Eine Frau auf einer Beerdigung
Eine Frau auf einer Beerdigung
Trauerexpertin Eva-Maria Will
Trauerexpertin Eva-Maria Will

10.12.2020

Wie laufen Beerdigungen in der Corona-Zeit ab? Als ob Verstorbene keine Freunde gehabt hätten

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist die Trauer groß. In Corona-Zeiten darf man aber nicht so wie normalerweise trauern. Beerdigungen finden in kleinstem Rahmen statt. Eine Belastung für viele, weiß Seelsorgerin Eva-Maria Will.

DOMRADIO.DE: Bei den Beerdigungen können nur wenige Menschen teilnehmen. Bei Sterbenden ist vorher manchmal der Zugang im Krankenhaus begrenzt. Wie belastend ist diese Situation für die Hinterbliebenen?

Eva-Maria Will (Theologin, Erzbistum Köln, Bereich Abschied und Trost): Das ist natürlich sehr belastend. Für die Hinterbliebenen und für jeden Einzelnen ist das in einem ganz konkreten Trauerfall natürlich besonders bedrückend. Denn wir dürfen der anderen Person nicht die Hand reichen oder sie in den Arm nehmen, müssen zwangsläufig auf Abstand bleiben und das in einer solchen Situation. Es ist natürlich auch traurig, wenn wir den Verstorbenen nicht angemessen verabschieden können. Denn es ist ja nicht möglich, sagen wir mal, dass 100 oder mehr Personen kommen dürfen. So fehlt einfach auch die Öffentlichkeit. Das wirkt ja so, als ob der Verstorbene keine Verwandten, keine Freunde oder auch Kollegen gehabt hätte. Eine andere Sache ist jetzt natürlich das, was wir normalerweise kennen, den Trauerkaffee. Der fehlt den Angehörigen natürlich auch, denn er hat ja oft eine ganz befreiende Wirkung. Hier kann ich mich bei einer Tasse Kaffee mit anderen Angehörigen und den Freunden austauschen, gemeinsam an den Verstorbenen erinnern und dann allmählich wieder so im Alltag ankommen. Und dieses Ventil fällt einfach weg.

DOMRADIO.DE: Kann ein digitales Treffen einen Ersatz bieten?

Will: Was die Beisetzung anbetrifft: da sind wir jetzt mittlerweile vielfach durch Homeoffice und so weiter geübt im Umgang mit digitalen Formaten. Es gibt somit eben auch Angehörige, Hinterbliebene, die sich für ein Video entscheiden. Der Vorteil ist, dass man das dann nachher auch wie Fotos verschicken kann. Manche filmen auch eine Bestattung und streamen sie dann über das Internet. Und man muss wirklich sagen: Die digitalen Möglichkeiten haben in Corona-Zeiten eine ganz neue Bedeutung erhalten. Und die Bestatter haben natürlich ihre Angebotspalette diesbezüglich erweitert.

DOMRADIO.DE: Große Beerdigungen sind im Moment nicht möglich, es gibt eine begrenzte Teilnehmerzahl. Das bedeutet ja im Extremfall, dass ganz nahe Angehörige entscheiden müssen: Wer darf denn jetzt kommen und wer nicht. Wie kann ich denn sowas gut entscheiden?

Will: Das ist natürlich eine sehr, sehr schwere Entscheidung. Denn diejenigen, die jetzt eine weite Anreise hätten, die sollten sich natürlich gut überlegen, ob sie überhaupt kommen wollen. Denn eine mögliche Übernachtung, die damit verbunden wäre, brächte die nächste Schwierigkeit mit sich. Ähnliches gilt natürlich auch für diejenigen, die in irgendeiner Form einer Risikogruppe angehören. Da wäre die Möglichkeit, diese Personen, diese Trauernden dann später durch das Video mit einzubeziehen. Das Video könnten sie sich zuhause anschauen, vielleicht in einem besonderen Rahmen, indem sie vielleicht ein Bild des Verstorbenen aufstellen, eine Kerze anzünden und dann vielleicht bei dem Video das ein oder andere Gebet mitsprechen. Das ist natürlich kein wirklicher Ersatz für die persönliche Teilnahme und auch für die persönliche Begegnung mit den anderen Hinterbliebenen und Angehörigen. Aber es ist immerhin eine Möglichkeit, auf diese Art und Weise Trauernde mit einzubeziehen.

DOMRADIO.DE: Ist das für die Trauernden noch eine zusätzliche Belastung, weil sie sich ja vielleicht auch ein schlechtes Gewissen machen? Wen lade ich ein oder aus?

Will: Ganz bestimmt ist das auch so, das habe ich auch persönlich mitbekommen. Deswegen kommt es auch vor, dass Angehörige niemanden einladen, um eben keinen ausschließen zu müssen. Das heißt, sie verzichten sogar dann auf eine Feier und lassen den Seelsorger oder auch eine Angehörige ein paar Gebete sprechen. Danach wird erst die Todesanzeige rausgeschickt, mit dem Hinweis, die Beerdigung habe bereits im engsten Familienkreis stattgefunden. Da kann man sich natürlich vorstellen, dass der eine oder die andere sich vielleicht vor den Kopf gestoßen fühlt, das auf diese Art und Weise zu erfahren. Das heißt natürlich auch nicht, dass sich die Angehörigen mit so einer Situation wohl fühlen. Aber sie wollen einfach vermeiden zu sagen: Du darfst kommen und du bleibst besser zuhause. Das zeigt doch wirklich, wie schwierig das ist, hier eine gute und stimmige Form zu finden.

DOMRADIO.DE: Umso wichtiger eine Unterstützung, die man den Menschen anbieten kann. Jetzt bilden sie auch Ehrenamtliche aus, die Beerdigungen vornehmen. In diesen Zeiten: mussten Sie da Ihr Konzept umstellen oder was hat sich geändert?

Will: Zunächst einmal hat sich ganz schlicht und ergreifend geändert, dass wir auch überlegen müssen, ob und wie wir die Ausbildung durchführen können, ob sich bestimmte Formate zum Beispiel für eine Videokonferenz eignen, wie zum Beispiel das Erlernen einer Ansprache oder jetzt die Durchführung der Beerdigung auf dem Friedhof. Das ist alles sehr schwierig. Das heißt, da mussten wir wirklich überlegen, wie wir das jetzt anpassen können. Da sind wir auch immer noch dran.

Das ist das eine, das ist das Formale. Das andere ist, dass ich mich zunächst einmal sehr freue, dass es nach wie vor Gemeindemitglieder gibt, die diesen Dienst wahrnehmen wollen. In manchen Ohren klingt das vielleicht merkwürdig, aber sie wollen das, sie wollen sich ausbilden lassen und bekommen dann die Beauftragung, damit sie eben die Verstorbenen in ihrem Seelsorgebereich bestatten können. Für diesen Dienst sind immer die sozialen Kompetenzen wichtig. Das ist jetzt nichts Besonderes und nichts Neues. Aber in diesen Corona- Zeiten kommt ja zu dem Verlust des geliebten Menschen ja auch noch der andere Verlust hinzu, nämlich den Angehörigen nicht so verabschieden zu können, wie man es gerne täte. Deswegen erfordert dieser Dienst gerade jetzt ein ganz besonders großes Einfühlungsvermögen. Aber ich muss auch sagen, ich erlebe immer wieder, mit wie viel Leidenschaft und Empathie diese Ehrenamtlichen dann nachher, wenn sie die Ausbildung dann abgeschlossen haben, ihren Dienst dann auch ausüben. 

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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