"Kirche(n) im Dorf lassen" feiern Gottesdienst in Lützerath
"Kirche(n) im Dorf lassen" feiern Gottesdienst in Lützerath
Sticker "Atomkraft? Nein danke" am ehemaligen Erkundungsbergwerk Gorleben
Sticker "Atomkraft? Nein danke" am ehemaligen Erkundungsbergwerk Gorleben

04.07.2021

Umweltschützer laufen von Gorleben bis Garzweiler "Kreuzweg für die Schöpfung"

Atomkraftgegner sind am Sonntag in Gorleben zu einem "Kreuzweg für die Schöpfung" gestartet. In 26 Etappen wollen sie rund 500 Kilometer weit bis in das Dorf Lützerath am Braunkohletagebau Garzweiler in Nordrhein-Westfalen gehen.

Mit der Aktion wollen sie gegen Atomkraft, Braunkohle und gegen neue Autobahnen demonstrieren, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Elisabeth Hafner-Reckers, zum Auftakt. Die Erkenntnisse über die Auswirkungen der Klimaveränderung seien erdrückend. "Dieser Kreuzweg fordert uns auf, andere Wege zu gehen, damit vor allem unsere Nachkommen die Folgen der Klimaveränderung überleben können", betonte die Aktivistin.

Opfern gedenken

Das Symbol des Kreuzes bezeichnete Hafner-Reckers als "sperrig und widersprüchlich". Einerseits sei es immer wieder benutzt worden, um Ausbeutung, Unterdrückung und Kriege zu rechtfertigen. Andererseits hätten sich immer schon Menschen, die das Kreuz als Zeichen der Umkehr und des Aufstehens gegen die Hoffnungslosigkeit verstehen, unter diesem Symbol versammelt.

"Mit dem Kreuzweg wollen wir auch der vielen Menschen gedenken, die in Folge der globalen Klimaerhitzung ihre Heimat oder gar ihr Leben verloren haben - und zugleich deutlich machen, dass wir eine Wirtschaftsweise nicht mehr akzeptieren, die solche Opfer als scheinbar unausweichlich hinnimmt," erklärte Umweltschützer Michael Friedrich von der Mahnwache in Lützerath.

Lützerath im rheinischen Braunkohlerevier ist das Ziel des Kreuzwegs, wie die Initiative "Kirche(n) im Dorf lassen" in Lützerath mitteilte. Es soll wie bereits andere Ortschaften der Region dem Braunkohletagebau weichen. 

Historischer Vorläufer

Die Aktion erinnere an einen Kreuzweg aus dem Jahr 1988, hieß es. Damals trugen Atomkraftgegner ein Kreuz vom ostbayerischen Wackersdorf, das wegen der dortigen Proteste gegen eine Wiederaufarbeitungsanlage bekannt wurde, bis nach Gorleben. Rund 6.000 Menschen beteiligten sich an dem 33 Tage dauernden Weg, der im März 1988 startete.

Der Weg führt unter anderem vorbei am Atomkraftwerk Grohnde bei Hameln, dem Kohlekraftwerk Datteln im Ruhrgebiet, der Zentrale des Energiekonzerns RWE in Essen und dem Sitz der nordrhein-westfälischen Landesregierung in Düsseldorf. Zu dem Kreuzweg haben Bürgerinitiativen, Umweltverbände sowie kirchliche Gruppen und Gliederungen wie die Evangelische Kirche im Rheinland oder die katholische Fraueninitiative Maria 2.0 aufgerufen.

(KNA)

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