. Es hat in mir doch schon gelebt, auch wenn ich es nie in meinen Armen halten konnte."

*Der Name wurde von der Redaktion geändert.

Beatrice Tomasetti
(DR)

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