Mehr Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen
Mehr Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen

06.05.2021

Mehr Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen Krisen, Klimawandel und Corona

Es ist ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2030 will die Staatengemeinschaft den Hunger auf der Welt beenden. Die jüngsten Zahlen stimmen wenig optimistisch. Denn die Corona-Pandemie verschlimmert die Lage in vielen Ländern zusehend.

Zum Beispiel der Kongo. Im zweitgrößten Flächenstaat Afrikas gehört der Hunger inzwischen zum Alltag vieler Einwohner. Von 2019 bis 2020 hat sich die Zahl der Kongolesen, die in akuter Ernährungsunsicherheit leben, um 40 Prozent auf 21,8 Millionen erhöht.

Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten "Global Report on Food Crises" hervor. Mehrere UN-Organisationen wirkten daran mit, die EU aber auch USAid, die Behörde der Vereinigten Staaten für die Entwicklungszusammenarbeit.

In fünf Schweregrade unterteilt

Für die zum fünften Mal vorgelegte Studie untersuchten die Autoren die Situation in 55 Ländern und Regionen, die von Ernährungskrisen betroffen sind - von Afghanistan bis zur Zentralafrikanischen Republik. Als "akute Ernährungsunsicherheit" wird dabei ein Zustand bezeichnet, der das Leben und/oder den Lebensunterhalt eines Menschen bedroht. Er ist unterteilt in fünf Schweregrade von "minimal" bis "Hungersnot" - der Bericht setzt ein bei den drei höchsten Stufen.

Nach dieser Definition hat sich die Zahl der Menschen auf der Welt, die in akuter Ernährungsunsicherheit leben, 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Millionen auf 155 Millionen erhöht. Neben dem Kongo sind zwei Drittel der Hungernden in einem der folgenden neun Länder zuhause: Jemen, Afghanistan, Syrien, Sudan, Nigeria, Äthiopien, Südsudan, Simbabwe und Haiti.

Als Schlüsselfaktoren für eine unzureichende Lebensmittelversorgung nennt der Report Konflikte, Wetterextreme und wirtschaftliche Turbulenzen. So leben demnach 99,1 Millionen der von akuter Nahrungsmittelknappheit betroffenen Menschen in Ländern mit bewaffneten Auseinandersetzungen oder brüchiger Sicherheitslage.

Folgen der Corona-Pandemie verschärfen die Lage

Während Konflikte aller Voraussicht nach auch im laufenden Jahr der wichtigste Treiber für Lebensmittelkrisen seien, werden die Folgen der Corona-Krise die Situation vor allem in wirtschaftlich schwachen Ländern zusätzlich verschärfen, heißt es. Weiter betonen die Autoren des Berichts, dass 2020 mehr als 75 Millionen Kinder unter fünf Jahren zu klein für ihr Alter und mehr als 15 Millionen zu dünn waren.

Auch im Kongo gehören Heranwachsende zu den besonders Betroffenen, berichtete unlängst die Länderdirektorin von Care, Aline Ouedraogo.

Kinderarbeit und Kinderprostitution nähmen zu. Ebenfalls Sorgen bereitet Ouedraogo die verzweifelte Lage vieler Frauen. Sie versuchen, ihre Familien durchzubringen, haben aber oftmals weder Zugang zu Ressourcen noch zu politischer Macht. Frauen gezielt zu fördern, ist deswegen eine Forderung, die beim Kampf gegen den Hunger immer wieder laut wird.

Eine anderer Punkt sind Investitionen in eine robuste Landwirtschaft als Antwort auf die Herausforderungen durch den Klimawandel. Markus Wolter, Fachreferent für ländliche Entwicklung, Hunger und Agrarhandel beim katholischen Hilfswerk Misereor, spricht von einer "ökologisch und fair geprägten Landwirtschaft, die mit vielfältigen Anbaukulturen und angepasstem Saatgut für regionale Märkte gesunde Produkte produzieren kann".

Sind die G7-Staaten gefordert?

Ganz offenbar braucht es ein Bündel an Maßnahmen, um den Hunger zu bekämpfen. Zugleich wachsen Zweifel, ob er, wie von der Staatengemeinschaft anvisiert, bis 2030 tatsächlich ausgerottet werden kann. Mit Blick auf die "alarmierenden Zahlen" des Reports sagt der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge: "Es ist niederschmetternd zu sehen, dass wir diesen katastrophalen Trend nicht stoppen können."

Insbesondere die G7-Staaten müssten nun dringend zusätzliche Gelder für Nothilfemaßnahmen bereitstellen "und vor allem dazu beitragen, dass friedenssichernde Diplomatie wieder ein größeres Gewicht erhält".

Voraussichtlich im September wollen Experten, Helfer und Politiker beim UN-Ernährungsgipfel "Food Systems Summit" darüber beraten, wie sich der Hunger nachhaltig und klimafreundlich reduzieren lässt.

Der Bonner Agrarwissenschaftler Joachim von Braun gehört zu denen, die das Treffen vorbereiten. Ob das Ziel "Null Hunger bis 2030" erreicht wird, hänge davon ab, "wie viel und in was jetzt investiert wird", sagte von Braun Ende vergangenen Jahres. "Unseren Modellrechnungen zufolge müsste die Staatengemeinschaft dafür im Jahr etwa 40 bis 50 Milliarden US-Dollar mehr ausgeben als bisher."

Joachim Heinz
(KNA)

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